Stand: 22.06.2020 14:26 Uhr  - Visite

Wie gefährlich ist ein Blitzschlag?

Ein Blitz vor tiefblauem Himmel und einem geraden. dunklen Horizont mit Bäumen. © fotolia.com
Ein Blitz setzt gewaltige Energie frei.

Ein Blitzschlag ist für Menschen immer lebensgefährlich. Denn ein Blitz erzeugt innerhalb von 0,02 Sekunden bis zu 30.000 Grad Hitze und eine Stromstärke von 200.000 Ampere. Mögliche Folgen sind schwere Verbrennungen, Atemlähmung, Ganzkörperkrämpfe, Herzrhythmusstörungen, neurologische Ausfälle und Nierenversagen. Wird nur ein Teil des Körpers getroffen, steigt die Überlebenschance. Über die Langzeitfolgen eines Blitzschlags für Gehirn, Herz und Nerven wissen Mediziner noch wenig: Schäden an den Nervenbahnen im Gehirn können jedoch zu einem eingeschränkten Kurzzeitgedächtnis, Reizbarkeit und Konzentrationsstörungen führen.

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Klimawandel führt zu mehr Gewittern

Gewitter und Extremwetterlagen haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Für Meteorologen sind diese ungewohnten Phänomene bereits erste Folgen des Klimawandels: Dass der Treibhauseffekt die Polkappen schmelzen lässt, führt gerade in Deutschland zu extremen Veränderungen der Luftströmungen. Da Hoch- und Tiefdruckgebiete länger an einem Ort bleiben, kommt es vermehrt zu Gewittern mit gefährlichen Blitzeinschlägen.

Blitzschlag: Unterschiedliche Arten

Beim Blitzeinschlag sucht sich der Strom den einfachsten Weg durch den Körper. Eintrittsstellen sind häufig Augen und Ohren. Blutgefäße und Nervenbahnen leiten den Strom wie elektrische Kabel. Experten unterscheiden mehrere Arten, vom Blitz getroffen zu werden:

  • Beim direkten Blitzeinschlag trifft der Blitz den Kopf und die Schultern, der Strom fließt direkt durch den Körper.
  • Beim Kontakteffekt tritt der Blitz über einen Gegenstand in der Nähe in den Körper ein - zum Beispiel über einen Golfschläger in der Hand.
  • Ein sogenannter Überschlageffekt entsteht, wenn der Blitz beispielsweise in einen Baum einschlägt und ein Teil der Energie auf eine Person in der Nähe übertragen wird.
  • Der Schritteffekt tritt bis zu 200 Meter vom Blitzeinschlag entfernt auf: Beim Gehen, Stehen oder Laufen kann zwischen den Füßen eine sogenannte Potenzialdifferenz entstehen. Der Strom tritt dann über ein Bein in den Körper ein und über das andere Bein wieder aus.
  • Ein Leitereffekt entsteht, wenn der Blitz eine Telefonleitung trifft und darüber das Ohr eines telefonierenden Menschen erreicht.

Herzdruckmassage kann Leben retten

Bleibt nach einem Blitzschlag das Herz stehen, bestehen überdurchschnittlich gute Chancen für eine Reanimation. Mehr als 80 Prozent der Betroffenen lassen sich in den ersten fünf Minuten erfolgreich wiederbeleben. Deshalb sollte man bei einem leblosen Blitzschlagopfer sofort mit einer Herzdruckmassage beginnen. Angst vor "Reststrom" ist unbegründet, den gibt es nicht.

Überwachung auf Intensivstation

Wer einen Blitzeinschlag überlebt, muss ins Krankenhaus und mindestens 24 Stunden lang auf der Intensivstation überwacht werden. Denn Herzrhythmusstörungen, innere Verbrennungen, neurologische Ausfälle und Nierenversagen können auch noch Tage später auftreten. EKG, Blutdruck und die Laborwerte werden in dieser Zeit immer wieder überprüft.

Nervenschäden durch Blitze

Die häufigsten Verletzungen durch Blitzschlag betreffen das Nervensystem. Der Blitz bringt das elektrochemisch arbeitende Nervensystem durcheinander und kann viele ganz verschiedene Schäden verursachen. Im glimpflichsten Fall leiden die Betroffenen nur kurzfristig unter Übelkeit oder Schwindel, aber auch Seh- oder Riechstörungen, Gedächtnisverlust und Persönlichkeitsveränderungen können durch einen Blitzschlag ausgelöst werden. Problematisch ist oft die Behandlung dieser neurologischen Langzeitschäden, denn viele Ärzte wissen nicht, was Blitze im Körper des Menschen anrichten und wie sie den Betroffenen über die Folgen des traumatisierenden Ereignisses hinweghelfen können.

Blitzschlag vermeiden: Richtiges Verhalten bei Gewitter

Um der Gefahr aus dem Weg zu gehen, sollte man sich bei Gewitter an die 30-30-Regel halten:

  • Vergehen zwischen Blitz und Donner nicht mindestens 30 Sekunden, ist das Gewitter weniger als zehn Kilometer entfernt und damit bereits gefährlich, da Blitze auch 10 bis 15 Kilometer von der Gewitterfront entfernt einschlagen können.
  • Nach dem Gewitter sollte man mindestens 30 Minuten warten, bis man wieder ins Freie geht.

Zudem sind weitere Verhaltensregeln wichtig:

  • Eine sinnvolle Hilfe sind Smartphone-Apps, die vor einem Gewitter rechtzeitig warnen.
  • Wer mit dem Auto unterwegs ist, sollte es bei einem Gewitter nicht verlassen und die Fenster und Türen geschlossen halten. Durch die Blechumhüllung des Fahrzeugs ist man relativ sicher, denn es ist aufgebaut wie ein Faradayscher Käfig und leitet die Energie um die Insassen herum in die Erde.
  • Wer keine Chance hat, in ein Auto oder Haus zu flüchten, sollte sich hinhocken, um dem Blitz möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten. Am besten beide Beine zusammenhalten und keine elektronischen Geräte benutzen, etwa das Smartphone.
  • Auch Regenschirme, Bäume und Fahrräder bieten dem Blitz eine gute Angriffsfläche und sollten gemieden werden. In Wäldern sollte man deshalb möglichst zu einer Lichtung oder zum Waldrand gehen, sich dort hinhocken und möglichst klein machen.
  • Wer draußen auf einer freien Fläche unterwegs ist, sucht sich idealerweise eine Bodenmulde. Auf gar keinen Fall sollte man sich auf den Boden legen, denn damit bietet man eine größere Angriffsfläche, wenn der Blitz in unmittelbarer Nähe einschlägt.
  • Werden Gruppen vom Gewitter überrascht, sollten sie sich aufteilen, denn auch damit verkleinern sie die Angriffsfläche bei einem möglichen Blitzeinschlag.

Weitere Informationen
Gewitterwolke und Blitz über Landschaft © Colourbox

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Experten zum Thema

Dr. Meeno Schrader, Dipl.-Meteorologe
WetterWelt GmbH
Schauenburgerstraße 116
24118 Kiel
www.wetterwelt.de

Prof. Dr. Fred Zack, Oberarzt
Institut für Rechtsmedizin
Universitätsmedizin Rostock
St.-Georg-Straße 108
18055 Rostock
www.rechtsmedizin.med.uni-rostock.de

Prof. Dr. Berthold Schalke, Oberarzt
Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universität Regensburg
am medbo Bezirksklinikum Regensburg
Universitätsstraße 84
93053 Regensburg
www.medbo.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 22.06.2020 | 20:15 Uhr

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