Teilnehmer einer rechtsextremen Demonstration werden von der Polizei durch die Stadt begleitet. © picture alliance / Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa | Hendrik Schmidt Foto: Hendrik Schmidt

Rechtsextreme Gewalt: Betroffenenberatung zählt mehr Fälle

Stand: 28.03.2023 14:13 Uhr

Der niedersächsische Verfassungsschutz beobachtet einen Anstieg rechtsextremistischer Gewalt. Diese Tendenz ist 2022 in Zahlen in der Betroffenenberatung Niedersachsen angekommen.

Die Anlaufstelle hat für das vergangene Jahr 590 Beratungen zu rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Niedersachsen registriert. Das sei eine Steigerung von acht Prozent gegenüber 2021, wie der Verein am Dienstag mitteilte.

VIDEO: "Reichsbürger"-Razzia: Die Landespolitik ist in Sorge (22.03.2023) (1 Min)

Täter wollen Opfer einschüchtern

Demnach sollen sich vor allem Anhänger von Verschwörungsideologien durch Bedrohungen und Angriffe hervorgetan und Angriffe durch Rechtsextremisten zugenommen haben, heißt es.  "Hier geraten besonders Menschen ins Visier, die sich aktiv in unserer Gesellschaft engagieren. Sie werden als Feindbild gesehen und sollen eingeschüchtert werden", sagt Pressesprecherin Marie Kortmann.

Kritik an Polizeiberichten

Kritik übt die Betroffenenberatung Niedersachsen an der Arbeit der Polizei. "Viele Taten entgehen unserem Monitoring, weil die Polizei rechte und rassistische Gewalttaten weiterhin nicht klar erkennt und benennt", so Kortmann. Rassistische Beleidigungen würden in Polizeiberichten häufig unter den Tisch fallen. Zudem würden Polizisten teilweise die Arbeit der Beratungsstelle nicht kennen - trotz vorheriger Information durch den Staatsschutz. Der Verein fordert die Polizei in Niedersachsen in der Mitteilung auf, Betroffene bei "einem Anfangsverdacht auf eine rechte, rassistische oder antisemitische Tat über das kostenlose Beratungsangebot" zu informieren.

Weitere Informationen
Der Sitz des Niedersächsischen Verfassungsschutzes in Hannover. © picture alliance/dpa Foto: Julian Stratenschulte

Verfassungsschutz: Rechtsextremismus größte Gefahr in Niedersachsen

Das Milieu könne "enormes Potenzial" entwickeln, sagt Behördenchef Pejril. Er sieht die Entstehung einer gemischten Szene. (16.01.2023) mehr

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) spricht in einer Pressekonferenz. © picture alliance/dpa/Julian Stratenschulte Foto: Julian Stratenschulte

Weil will "Reichsbürger" genauer beobachten lassen

Deren Verschwörung sei nur die Spitze des Eisbergs und der Verfassungsschutz in der Pflicht, sagte der Ministerpräsident. (16.12.2022) mehr

Säulen stehen vor dem Eingang des Niedersächsischen Landtags. © NDR Foto: Julius Matuschik

Landtag zu Reichsbürgern: "Rechtsterroristische Bedrohung"

Nach der Razzia in der Reichsbürger-Szene diskutierten die niedersächsischen Landtagsausschüsse über Konsequenzen. (13.12.2022) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 29.03.2023 | 06:00 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Rechtsextremismus

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

Die weibliche Angeklagte kommt vor Verhandlungsbeginn in einen Gerichtssaal im Landgericht Hannover. © Michael Matthey/dpa/ dpa-Bildfunk Foto: Michael Matthey/dpa

Tödliches Autorennen: Angeklagte stellt Gutachter vor Rätsel

Sachverständige bescheinigen der Hauptangeklagten manipulative Tendenzen. Aussagen wirkten "künstlich und einstudiert". mehr