Ein Polizeibeamter hält im Rahmen der Pressekonferenz des Polizeipräsidenten einen Taser 7 in der Hand. © dpa-Bildfunk Foto: Soeren Stache

Polizeigewerkschaft fordert Taser für Streifenpolizisten

Stand: 12.10.2021 20:07 Uhr

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) setzt sich für den Einsatz von Tasern auch für Streifenpolizisten ein. Hintergrund ist der Tod eines Geflüchteten bei einem Polizeieinsatz im Landkreis Stade.

Polizistinnen und Polizisten seien zuletzt häufiger bei Einsätzen auf psychisch labile Personen getroffen, die verbal nicht mehr zu erreichen gewesen seien, sagte der Landesverbandsvorsitzende Patrick Seegers. Nach aktueller Gesetzeslage bleibe den Beamten als letztes Mittel zur Abwehr nur der Griff zur Schusswaffe. Und dies sei keine Situation, die man sich wünsche, sagte Seegers. Für die Nutzung von sogenannten nicht-tödlichen Waffen für Polizisten warb auch der DPolG-Vorsitzende in Lüneburg, Christian-Tobias Gerlach. Dies würde den Beamten bei entsprechenden Einsätzen "adäquate Entscheidungsoptionen" eröffnen, sagte Gerlach dem Politik-Journal "Rundblick".

Umstrittene Elektroschocker

  • Ein Taser ist ein Gerät, mit dem Elektroschocks aus einer Distanz abgegeben werden, die zu schmerzhaften Muskelkontraktionen führen. Dadurch wird eine Person handlungsunfähig.
  • Die Waffen sind umstritten, da Taser beim Einsatz gegen Menschen mit Herzerkrankungen oder Herz-Kreislauf-Problemen zu gesundheitlichen Folgen führen können.
  • In Niedersachsen sind Taser seit 2013 erlaubt - allerdings nur in Einsätzen von Spezialeinsatzkommandos (SEK).

Gewerkschaft: Ein Taser pro Streifenwagen

Die Gewerkschaft fordert daher, die in Niedersachsen bislang für Spezialeinsatzkommandos (SEK) erlaubten Elektroimpulsgeräte auch für Streifenpolizisten zuzulassen. "Auf jeden Fall sollte diese Ausstattung mindestens pro Streifenwagen einmal vorhanden sein, damit sie auch effizient genutzt werden kann", sagte Seegers. Der Einsatz solcher Elektroimpulsgeräte könne unter Umständen zwar auch zu tödlichen Verletzungen führen - der Tod durch einen Taser sei aber weniger wahrscheinlich als bei dem Einsatz einer Schusswaffe, sagte Seegers.

Innenministerium: Taser-Einsatz nur für SEK

Im Innenministerium stößt die Initiative nicht auf Gehör: Es werde bei dem Einsatz ausschließlich für das SEK bleiben, teilte das Ministerium am Dienstag mit. Begründet wurde die Beschränkung unter anderem mit einem hohen Trainingsaufwand für das Gerät. In anderen Bundesländern ist der Taser-Einsatz dagegen auch für Streifenpolizisten erlaubt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 13.10.2021 | 07:00 Uhr

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