Stand: 04.02.2020 20:15 Uhr  | Archiv

Abenteuer Diagnose: Antikörpermangelsyndrom

Eine Frau liegt geschwächt und krank in einem Bett. © Colourbox Foto: Artfolio
Das Antikörpermangelsyndrom führt zu einer erhöhten Infektanfälligkeit.

Das Antikörpermangelsyndrom (AMS) ist ein Sammelbegriff für angeborene und erworbene Immundefekte, bei denen zu wenig Antikörper vom Typ Immunglobulin G vorhanden sind. Der Antikörpermangel wird durch Defekte bei der Regulation der B-Zellen hervorgerufen. Die Ausprägung der Symptome innerhalb des Syndroms ist unterschiedlich. Immunglobulin G wirkt gegen Bakterien und Viren. Deshalb führt ein Mangel an Immunglobulin G zu einer hohen Infektanfälligkeit, insbesondere zu Atemwegsinfekten. Am häufigsten wird das AMS im Kleinkindalter und im frühen Erwachsenenalter diagnostiziert. Die Betroffenen leiden unter einer erhöhten Infektanfälligkeit und werden bei Bedarf durch Zufuhr von Antikörpern behandelt.

CVID: Der angeborene Immundefekt

Angeborene Immundefekte werden auch als variables Immundefektsyndrom (CVID) zusammengefasst. Etwa eine von 25.000 Personen ist von dieser sehr seltenen Krankheit betroffen. Experten schätzen, dass bis zu 3.200 Menschen in Deutschland an einem CVID leiden. Das erworbene Antikörpermangelsyndrom ist sehr viel häufiger und kann als Folge verschiedener Erkrankungen, schlechter Lebensbedingungen, Chemo- oder Strahlentherapien auftreten.

Diagnose mit Blutuntersuchung

Bei immer wiederkehrenden Infektionserkrankungen kann der Arzt die Verdachtsdiagnose auf ein Antikörpermangelsyndrom stellen und durch eine Blutuntersuchung bestätigen: Typisch ist, dass im Blut zu wenig Immunglobuline G vorhanden sind, oft sind auch die Immunglobuline A und M niedrig. Um festzustellen, ob das AMS angeboren oder erworben ist, werden weitere Untersuchungen durchgeführt. Dazu gehört vor allem die Bestimmung der Eiweißausscheidung im Urin und des Eiweißverlustes über den Darm.

Therapie: Infusionen mit Immunglobulinen

Ein erworbenes AMS lässt sich durch eine erfolgreiche Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung oft vollständig heilen. Bei einem angeborenen Antikörpermangelsyndrom ist eine Behandlung nur erforderlich, wenn Symptome auftreten. Manche Betroffene bleiben ihr Leben lang beschwerdefrei und müssen sich keiner medizinischen Behandlung unterziehen. Treten Symptome auf, ist keine ursächliche Therapie möglich. Die Betroffenen bekommen daher lebenslang Immunglobuline über die Vene (intravenös) oder unter die Haut (subkutan) zugeführt. Die Infusionen müssen regelmäßig alle zwei bis sechs Wochen stattfinden, damit immer ausreichend Antikörper für die Infektabwehr zur Verfügung stehen. Bei subkutaner Verabreichung ist die Dosis der Immunglobuline geringer, sie muss aber wöchentlich erfolgen. Treten trotzdem bakterielle Infektionen auf, werden sie mit Antibiotika behandelt.

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www.ik-h.de/leistungsspektrum/medizinische-klinik

Dr. Leif Hanitsch, M.Sc., Oberarzt
Immundefekt-Ambulanz
Institut für Medizinische Immunologie
Charité Universitätsmedizin Berlin - Campus Virchow-Klinikum
Augustenburger Platz 1
13353 Berlin
https://immunologie.charite.de

Weitere Informationen
Umfangreiches Informationsportal eines Herstellers von Immunglobulinen
www.immundefekt.com

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