Ein rohes Steak in einer Pfanne. © colourbox Foto: -

Alpha-Gal-Syndrom: Fleischallergie nach Zeckenstich

Stand: 02.11.2020 15:40 Uhr

Fleisch vom Schwein, Rind und Lamm ist beliebt - nicht nur beim Grillen. Doch der Verzehr kann gefährliche Folgen haben, wenn eine Fleischallergie auftritt.

Fleischallergie: Symptome nach drei bis sechs Stunden

Eine Fleischallergie kann sich ganz plötzlich entwickeln, auch wenn man früher nie Probleme mit Fleisch hatte. Im Gegensatz zu anderen Allergien treten die Reaktionen nicht innerhalb von 20 bis 30 Minuten auf, sondern mit einer Verzögerung von drei bis sechs Stunden. Nicht selten kommen die Beschwerden mitten in der Nacht.

Symptome einer Fleischallergie

Die ersten Symptome sind meist Nesselsucht und Schwellungen der Lippen und Augen, manchmal auch der Zunge. Die Haut beginnt am ganzen Körper zu jucken, ist gerötet und von Quaddeln übersät. Im weiteren Verlauf kann es zu Unwohlsein bis hin zur Bewusstlosigkeit kommen. Einige wenige Betroffene reagieren aber auch nur mit Magen-Darm-Beschwerden.

Ursache der Fleischallergie: Zuckermolekül Alpha-Gal

Verantwortlich für die allergische Reaktion ist eine spezielle Substanz im Fleisch von Säugetieren: Galaktose-alpha-1,3-Galaktose (Alpha-Gal). Auch Milch und Molkereiprodukte sowie Arzneimittel und Medizinprodukte aus Säugetiergewebe (z.B. Herzklappen aus Materialien von Rind oder Schwein) enthalten Alpha-Gal und können zu allergischen Reaktionen führen. Das Immunsystem reagiert dabei nicht auf ein Eiweißmolekül wie bei Allergien auf Gräser oder Nüsse, sondern auf das Zuckermolekül Alpha-Gal.

Auslöser ist ein Zeckenbiss

Als Auslöser der Fleischallergie haben Wissenschaftler die Stiche bestimmter Zeckenarten entlarvt. Laut einer Studie gelangt Alpha-Gal dabei mit dem Speichel der Zecke in die menschliche Blutbahn. Beim Erstkontakt wird das Immunsystem auf das Molekül aufmerksam und wappnet sich für künftige Konfrontationen. Gelangt jetzt Alpha-Gal durch den Verkehr von rotem Fleisch in den Körper, betrachtet das Immunsystem die Substanz als Feind und produziert Antikörper, die das Zuckermolekül ausschalten sollen.

Es kommt zu einer allergischen Reaktion: Die Gefäße weiten sich, Flüssigkeit gelangt in die Haut und bildet die juckenden Quaddeln. Mit der Zeit verschlimmert sich die allergische Reaktion in der Regel. Je länger ein Betroffener also Fleisch konsumiert, desto geringere Mengen davon lösen immer schwerere Symptome aus. Irgendwann genügen bereits Süßigkeiten, die Gelatine aus Rinderknochen enthalten, um eine schwere allergische Reaktion auszulösen.

Innereien enthalten besonders viel Allergen

Alpha-Gal kommt von Natur aus nicht im menschlichen Körper, wohl aber im Fleisch von anderen Säugetieren vor. Manche Fleischsorten enthalten besonders viel Alpha-Gal, zum Beispiel Innereien wie Schweinenieren, Bries oder Leber. Sie sind besonders gefährlich für Fleischallergiker.

Alpha-Gal-Syndrom: Nachweis nur mit Bluttest

Mit dem herkömmlichen Pricktest auf der Haut lässt sich eine Fleischallergie nicht nachweisen. Dafür ist ein spezieller Bluttest erforderlich.

Therapie besteht im Fleischverzicht

Wer unter der Allergie leidet, muss künftig auf den Verzehr von rotem Fleisch verzichten. Weiterhin erlaubt sind Fisch und Geflügel, weil sie kein Alpha-Gal enthalten. Wer bereits auf Gelatine allergisch reagiert, sollte sich an als vegan gekennzeichnete Lebensmittel halten - sie enthalten weder Gelatine noch andere Stoffe tierischen Ursprungs.

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