Stand: 16.09.2019 18:39 Uhr

Antibiotika-Forschung: Warum Unternehmen aussteigen

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Viele Pharmaunternehmen haben die Forschung an neuen Antibiotika gestoppt.

Viele Antibiotika wirken nicht mehr. Jedes Jahr sterben in der EU Schätzungen zufolge 33.000 Menschen an resistenten Erregern. Oft helfen nur noch ganz wenige Antibiotika gegen bestimmte Bakterien. Die Vereinten Nationen haben Antibiotikaresistenzen als "größte und dringendste globale Gesundheitsgefahr" benannt. Doch viele Pharmakonzerne haben die Antibiotika-Forschung eingestellt: Mehrere Firmen, unter anderem Bristol-Myers Squibb, Abbott, Eli Lilly, Wyeth, Aventis und Bayer sind bereits vor mehr als zehn Jahren ausgestiegen. Erst kürzlich haben drei weitere große Unternehmen - AstraZeneca, Sanofi und Novartis - die Entwicklung von Antibiotika gestoppt. Und auch der weltgrößte Gesundheitskonzern Johnson & Johnson bestätigte dem NDR, dass er keine weiteren, neuen Antibiotika entwickle.

Gängige Antibiotikanamen auf einem Bildschirm

Antibiotika: Pharmaindustrie stellt Forschung ein

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Immer mehr Antibiotika sind gegen bestimmte Krankheitserreger wirkungslos. Doch viele Pharmakonzerne haben die Forschung an neuen Antibiotika eingestellt. Warum ist das so?

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Gründe für Ausstieg aus Antibiotika-Forschung

Für viele Pharmakonzerne ist die Erforschung neuer Antibiotika offenbar kein gutes Geschäft:

  • Wer täglich Medikamente gegen chronische Krankheiten wie Krebs, Rheuma und Bluthochdruck einnimmt, sorgt für einen höheren Umsatz als Erkrankte mit einer Infektion, die rund eine Woche lang mit Antibiotika behandelt wird.

  • Ärzte setzen neue Antibiotika zunächst als sogenannte Reserve-Antibiotika nur gegen resistente Erreger ein.

  • Resistenzen entwickeln sich so schnell, dass einige Antibiotika nach jahrelanger Entwicklung teilweise schon nicht mehr wirken, wenn sie auf den Markt kommen.

Anzahl wirksamer Antibiotika sinkt

Derzeit sind in Deutschland etwa 80 antibiotische Wirkstoffe zugelassen. Die Zahl erscheint zwar hoch, doch durch die zunehmenden Resistenzen wirken viele der Mittel immer häufiger nicht mehr. Nur wenige Firmen und vor allem staatliche Institute versuchen, die Forschungslücke zu schließen und neue Antibiotika zu entwickeln. Doch das ist teuer und aufwendig. Der Medizin droht im Kampf gegen resistente Bakterien die Zeit davonzulaufen.

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Experten zum Thema

Prof. Dr. Marylyn Addo, Leiterin Sektion Infektiologie
I. Medizinische Klinik und Poliklinik
Zentrum für Innere Medizin
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
(040) 74 10-51 981
www.uke.de

Prof. Dr. Ralf-Peter Vonberg, Facharzt für Hygiene, Umweltmedizin, Mikrobiologie, Virologie, Infektionsepidemiologie
AG Klin. Mikrobiologie
Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1
30625 Hannover
www.mh-hannover.de

Prof. Dr. Gunter Nils Schmidt, Asklepios Klinik Altona, Chefarzt
Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie
Asklepios Klinik Altona
Paul-Ehrlich-Straße 1
22763 Hamburg
(040) 18 18-81 17 81
www.asklepios.com

Dieses Thema im Programm:

17.09.2019 | 20:15 Uhr

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