Mann auf einer Wiese niest in ein Taschentuch. © Colourbox Foto: -

Allergien erkennen und behandeln

Stand: 23.09.2022 18:50 Uhr

Mindestens jeder vierte Deutsche erkrankt im Laufe seines Lebens an einer Allergie.

Tränende Augen, permanenter Niesreiz und Atemnot: Für Pollen-Allergiker hat der Frühling auch seine schlechten Seiten. Denn sobald die ersten Pollen fliegen, reagieren sie mit mehr oder weniger heftigen Symptomen auf die eigentlich so harmlosen Substanzen von Bäumen, Büschen und Gras. Aber nicht nur Pollen können eine Allergie auslösen. Auch Tierhaare, Hausstaub, bestimmte Lebensmittel, Duftstoffe, Arzneimittel, Metalle oder Chemikalien können eine allergieauslösende Substanz - ein Allergen - sein. Mindestens jeder vierte Deutsche erkrankt im Laufe seines Lebens an einer Allergie.

Was passiert bei einer Allergie?

Wann immer der Körper mit einer körperfremden Substanz in Kontakt kommt, prüft das Immunsystem, ob es sich um einen Krankheitserreger handelt. Ist das der Fall, kommt es zu einer komplexen Abwehrreaktion. Menschen mit einer Allergie haben ein übereifriges Immunsystem. Es bekämpft nicht nur krankmachende Erreger wie Viren und Bakterien, sondern auch harmlose Substanzen, meist einfache Eiweiße oder Eiweißverbindungen. Der Kontakt zu dem Allergen kann über die Nase, die Haut oder den Magen-Darm-Trakt erfolgen. Die Symptome, unter denen Allergiker leiden, können sich in ihrer Heftigkeit steigern und bis hin zu einem lebensgefährlichen anaphylaktischen Schock reichen. Aus einem Heuschnupfen kann mit der Zeit Asthma entstehen. Allergien sollten daher nie unterschätzt werden.

Eine Allergie entsteht immer in zwei Phasen:

  • Die Sensibilisierung: Wenn zum ersten Mal Allergene in den Körper des Allergikers eindringen, ist das selten ein Problem. Das Immunsystem erkennt die Allergene und bildet sogenannte IgE-Antikörper, um sich auf erneute Angriffe vorzubereiten. Beschwerden gibt es in dieser Phase meist nicht.
  • Die allergische Reaktion: Dringen die Allergene erneut ein, reagiert das Immunsystem. Die beim ersten Kontakt gebildeten IgE-Antikörper erkennen die Eindringlinge und ziehen sie an sich. Dadurch wird in den sogenannten Mastzellen eine Entzündungsreaktion in Gang gesetzt. Botenstoffe wie Histamin werden ausgeschüttet und allergische Symptome treten auf.

Warum entstehen Allergien?

Warum der eine zum Allergiker wird, der andere aber nicht, ist wissenschaftlich nicht geklärt. Fest steht: Jeder Mensch kann im Laufe seines Leben auf grundsätzlich jede Substanz eine Allergie entwickeln. Unstrittig ist, dass für den Ausbruch einer Allergie die genetische Veranlagung eine Rolle spielt. Aber auch weitere Faktoren spielen eine Rolle, zum Beispiel Umwelteinflüsse oder die Ernährung. Forscher gehen davon aus, dass unser Mikrobiom - also die Pilze, Bakterien und Viren, die uns und vor allem unseren Darm bevölkern - einen großen Einfluss auf unser Immunsystem und daher auch für die Entstehung von Allergien hat.

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Blühende Pflanzen. © NDR/Labo M GmbH

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Warum steigt die Zahl der Allergiker an?

Forscher haben vier Hauptursachen ausgemacht, warum die Zahl der Allergiker immer weiter steigt:

  • Klimawandel: Er führt dazu, dass die Pollensaison immer länger dauert und dass neue Pflanzen wie etwa Ambrosia nach Europa eingeschleppt werden, die zu neuen Allergien führen.
  • Umweltverschmutzung: Abgase und Umweltverschmutzung stressen die Pflanzen und führen dazu, dass sich die Protein-Zusammensetzung ihrer Pollen verändert. Die Folge: Die Pollen werden aggressiver. Außerdem ist bekannt, dass sich Dieselruß mit Pollen verbindet. Bestehende Allergien werden dadurch heftiger und neue entstehen.
  • Übertriebene Hygiene: Bereits Ende der 1980er-Jahre zeigte eine britische Studie, dass Kinder, die in einer sehr sauberen und damit keimarmen Umgebung aufwachsen, besonders häufig an Allergien leiden. Heute steht fest: Je früher der Körper mit potenziellen Allergenen in Kontakt kommt, desto besser. Münchner Wissenschaftler wiesen nach, dass bei Kindern, die regelmäßig draußen spielen und sich auch mal dreckig machen dürfen, weniger Allergien auftreten. Das gilt besonders für Kinder, die auf einem Bauernhof groß werden und zwangsläufig mit sehr vielen Keimen in Berührung kommen. Ihr Immunsystem ist immer gefordert - und das schützt vor Allergien und sogar Asthma. Forscher nennen das den "Stalleffekt".
  • Ernährung: Dachte man früher, Säuglinge müssten von Allergenen ferngehalten werden, damit sie keine Allergien entwickeln, gilt heute genau das Gegenteil: Je früher ein Mensch mit Allergenen konfrontiert wird, desto besser kann sich sein Immunsystem damit auseinandersetzen. Schon im Mutterleib und beim Stillen gewöhnen sich Kinder an fremde Eiweiße und lernen so, mit ihnen umzugehen. Zur Allergieprävention wird empfohlen, Kinder möglichst früh möglichst viele Nahrungsmittel probieren zu lassen. Das gilt auch für Allergieauslöser wie Kuhmilch, Weizen, Ei, Fisch oder Möhren.

Was ist eine Kreuzallergie?

Die Allergene - meist Eiweißbestandteile - mancher Pollen und Lebensmittel sind sich so ähnlich, dass das Immunsystem von Allergikern sie nicht unterscheidet. Die Folge ist eine Kreuzreaktion. Häufig sind Kreuzreaktionen bei Pollen und bestimmten Lebensmitteln. Man spricht hier von pollenassoziierter Lebensmittel-Allergie. So vertragen nach Angaben des Deutschen Allergie- und Asthmabundes (DAAB) viele Menschen, die auf Birke, Erle und Hasel reagieren, auch keine rohen Obstsorten wie Apfel, Birne, Pflaume und Kirsche. Viele Beifußpollen-Allergiker entwickeln eine Sellerie-Allergie. Pollenassoziierte Lebensmittel-Allergien gehören laut DAAB zu den häufigsten Lebensmittel-Allergien im Erwachsenenalter.

Wie werden Allergien getestet?

Nicht immer ist es leicht herauszufinden, auf welche Substanz ein Allergiker reagiert. Oft haben Patienten bereits selbst eine Vermutung. Diese Testverfahren werden häufig angewendet:

  • Pricktest: Er kommt immer dann zum Einsatz, wenn der Arzt eine Pollen-, Nahrungsmittel- oder Insektengiftallergie vermutet. Dabei werden flüssige Allergene auf die Haut getropft und gelangen durch einen Piekser in den Körper. Quaddeln und Hautrötungen zeigen an, bei welchen Stoffen eine Allergie-Bereitschaft ersteht. Aber nur wenn auch im Alltag Beschwerden auftreten, liegt wirklich eine Allergie vor.
  • Epikutantest: Dabei handelt es sich um einen Pflastertest, bei dem der Arzt Allergene auf die Haut klebt. Er wird beim Verdacht auf eine Kontaktallergie zum Beispiel gegen Nickel oder bestimmte Stoffe in Pflegeprodukten angewandt. Reagiert das Immunsystem auf die Substanzen, bildet sich ein Ekzem oder es entstehen Bläschen.
  • Bluttest: Hier wird das Blut auf IgE-Antikörper untersucht, die speziell gegen bestimmte Allergene gerichtet sind. Zu einer klaren Diagnose reicht ein Bluttest meist aber nicht aus.
  • Provokationstest: Dabei wird der Patient unter ärztlicher Aufsicht mit dem potenziellen Allergen konfrontiert. Kommt es zu einer Reaktion, hat sich der Verdacht bestätigt.

Wie können Allergien behandelt werden?

Für Betroffene ist es natürlich das Beste, den Allergieauslöser zu meiden. Bei vielen Allergien wie Heuschnupfen ist das aber so gut wie unmöglich. Helfen können sogenannte Antihistaminika. Sie blockieren im Körper die Andockstellen für Histamin, das als Reaktion auf Allergene gebildet wird und die allergischen Symptome verursacht. So schwächen sie die allergische Reaktion ab. Daneben werden auch andere Medikamente wie Cortison eingesetzt, um die Folgen einer Allergie zu lindern und Entzündungen einzudämmen.

Den Körper an das Allergen gewöhnen

Medikamente können nur die Symptome einer Allergie bekämpfen, aber nicht ihre Ursache. Eine allergenspezifische Immuntherapie, die sogenannte Hypo- oder Desensibilisierung, hat das Ziel, den Körper an die allergieauslösenden Substanzen zu gewöhnen und die Abwehrreaktion zu schwächen. Dabei wird der Körper unter ärztlicher Aufsicht in regelmäßigen Abständen mit steigenden Mengen des Allergens konfrontiert. Das Immunsystem lernt so, die Allergene nicht mehr als gefährlich zu interpretieren. Die allergische Reaktion nimmt ab. Gute Erfahrungen mit der Hyposensibilisierung gibt es vor allem bei Allergien auf Gräser- und Baumpollen sowie auf Insektengifte und Hausstaubmilben. Der Nachteil ist, dass die Therapie mehrere Jahre dauert.

Was viele nicht wissen: Betroffene können heutzutage auf Spritzen verzichten. Die Immuntherapie gibt es auch als flüssiges Allergen oder Tablette für die Behandlung zuhause. Bei zwei von drei Allergikern wirkt die Immuntherapie schon nach wenigen Monaten. Bei fast jedem dritten schlägt sie allerdings gar nicht an.

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Die Tricks | 30.03.2022 | 21:00 Uhr

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