Stand: 29.04.2019 10:42 Uhr

Tschüss, Spargelfeld: Erntehelfer bleiben aus

Spargelbauern haben sich lange auf Erntehelfer aus Polen und Rumänien verlassen. Doch die Saisonarbeiter lassen den Knochenjob zunehmend links liegen.

Die Spargelernte läuft und die Deutschen kaufen ihr liebstes Frühlingsgemüse fleißig ein. Eigentlich gut für Spargelbauern, doch die klagen über einen zunehmenden Mangel: Die Erntehelfer brechen ihnen weg. Bundesweit kommen die Zusagen der Saisonarbeiter nur zögerlich, auch in Niedersachsen. Mit 4.500 Hektar Anbaufläche ist Niedersachsen das größte Spargelanbaugebiet Deutschlands, mehr als ein Drittel des deutschen Spargels stammt aus dem Land. Deutsche Kräfte anzuwerben war für die Bauern schon immer schwierig bis unmöglich. Deshalb beschäftigen sie vor allem Spargelstecher aus Polen und Rumänien. Doch auch dort nimmt das Interesse an dem Knochenjob auf dem Spargelfeld spürbar ab.

Gestochener Spargel in Kisten.

Spargel: Landwirten fehlen Erntehelfer

Hallo Niedersachsen -

Weil sich die Arbeitsbedingungen in ihren Ländern verbessert haben, kommen immer weniger Polen und Rumänen zur Spargelernte nach Niedersachsen. Aber es gibt auch noch andere Gründe.

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Kindergeld: Lage der Polen hat sich verbessert

Was für die Bauern ein wachsendes Problem darstellt, ist aus Sicht der Erntehelfer eine gute Nachricht. Denn sie kehren dem Spargelstechen vor allem deshalb den Rücken, weil sich die Lebensbedingungen in ihren Heimatländern verbessert haben. Insbesondere die Zahl der polnischen Erntehelfer ist zurückgegangen. Mit der Wirtschaft in Polen geht es bergauf: Seit Jahren verzeichnet das Land durchgängig ein erhebliches Wirtschaftswachstum, wie das Auswärtige Amt mitteilt. Ein Detail könnte zudem von Bedeutung sein: Seit 2016 wird in Polen Kindergeld gezahlt. Möglicherweise ist dies für ein Elternteil ein Faktor bei der Entscheidung: Muss ich wirklich für drei Monate meine Familie verlassen und auf einem deutschen Feld ackern?

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12 Wochen unter Spargelmachern

22.06.2018 14:15 Uhr
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Auf Deutschlands größtem Spargelhof in der Kirchdorfer Heide werden pro Saison 5.000 Tonnen Spargel geerntet. Rund 1.500 polnische und rumänische Erntehelfer machen das möglich. Video (58:33 min)

Rumänische Konjunktur zieht an

Eine große Zahl der derzeitigen Erntehelfer kommt aus Rumänien. Doch für die Rumänen scheint die Arbeit ebenfalls zusehends weniger attraktiv zu sein. Das Land ist laut Auswärtigem Amt nach Bulgarien und Kroatien das drittärmste Land der EU, vor allem in ländlichen Gebieten sind die Menschen oft arm. Doch auch die rumänische Wirtschaft entwickelt sich positiv, es gibt mehr Arbeitsplätze. Und nachdem die Konjunktur dort angezogen habe, bekämen viele keinen Urlaub mehr, um als Erntehelfer zu arbeiten, und keine Jobgarantie für die Zeit danach, sagte ein Experte der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen dem WDR.

Wer Deutsch spricht, hat Chancen in anderen Branchen

Und nicht nur zu Hause finden die früheren Erntehelfer mittlerweile offenbar besser bezahlte Stellen. Viele zieht es in andere EU-Länder wie die Niederlande. Und in Deutschland öffnen sich ihnen andere Branchen: Saisonarbeiter, die inzwischen gut Deutsch gelernt haben, bekommen Jobs bei Paketdiensten, auf Baustellen oder in Logistikzentren. Spargelbauern müssen ihren Arbeitern mehr bieten als früher, um sie zu halten - neben dem Mindestlohn zum Beispiel kühle Getränke auf dem Feld und besser ausgestattete Unterkünfte. Die Bauern hoffen derweil auf eine andere Lösung: Die Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer fordert, den Arbeitsmarkt auch für Saisonkräfte aus Nicht-EU-Staaten wie der Ukraine und Weißrussland zu öffnen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 29.04.2019 | 08:00 Uhr

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