Stand: 24.10.2017 09:13 Uhr  | Archiv

Unterzuckerung durch Rheuma

Zu den entzündlich-rheumatischen Erkrankungen gehören die sogenannten Kollagenosen. Bei diesen Erkrankungen nimmt das Immunsystem körpereigenes Bindegewebe als fremd wahr und bildet Antikörper dagegen. Da Bindegewebe in vielen Organen vorkommt, können bei einer Kollagenose viele verschiedene Körperteile gleichzeitig betroffen sein, zum Beispiel Haut und Schleimhäute, Lunge, Herz und Gefäße. Die häufigste Kollagenose ist das Sjögren-Syndrom. Seltener sind die Sklerodermie, der systemische Lupus erythematodes und das Antiphospholipid-Syndrom.

Diagnose von Kollagenosen ist schwierig

Kollagenosen treten meist im mittleren Lebensalter auf. Frauen erkranken wesentlich häufiger als Männer. Die Diagnose ist schwierig, weil die Symptome sehr unterschiedlich sein können und der Nachweis von Antikörpern gegen verschiedene Zellbestandteile nicht immer gelingt. Für jede Kollagenose gibt es eine Reihe von Diagnosekriterien, die vom "American College of Rheumatology" festgelegt wurden. Von diesen Kriterien muss eine bestimmte Anzahl erfüllt sein, damit die Diagnose als gesichert gilt.

Körper produziert zu viel Adiponektin

Moleküle im Körper
Produziert der Körper zu viel Adiponektin, sinkt der Blutzuckerspiegel.

Eine Kollagenose kann im Ausnahmefall auch dazu führen, dass Fettgewebe zu viel Adiponektin produziert und dadurch eine Unterzuckerung entsteht. Das vor knapp 20 Jahren entdeckte Hormon reguliert zusammen mit anderen Hormonen wie Insulin und  Leptin das Hungergefühl und die Nahrungsaufnahme. Bei einer zu hohen Produktion von Adiponektin werden die Zellen empfindlicher für Insulin und nehmen zu viel Zucker aus dem Blut auf. Auch die Muskulatur verbrennt mehr Zucker. Dadurch kann der Blutzuckerspiegel immer wieder stark sinken.

Therapie mit Medikamenten

Die Therapie von Kollagenosen besteht darin, das Immunsystem mit Medikamenten zu unterdrücken. Dazu kommen beispielsweise Rheumamittel und Kortison zum Einsatz. Ein hoher Adiponektinspiegel im Blut kann mit dem Medikament Somatostatin gesenkt werden, das die Ausschüttung diverser Hormone hemmt.

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Visite | 24.10.2017 | 20:15 Uhr

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