Ukraine-Krieg: 1.200 Menschen bei Mahnwache in Stade

Stand: 27.02.2022 20:00 Uhr

Demonstrationen, Kundgebungen, Gottesdienste: Auch am Sonntag haben in Niedersachsen viele Menschen nach dem Angriff Russlands ihre Solidarität mit der Ukraine zum Ausdruck gebracht.

Am Sonntagmittag organisierten Stadt und Landkreis Stade eine Mahnwache auf dem Platz "Am Sande" - und zählten rund 1.200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Das seien deutlich mehr Menschen gewesen als erwartet, sagte Stades Landrat Kai Seefried (CDU). Er sei "sehr dankbar für die große Resonanz" und das starke Signal der Solidarität mit Menschen in der Ukraine und ihren hier lebenden Landsleuten. Unter anderem hatten vier der insgesamt rund 160 Ukrainerinnen und Ukrainern, die laut Landkreis im Raum Stade leben, bei der Mahnwache gesprochen. Sie erzählten von der dramatischen Situation in ihrer Heimat und von ihren Sorgen und ihrer Bestürzung.

Kirchen rufen zu Friedensgebeten auf

Im Hildesheimer Dom fand am frühen Sonntagabend eine Friedensandacht mit Bischof Heiner Wilmer statt. "Wir möchten uns im Gebet mit den Menschen solidarisieren, die direkt vom Krieg in der Ukraine betroffen und großem Leid ausgesetzt sind", sagte Weihbischof Heinz-Günter Bongartz im Vorfeld. Bundesweit hatten die Kirchen in Deutschland für den Abend zu ökumenischen Friedensgebeten für die Ukraine aufgerufen.

Kundgebungen in vielen niedersächsischen Städten

In Osnabrück gab es am Sonnabendvormittag ein Friedensgebet in der Marienkirche und danach einen Schweigemarsch mit rund 600 Teilnehmenden. Aufgerufen dazu hatte die Osnabrücker Friedensinitiative. Die Veranstaltenden fordern unter anderem den sofortigen Abzug des gesamten russischen Militärs aus der Ukraine und humanitäre Hilfe für die Bevölkerung. Bischof Franz-Josef Bode rief alle Pfarrgemeinden im katholischen Bistum Osnabrück für das Wochenende zum Gebet für Frieden in der Ukraine auf. In Hannover kamen am Nachmittag rund 2.000 Menschen zu einer Kundgebung vor dem Hauptbahnhof zusammen. Weitere Solidaritätskundgebungen und Gottesdienste waren in Göttingen, Lingen, Wilhelmshaven, Varel und Vechta angekündigt.

Kundgebung mit Weil in Hannover

Bereits in den vergangenen Tagen hatten Tausende Menschen in Niedersachsen Zeichen für Frieden gesetzt. In Hannover nahmen am Freitagabend nach Angaben der Veranstalter 1.600 Menschen an einer Kundgebung vor der Marktkirche teil. Viele hielten Kerzen. Einige blau-gelbe Ukraine-Fahnen wehten im Wind auf dem Platz neben Regenschirmen und einer Regenbogenflagge. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) ergriff nach Stadtsuperintendent Rainer Müller-Brandes das Wort. Weil sagte, es sei "bittere Realität", dass zwei Flugstunden entfernt ein Krieg tobe und Hunderte von Opfern zu beklagen seien. Es sei "ein Krieg gegen die Völkergemeinschaft insgesamt".

"Krieg gegen die elementaren Menschenrechte"

Nach Weil sprachen Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) und Regionspräsident Steffen Krach (SPD) zu den Menschen. Marina Jalowaja, Vizepräsidentin des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen, erzählte von ihrer Kindheit in der Ukraine, von Studium, Hochzeit und Geburt der Kinder in Moskau. Sie sprach von "einem Krieg der Barbarei", für den es keine Entschuldigung gebe. Es sei "ein Krieg gegen die elementaren Menschenrechte und alle Regeln des Zusammenlebens". Sie rief Bürgerinnen und Bürger in Russland dazu auf, friedlich und gewaltfrei gegen den Krieg zu demonstrieren.

Interreligiöses Friedensgebet in der Marktkirche

Zu der Kundgebung hatten unter anderem Landeshauptstadt und Region Hannover, das Bündnis "Bunt statt braun", der Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen und der Landesverband der israelitischen Kultusgemeinden sowie der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Niedersachsen eingeladen. Vorausgegangen war ein interreligiöses Friedensgebet vom Stadtkirchenverband Hannover und dem Rat der Religionen in der Marktkirche.

Gebete und Mahnwachen in ganz Niedersachsen

Auch in Hameln, Lüneburg, Oldenburg, Osnabrück und Braunschweig hatten Kirchen zu Gebeten für den Frieden aufgerufen. In Göttingen gab es Veranstaltungen in den drei Innenstadtkirchen St. Johannis, St. Jakobi und St. Michael. Auch viele Kirchengemeinden außerhalb der großen Städte beteiligten sich. In Stade in der St. Wilhadi-Kirche wirkte Regionalbischof Hans Christian Brandy bei einer ökumenischen Andacht mit. In Osnabrück organisierten parteiübergreifend vier Jugendorganisationen eine Kundgebung auf dem Platz der Deutschen Einheit und setzten zwischen Dom und Theater ein Zeichen gegen den Krieg.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 27.02.2022 | 16:00 Uhr

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