Stand: 01.07.2018 18:00 Uhr

"Ungenügend": Brücken in Niedersachsen unsicher

von Björn Siebke
Die marodeste Brücke Niedersachsens führt in Goslar über den Bach Abzucht.

Die Behörden kommen mit dem Sanieren schon seit Jahren nicht mehr hinterher: 13 niedersächsische Brücken haben im Frühjahr die Note "ungenügend" bekommen, die meisten zum wiederholten Mal. Das ist das Ergebnis einer Daten-Recherche des NDR Fernsehmagazins Hallo Niedersachsen auf Grundlage der Prüfungsergebnisse der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt), die im März 2018 erhoben wurden. "Ungenügend" (Noten 3,5 bis 4,0) bedeutet laut BASt-Definition: "Die Standsicherheit und/oder Verkehrssicherheit sind erheblich beeinträchtigt oder nicht mehr gegeben." Drei dieser Brücken in Niedersachsen sind wegen ihrer beeinträchtigten Standsicherheit für Lkw ab 7,5 Tonnen gesperrt, eine für Lkw ab 12 Tonnen.

Problem-Brücken werden engmaschig überwacht

Grundsätzlich gilt es als unwahrscheinlich, dass eine der maroden Brücken wirklich einstürzt. Denn die Behörden überwachen sie engmaschig. Das kann bis zu einer Dauerüberwachung gehen: Sensible Messgeräte prüfen dann permanent, dass sich die Brücke nicht zu sehr durchbiegt. So können die Verantwortlichen kurzfristig einschreiten und im Ernstfall rechtzeitig sperren. Verkehrsbehinderungen durch Sperrungen oder Einschränkungen bahnen sich jedoch zunehmend an.

Nur jede fünfte Brücke ist "gut" oder "sehr gut"

Insgesamt wurden 5.323 Brücken in Niedersachsen bewertet. Von ihnen befindet sich nur jede fünfte Brücke in einem "sehr guten" (Noten 1,0 bis 1,4) oder "guten" (Noten 1,5 bis 1,9) Zustand. In die Kategorie "befriedigend" (Noten 2,0 bis 2,4) fällt rund die Hälfte. Mit "ausreichend" (Noten 2,5 bis 2,9) haben die Behörden ein weiteres Fünftel bewertet. Ein "nicht ausreichend" (Note 3,0 bis 3,4) haben 156 Brücken kassiert.

Zahl der Schwertransporte hat um 150 Prozent zugenommen

Hauptgrund für die Schäden an den Brücken ist offenbar die extrem gestiegene Menge des Güterverkehrs: Nach Berechnungen der Landesstraßenbaubehörde hat allein die Zahl der Schwertransporte in den vergangenen zehn Jahren bundesweit um 150 Prozent zugenommen. "Dafür sind viele Brücken einfach nicht bemessen. Dadurch entstehen langfristig Schäden", sagt Harald Freystein von der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr.

ADAC kritisiert lange Planungsverfahren

Problematisch ist auch die langwierige Planung der Brückenbauten. Oft sind Planfeststellungsverfahren nötig. Und die dauern nach Angaben der Behörde mindestens drei Jahre. Christine Rettig, Sprecherin des ADAC Niedersachsen, kritisiert den Sanierungsstau: "Das kann nicht so bleiben. Und wir müssen uns tatsächlich alle zusammen Gedanken machen, wie man Verfahren beschleunigen kann und wie man Bauzeiten so kurz halten kann, dass sie nicht dazu führen, dass über Monate oder Jahre Einschränkungen für den Verkehr bestehen."

Schlimmste Brücke stammt noch aus der Nazi-Zeit

Die baufälligste Brücke in Niedersachsen hat die Note 3,8 und steht in Goslar: Es ist die Brücke der B498 über das Bächlein Abzucht. Sie stammt aus dem Jahr 1934. Großflächiger Blattrost hat sich in die Stahlträger gefressen. Ebenfalls marode ist die B3-Messeschnellweg-Brücke über den Mittellandkanal in Hannover: 65.000 Autos und Lkw überqueren sie jeden Tag. Wegen zahlreicher Risse haben die Ingenieure des Landesstraßenbauamtes ihr schon das vierte Jahr in Folge die Note 3,5 gegeben. Erst in zwei Jahren soll diese Brücke von 1967 abgerissen und neu gebaut werden.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 01.07.2018 | 19:30 Uhr

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