Osnabrücks Bischof Bode tritt zurück und räumt Fehler ein

Stand: 26.03.2023 14:37 Uhr

Osnabrücks katholischer Bischof Franz-Josef Bode (72) ist zurückgetreten. Der Papst habe seinen Amtsverzicht angenommen, teilte der Vatikan am Samstag mit.

Bode begründete seinen Schritt mit seinem Umgang mit den Missbrauchsfällen im Bistum Osnabrück und seiner Gesundheit. "Ich habe Fälle falsch eingeschätzt, häufig zögerlich gehandelt und manchmal falsche Entscheidungen getroffen", sagte Bode in einer am Samstag veröffentlichten Videobotschaft. Die Missbrauchsstudie der Universität Osnabrück hätte Fehlentscheidungen offengelegt. Wissenschaftler hatten ihm und weiteren Verantwortlichen schwerwiegende Pflichtverletzungen in Fällen sexualisierter Gewalt vorgeworfen. Die Entscheidung habe er schon vor Wochen getroffen, sagte der 72-Jährige. Er wollte jedoch die Ergebnisse des Synodalen Weges erst noch im Bistum Osnabrück verankern: Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren, Predigt von Laien, Taufen durch Nichtkleriker. Bischof Bode hatte die Opfer wiederholt um Verzeihung gebeten.

Bode stand im Bistum Osnabrück für den Synodalen Weg

Der in Paderborn geborene Bode war der dienstälteste amtierende katholische Bischof in Deutschland. Seit 2017 war er auch stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Außerdem gehörte er seit 2019 zum Präsidium des Reformprozesses des Synodalen Weges der Kirche in Deutschland. Bode war seit 1991 Weihbischof im Erzbistum Paderborn und seit 1995 Bischof von Osnabrück.

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Franz-Josef Bode, Bischof des Bistums Osnabrück, spricht während eines Pressestatements. © picture alliance/dpa/Sebastian Gollnow Foto: Sebastian Gollnow

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Bätzing reagiert mit "großem Bedauern" auf Rücktritt

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, nahm den Rücktritt mit "großem Bedauern und Respekt" zur Kenntnis. "Gerne hätte ich Dich noch weitere Jahre an unserer Seite in der Deutschen Bischofskonferenz gesehen. Gleichzeitig verstehe ich Deine Entscheidung und die damit verbundenen Konsequenzen." Mit dem Rücktritt übernehme Bode auch Verantwortung für das "uns alle seit langem begleitende Thema des sexuellen Missbrauchs in der Kirche", sagte Bätzing: "Es war ein Ringen in Dir, eine innere Zerrissenheit, manchmal auch die Enttäuschung über Mitbrüder."

Hamburgs Erzbischof Heße spricht Respekt aus

Auch der Hamburger Erzbischof Stefan Heße bedauerte den Rücktritt Bodes. Mit seinem Rücktritt übernehme Bode "Verantwortung für das uns alle begleitende Thema des sexuellen Missbrauchs in unserer Kirche. Dafür spreche ich ihm meinen Respekt aus", sagte Heße. Bis 1995 gehörte das heutige Erzbistum Hamburg zum Bistum Osnabrück.

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Weil dankt Bode für dessen Arbeit

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) dankte Bode für seine jahrzehntelange Arbeit. Dass Bode seinen Rücktritt auch ausdrücklich mit eigenen Fehlern im Zusammenhang mit Missbrauchsfällen begründet und sich zu seiner Verantwortung bekannt habe, verdiene ausdrücklich Respekt, sagte Weil in einer Stellungnahme am Samstag.

Betroffeneninitiative: Bode hätte früher zurücktreten müssen

Matthias Katsch, Geschäftsführer der Betroffeneninitiative "Eckiger Tisch", hat den Amtsverzicht Bodes am Samstag als "richtig und wichtig" bezeichnet. Bode hätte früher zurücktreten müssen, und zwar "gleich nach Vorlage der Studie der Universität Osnabrück", sagte Katsch. Kerstin Claus, die Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, nannte Bodes Rücktritt "ein wichtiges Zeichen von Verantwortungsübernahme, sowohl persönlich als auch als Repräsentant des Bistum Osnabrück". Allerdings sei Bode nicht der einzige katholische Funktionsträger, der seiner Verantwortung nicht gerecht geworden sei, so Claus.

Lobende Worte von den evangelischen Kirchen

Der Oldenburger Bischof Thomas Adomeit würdigte als Vorsitzender der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen die Entscheidung, mit der Bode persönliche Verantwortung übernehme. "Er hat die Ökumene gerade in Niedersachsen mit seiner theologischen Arbeit deutlich geprägt", sagte Adomeit. Bode habe sich in besonderer Weise für Veränderungen starkgemacht und Reformen im Bistum Osnabrück und darüber hinaus angestoßen und umgesetzt, so Adomeit.

Nachfolge von Bode muss geregelt werden

Um die Nachfolge Bodes zu regeln, tritt innerhalb der kommenden acht Tage das Domkapitel zusammen, um einen sogenannten Diözesanadministrator zu ernennen. Dieser übernimmt dann die Leitung des Bistums, bis ein neuer Bischof gewählt ist. Die Geschäfte leitet so lange Weihbischof Johannes Wübbe.

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