Stand: 14.05.2018 20:21 Uhr

Wolf als Urlauberschreck? Touristiker widersprechen

Bild vergrößern
Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) will die Ausbreitung von Wölfen begrenzen.

Reisen Touristen weniger gern in Regionen, in denen Wölfe unterwegs sind? Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) hat eine Diskussion um negative Auswirkungen der Präsenz von Wölfen für den Fremdenverkehr angestoßen. Die Ministerin argumentierte gegenüber der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (Montagsausgabe), dass sich vor allem in der Lüneburger Heide viele touristische Betriebe wie Hofcafés oder Reiter-Pensionen durch die Ausbreitung des Wolfes eingeschränkt fühlten. Konkrete Zahlen nannte die Ministerin dagegen nicht - offenbar aus gutem Grund.

 

Ein Wolf liegt auf dem Waldboden

Agrarministerin Otte-Kinast für Wolf-Abschuss

Hallo Niedersachsen -

Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) hat sich dafür ausgesprochen, einzelne Wölfe abzuschießen. Landwirtschaft und Tourismus seien von der Ausbreitung der Tiere belastet.

4,36 bei 11 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Sieben Rudel zwischen Elbe, Wendland und Heide

Touristiker vor Ort sehen das offenbar anders als die Ministerin. Betreiber mehrerer Reiterhöfe bestätigten gegenüber dem NDR, dass die Übernachtungszahlen bei ihnen stiegen. Sieben Wolfsrudel leben zwischen Elbe, Wendland und Heide. Im Wendland profitieren touristische Betriebe bereits vom Wolf: In Gartow ist am Wildgehege ein großer Wolfslehrpfad angelegt worden, für Gemeindedirektor Christian Järnecke eine "weitere touristische Attraktion". Und auch in der Göhrde können sich Wanderer auf die Spuren des Wolfes begeben.

Wolfs-Boom versus Wolfs-Prävention

Kenny Kenner, Hotelier und Wolfsberater, berichtet im Gespräch mit NDR 1 Niedersachsen von positiven Effekten: "Ich mache Wolfstouren für meine Gäste, aber auch öffentliche Touren für Menschen, die hier leben. Die sind immer sehr gut ausgebucht." Kenner will sein Angebot nun sogar erweitern. Doch es gibt auch kritische Stimmen, die der Ministerin beipflichten. "Manche Urlauber fragen: Kann man die Heide als Tourist noch gefahrlos besuchen?", sagte Mathias Zimmermann vom Verein Naturschutzpark Lüneburger Heide. "Da können wir nur sagen: Ja, das ist im Moment noch möglich." Menschen fühlten sich aber durch die zunehmende Präsenz des Wolfes eingeschränkt.

Weitere Informationen
03:23
Hallo Niedersachsen

Wolf-Tourismus: Spurensuche in der Heide

25.07.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen

Immer mehr Wölfe leben in Niedersachsen und diese ziehen auch immer mehr Touristen an. Sogar Urlauber aus Übersee kommen in die Heide, um an den Wolfstouren teilzunehmen. Video (03:23 min)

Sollte der Wolf gar vermarktet werden?

Wolfsberater Kenny Kenner kennt diese Vorbehalte und plädiert für sachliche Informationen: "Man darf nicht der allgemeinen Hysterie verfallen, dass Gäste Angst vor Wölfen haben. Der Gast hat nur Angst, wenn der Gastgeber unsouverän und aufgeregt auftritt." Wenn man dagegen sachlich informiere, könne man auch Erfolge erzielen. Für den Sprecher des Vereins Naturschutzpark Lüneburger Heide ist es dagegen undenkbar, den Wolf ähnlich wie die Heidschnucken touristisch zu vermarkten. Zimmermann sorgt sich stattdessen um seine Herden: "Der Aufwand die Tiere zu schützen ist erheblich gestiegen."

Einschränkungen für den Tourismus?

Otte-Kinast plädiert für einen Paradigmenwechsel im Umgang mit Wölfen: Gut fünf Monate nach einer Vereinbarung mit Umweltminister Olaf Lies (SPD), mehr für den Schutz vor Wölfen zu tun, hat sich die Ministerin für den Abschuss einzelner Tiere ausgesprochen. "Wir können dem Wolf nur eine Grenze zeigen, wenn wir auch mal einen entnehmen", sagte Otte-Kinast im HAZ-Interview. Die Zahl der Wölfe sei groß genug dafür, so die Ministerin. Bereits im Dezember hatte Otte-Kinast gesagt, dass Wolfsvorkommen zur generellen Gefahr für den ländlichen Raum werden könnten, beispielsweise für Erholungsgebiete oder Ferienbauernhöfe. Auch gegenüber der HAZ beklagte sie die Belastung von landwirtschaftlichen Betrieben.

CDU: Wolf in Deutschland nicht mehr gefährdet

In Niedersachsen leben derzeit mindestens 15 Wolfsrudel in freier Wildbahn, die Zahl der Tiere schätzen Experten auf bis zu 150. Bislang sind Wölfe streng geschützt. Nach Ansicht von Martin Bäumer, umweltpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, sei das nicht mehr haltbar. "Alle international abgestimmten Kriterien sind erfüllt, den Wolf in Deutschland als nicht gefährdet einstufen zu lassen", sagte Bäumer der HAZ und forderte Umweltminister Lies auf, den rechtlichen Rahmen für die Bejagung des Wolfes in Niedersachsen zu schaffen. Nach Angaben einer Sprecherin des Wolfsbüros des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) ist der Wolf derzeit "dreifach geschützt". Auf internationaler Ebene gebe es einen Schutz durch das Washingtoner Artenschutzabkommen und die Berner Konvention. Zudem seien Wölfe im gesamten Bundesgebiet auch über das Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt.


14.05.2018 20:18 Uhr

In einer ersten Fassung des Textes hieß es, der Tourismusverband Lüneburger Heide habe von weiter steigenden Übernachtungszahlen gesprochen. Diese Darstellung zog der Verband am Abend zurück und erklärte, er wolle zum Thema Wolf aktuell keine Stellungnahmen abgeben.

Chronologie: Wölfe in Niedersachsen (ab 2015)

Weitere Informationen

Mehr mutmaßliche Wolfsrisse - Proteste am Deich

Hunderte Weidetierhalter haben am Sonnabend gegen die Ausbreitung von Wölfen in Niedersachsen demonstriert. Die Zahl der mutmaßlichen Risse im Land steigt derweil weiter an. (13.05.2018) mehr

Zahlen für 2017: Mehr Wölfe reißen mehr Nutztiere

In Niedersachsen haben Wölfe 2017 mehr als doppelt so viele Nutztiere wie im Vorjahr gerissen. Der Wolfsbeauftragte erklärt den deutlichen Anstieg mit zwei wesentlichen Gründen. (10.04.2018) mehr

Otte-Kinast: Bei Tierschutz mehr auf Bauern hören

Landwirtschaftsministerin Otte-Kinast (CDU) will den Tierschutzplan ändern und dabei den Bedürfnissen von Landwirten stärker Rechnung tragen. Tierschutz müsse sich auch rechnen. (19.04.2018) mehr

Minister wollen stärker gegen Wolf vorgehen

Umweltminister Olaf Lies und Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast wollen mehr Schutz vor Wölfen. Notfalls sollen einzelne Tiere geschossen werden dürfen. (08.12.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 14.05.2018 | 17:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

02:03
Niedersachsen 18.00

Kirchen kämpfen mit Mitgliederschwund

20.07.2018 18:00 Uhr
Niedersachsen 18.00
01:25
NDR//Aktuell

Urlauber auf Langeoog behindern Rettungskräfte

20.07.2018 14:00 Uhr
NDR//Aktuell