Stand: 03.03.2019 15:28 Uhr

Vorstoß: "Lex Wolf" soll Abschuss erleichtern

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Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) will das Naturschutzgesetz ändern lassen, um den Abschuss von Wölfen zu erleichtern.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze will den Abschuss von Wölfen erleichtern. Das Naturschutzgesetz müsse entsprechend geändert werden, sagte die SPD-Politikerin der "Bild am Sonntag". Man müsse Wölfe abschießen dürfen, wenn sie wiederholt Schutzzäune überwinden oder Menschen zu nahe kommen, sagte Schulze der Zeitung. "Das will ich mit einer 'Lex Wolf' klarstellen", so die Ministerin.

Entschädigungen auch für Hobby-Schäfer

Die Grenze sollte erreicht sein, wenn ernste landwirtschaftliche Schäden verursacht werden. Nach bisherigem Recht muss der vom Wolf verursachte Schaden noch "erheblich" sein, nicht nur erst, bevor ein Abschuss möglich ist. Erheblichen Schaden sehen Gerichte erst dann, wenn jemandes Existenz bedroht ist. Schulze sagte, sie wolle klare Regeln und sie wolle deutlich machen, dass auch Hobby-Schäfer entschädigt werden können.

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Jeder Riss eine News: Wolfswut in den Medien

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Während sich Naturschützer über die heimischen Wölfe freuen, haben viele Bürger inzwischen Angst vor ihnen. Jeder Wolfsriss sorgt für Schlagzeilen, viele Berichte fördern die Angst geradezu. Video (06:40 min)

Vorstoß braucht Zustimmung der CDU

Die Klarstellung solle so schnell wie möglich umgesetzt werden. "Es fehlt nur noch die Zustimmung der CDU", sagte Schulze. Womöglich ist das aber nur eine Formsache: Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hatte bereits Ende Dezember gefordert, den Abschuss von Wölfen zu erleichtern. Das Gesetz müsse so geändert werden, dass künftig eine "gemäßigte Bestandsregulierung" möglich sei, die mehr als nur einzelne Abschüsse erlaube.

Landvolk: Abschusserleichterung sind überfällig

Das Landvolk Niedersachsen hält einen leichteren Abschuss von Wölfen für überfällig. Landvolk-Präsident Albert Schulte to Brinke verwies gegenüber NDR 1 Niedersachsen auf die Weidetierhalter in den betroffenen Wolfsgebieten. Viele würden mittlerweile dort schlicht aufgeben. Man könne ihnen nicht zumuten, dass sie dabei zuschauten, wie der Wolf ihre Tiere vor sich hertreibe um sie schließlich zu töten, sagte der Landvolk-Präsident. Auch spezielle Zäune würden den Schafen, Rindern und Pferden vielfach keinen Schutz bieten. Wölfe könnten diese Hürden immer wieder überwinden, sagte Schulte to Brinke dem NDR.

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Wolfsberater - Vermittler zwischen den Fronten

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Die einen fordern, Wölfe abzuschießen, die anderen wollen am absoluten Abschuss-Verbot festhalten. Wolfsberater Hermann Kück versucht zwischen den Fronten zu vermitteln. Video (04:04 min)

NABU: Falsche Prioritäten

Für Ralf Schulte vom Naturschutzbund NABU setzt Bundesumweltministerin Schulze in ihrem Vorstoß falsche Prioritäten. Stattdessen müssten zunächst Diskussionen über Mindeststandards beim Herdenschutz geführt werden. Erst wenn hier alles menschenmögliche getan worden sei, kämen Abschüsse in Betracht, sagte Schulte NDR 1 Niedersachsen.

Lies hält Änderungen für sinnvoll

Im Niedersächsischen Landtag hat erst in der vergangenen Woche die FDP eine neue Wolfsverordnung gefordert, die das Töten von einzelnen Tieren erleichtern soll. Umweltminister Olaf Lies (SPD) überraschte dabei mit der Aussage, dass er dies im Grundsatz nicht ablehne und eine Erleichterung für die Entnahme von Wölfen durchaus sinnvoll sei.

Zahl der Übergriffe deutlich angestiegen

In Niedersachsen, das Land mit dem aktuell größten Wolfs-Vorkommen im Norden, sind die Wolfsübergriffe auf Nutztiere in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen: Waren es in 2015 noch 64 Fälle mit 165 toten Tieren, konnte das Wolfsbüro des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) im Jahr 2017 insgesamt 427 tote Tiere bei 159 Angriffen nachweisen. Im Jahr 2018 gingen die Attacken gegenüber dem Vorjahr zurück: Bei 98 Angriffen wurden 240 Tiere getötet.

Bis zu 250 Wölfe in Niedersachsen

Wölfe sind in Deutschland streng geschützt. Bisher durften erst wenige auffällig gewordene Tiere abgeschossen werden, darunter der Wolf "Kurti", der im April 2016 im Heidekreis erlegt wurde. In Niedersachsen gibt es etwa 22 Wolfsrudel mit 200 bis 250 Tieren. Seit dem 23. Januar hat das Umweltministerium den Leitwolf eines Rudels bei Rodewald im Landkreis Nienburg zum Abschuss freigegeben. Tierschützer und der Naturschutzbund (NABU) kritisieren die Entscheidung.

Rodewalder "Problemwolf"

  • Am 31. Januar wurde bekannt, dass das Umweltministerium den Wolf mit dem genetischen Code "GW717m" zum Abschuss freigegeben hat. Die Ausnahmegenehmigung gelte bereits seit dem 23. Januar, hieß es. Die Sachlage sei juristisch geprüft und bewertet worden.
  • Umweltminister Olaf Lies (SPD) bezeichnete den Abschuss des Rüden, der einem Rudel bei Rodewald im Landkreis Nienburg angehört, als notwendig. Das Tier soll laut Ministerium für etwa 40 getötete Nutztiere, darunter Schafe, Ponys und ein Alpaka, verantwortlich sein.
  • Mit "GW717m" hat Niedersachsen zum zweiten Mal einen Wolf zum Abschuss freigegeben. Im April 2016 war ein Wolf mit dem Spitznamen "Kurti" mit behördlicher Genehmigung abgeschossen worden. Er hatte einen Hund angegriffen und zeigte zu wenig Scheu vor Menschen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 04.03.2019 | 06:00 Uhr

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