Stand: 03.04.2018 10:00 Uhr  | Archiv

Brustkrebsfrüherkennung: Was ist sinnvoll?

Diagnostik anhand einer Mammodraghie-Aufnahme © dpa/picture alliance Foto: Jan-Peter Kasper
Die meisten Frauen mit Brustkrebs haben heute gute Überlebenschancen.

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 70.000 Frauen an Brustkrebs. Damit ist Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Die meisten Frauen mit Brustkrebs haben heute eine gute Überlebenschance. Das liegt an immer besseren Therapien - und an einer immer besseren Früherkennung.

Brustkrebs-Risiko steigt mit zunehmendem Alter

Generell steigt das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, mit zunehmendem Alter an. Sind bereits Blutsverwandte wie Mutter, Tochter oder Schwester erkrankt, verdoppelt sich das Brustkrebsrisiko. Sind zwei Verwandte betroffen, vervierfacht sich das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken.

Regelmäßiges Abtasten wichtig

Neben der Tastuntersuchung beim Gynäkologen, die sowohl für Frauen mit und ohne erhöhtes Brustkrebsrisiko ab dem 30. Lebensjahr einmal jährlich von ihrer Krankenkasse bezahlt wird, raten Frauenärzte zu regelmäßigen Selbstuntersuchungen der Brüste. Das Abtasten der Brust ist eine einfache Möglichkeit, Veränderung im Brustdrüsengewebe festzustellen. Die Selbstuntersuchung sollte immer zum gleichen Zeitpunkt des Zyklus erfolgen, um bessere Vergleichsmöglichkeiten zu haben. Dazu eignet sich insbesondere die Zeit zwischen dem dritten und siebten Tag nach dem Einsetzen der Regelblutung. Zu diesem Zeitpunkt ist die Brust relativ frei von hormonellen Gewebsverhärtungen.

Schulungen für die Selbstuntersuchung

Die Initiative "Discovering Hands" bildet blinde Frauen zu Medizinischen Tastuntersucherinnen (MTU) aus. Die Idee: Aufgrund ihres besonders gut ausgeprägten Tastsinns erkennen sie in der Regel weitaus kleinere Veränderungen im Gewebe der Brust als Ärzte. 30 bis 50 Minuten dauert die Untersuchung durch die MTU. Dabei tasten sich die Finger Zentimeter für Zentimeter an speziell gefertigten Klebestreifen entlang, die auf der Brust angebracht werden. Die Ergebnisse werden im Anschluss mit dem Arzt besprochen. Und: Die Initiative bietet Schulungen für die Selbstuntersuchung an.

Ein weiteres Angebot für Frauen ist "Mammacare". In anderthalbstündigen Kursen lernen Frauen, ihre Brust selbst abzutasten. Maximal vier Teilnehmerinnen nehmen teil. Die Kosten belaufen sich auf 30 Euro.

Mammografie-Screening für Frauen ab 50

Das Mammografie-Screening richtet sich als zusätzliches Angebot zur jährlichen Krebsfrüherkennungsuntersuchung an alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren. Alle zwei Jahre haben sie Anspruch auf eine Mammografie, also eine Röntgenuntersuchung der Brust. Die Kosten dafür werden von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. Auch wenn es kontroverse Meinungen über den Nutzen des Screenings gibt, ist sich die Mehrzahl der Fachleute einig, dass die Vorteile der Früherkennungsuntersuchung überwiegen. Der entscheidende Vorteil des Screenings ist, dass Tumore, die früh entdeckt werden, im Allgemeinen schonender und erfolgreicher behandelt werden können.

Bei jungen Frauen Ultraschalluntersuchung sinnvoll

Gerade bei jungen Frauen mit sehr dichtem Brustgewebe liefert die Mammografie eher unklare Ergebnisse. Die radiologische Dichte der weiblichen Brust (lateinisch Mamma) beschreibt das Verhältnis von Milchdrüsen und Milchgängen zu Fettgewebe. Je höher der Drüsenanteil, desto dichter ist die Brust und desto undurchsichtiger ist sie im Röntgenverfahren. Auffälligkeiten können daher leichter übersehen werden. Daher empfehlen Experten bei jungen Frauen auch immer eine Ultraschalluntersuchung der Brüste. Studien bestätigen, dass durch eine zusätzlich durchgeführte Ultraschalluntersuchung bei Frauen mit dichtem Brustgewebe bösartige Veränderungen nachgewiesen werden konnten, die sowohl bei der Mammografie als auch bei Tastuntersuchungen übersehen wurden. Diese Ultraschalluntersuchung wird im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen nicht berücksichtigt. Die Kosten dafür werden nur bei Risikopatientinnen mit erblicher Vorbelastung oder bei unklaren Befunden mit dem Verdacht einer bösartigen Veränderung von den Krankenkassen übernommen. Viele Frauenärzte bieten den Ultraschall daher als IGeL-Leistung an.

Viele zertifizierte Therapiezentren

In den vergangenen Jahren hat sich nicht nur die Diagnostik, sondern auch die Therapie des Mammakarzinoms verändert und verbessert. Für keine andere Krebsart gibt es mehr zertifizierte Therapiezentren und bessere Behandlungsleitlinien der Fachgesellschaften als für das Mammakarzinom. Die Therapieplanung beginnt bereits mit der Diagnosestellung. Feingewebliche Untersuchungen liefern Informationen über die Art und die Aggressivität des Tumors. Der Nachweis über das Vorliegen oder Fehlen von Hormonrezeptoren sowie bestimmter Wachstumsfaktoren ist entscheidend für das therapeutische Vorgehen.

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Visite | 03.04.2018 | 20:15 Uhr

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