Stand: 28.07.2015 10:00 Uhr  | Archiv

Antibiotika der neuen Generation im Einsatz

Die Pharmaindustrie beliefert Tierärzte in Deutschland insgesamt zwar mit weniger Antibiotika, aber immer häufiger mit Medikamenten, die schon in niedriger Dosierung wirken. Das geht aus einer Statistik für das Jahr 2014 hervor, die das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz jährlich erstellt. Sie lag NDR Info bereits vor der Veröffentlichung am Dienstag vor.

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Antibiotika werden vor allem in der Massentierhaltung eingesetzt.

Besonders auffällig ist die Entwicklung bei zwei Wirkstoffklassen, die nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation und der Weltorganisation für Tiergesundheit von besonderer Bedeutung für die Therapie beim Menschen sind. Ihr Einsatz hat auch in der Tiermast an Bedeutung gewonnen. Dabei geht es um sogenannte Fluorchinolone. 12,3 Tonnen Medikamente mit diesen Wirkstoffen wurden im vergangenen Jahr an Tierärzte abgeben. Das entspricht einem Anstieg von 4,1 Tonnen beziehungsweise einem Plus von 50 Prozent gegenüber 2011. Von Cephalosporinen der dritten und vierten Generation wurden rund vier Tonnen abgegeben. Ihr Wert blieb damit gegenüber dem Vorjahr stabil. Da es sich bei den beiden genannten Wirkstoffklassen um moderne Weiterentwicklungen von Medikamenten handelt, reicht für eine Behandlung der Tiere auch eine weitaus geringere Dosierung als bei älteren Wirkstoffen.

Antibiotika-Einsatz insgesamt rückläufig

Die insgesamt von Veterinären abgegebene Antibiotika-Menge ist seit 2011 rückläufig. Nach den neuesten Zahlen waren es im vergangenen Jahr 1.238 Tonnen und damit rund 200 Tonnen weniger als noch 2013 zuvor. In der Statistik des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit wird auch erfasst, wohin die meisten Antibiotika ausgeliefert werden. Ob sie in diesen Regionen auch zum Einsatz kommen, geht daraus nicht hervor. Es ist aber wahrscheinlich, dass sie dort auch in die Tierhaltungsbetriebe gehen.

Die Statistik führt aus Datenschutzgründen nur die ersten beiden Ziffern der Postleitzahl auf, in denen die belieferten Tierarztpraxen liegen. Demzufolge bilden der Nordwesten Niedersachsens, sowie das Münsterland und Ostwestfalen bundesweit die Spitzengruppe. In der Postleizahl-Region 49 (Osnabrück) haben die Veterinäre mit 506 Tonnen bundesweit am meisten Antibiotika von der Pharmaindustrie bezogen. Allerdings sank hier die Gesamtmenge im Vergleich zu den Vorjahren deutlich um rund 28 Prozent. Darüber hinaus verzeichnet die Statistik Rückgänge der Antibiotika-Abgabe von mehr als zehn Tonnen binnen eines Jahres in mehreren Regionen Niedersachsens - und zwar in den Postleitzahlengebieten 26 (Oldenburg), 27 (Bremerhaven), 29 (Celle). Dasselbe gilt für den Bereich 25 (Elmshorn) in Schleswig-Holstein.

Seit dem Jahr 2011 erfasst das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit jährlich, wie viel Antibiotika von Veterinären abgegeben wird. Grund dafür ist die Sorge, dass sowohl in der Tier- als auch in der Humanmedizin zunehmend antibiotikaresistente Keime auftreten.

Hinweis: In einer ersten Fassung des Artikels war uns ein Fehler unterlaufen. Im ersten Absatz hieß es 4,1 Prozent statt 4,1 Tonnen. Diesen Fehler haben wir korrigiert.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 28.07.2015 | 10:11 Uhr

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