Eine Mutter und ein Kind stehen Hand in Hand angezogen und barfuß am Strand. © photocase_ Foto: Paulo Sousa

Mutter-Vater-Kind-Kliniken in Not - längere Hilfen vom Bund?

Stand: 02.10.2020 08:00 Uhr

Die sogenannten Mutter-Vater-Kind-Kliniken im Norden bangen um ihre Zukunft - wegen des Coronavirus. Sie hoffen auf eine Verlängerung der Zahlungen des Bundes, den sogenannten Rettungsschirm.

von Katharina Seiler

Ein wirtschaftlicher Betrieb der Kliniken sei nicht möglich, schreibt der DRK Landesverband Oldenburg in einem offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Der Landesverband betreibt Kliniken unter anderem in Schillig an der Nordsee sowie auf Wangerooge, die aber wegen der nach wie vor geltenden Abstands- und Hygieneregeln wegen des Coronavirus nur zu 70 Prozent ausgelastet sind. Das aber führe bei 100 Prozent der Kosten zu erheblichen Einnahmeverlusten, heißt es in dem Brief. Die Häuser sind für gestresste Eltern und deren Kinder gedacht, die sich dort erholen können.

Bisher gedeckt vom Rettungsschirm

Landesgeschäftsführerin Daniela-Florina Udrea sagt, nur wenn der Rettungsschirm für die Kliniken verlängert werde, könnten sie das Versorgungsangebt aufrechterhalten und den belasteten Familien weiter helfen. Bisher waren die Mutter-Vater-Kind-Kliniken durch den sogenannten Rettungsschirm geschützt, sodass sie durch die Hilfe des Bundes ihre Verluste teilweise ausgleichen konnten. Doch das ist für diese Vorsorge-Kliniken - im Unterschied zu den Reha-Kliniken - am 30. September ausgelaufen.

Leidtragenden am Ende die Familien?

Wenn die Bundeshilfen jetzt dauerhaft wegfielen, sieht auch Christina Sonnenschein von der AWO Mecklenburg-Vorpommern ein großes wirtschaftliches Problem auf die Häuser zukommen. Sonnenschein ist in der Liga der Freien Wohlfahrtsverbände für fünf Mutter-Vater-Kind-Kliniken in Mecklenburg-Vorpommern zuständig. Auch sie befürchtet, dass die Leidtragenden die Familien sein könnten, die dringend eine Kur bräuchten.

Engpässe im Winter befürchtet

Das sieht man auch bei der AWO Schleswig-Holstein so, die ebenfalls fordert, dass die Schutzschirm-Regelung für Mutter-Kind-Kuren verlängert werden. Gerade angesichts der steigenden Infektionszahlen im Winterhalbjahr könne es zu Engpässen bei der medizinisch-therapeutischen Versorgung für Familien kommen, sagt der Vorstandsvorsitzende der AWO Schleswig-Holstein, Michael Selck. Die AWO-Schleswig-Holstein betreibt Eltern-Kliniken auf Sylt sowie in Kellenhusen an der Ostsee.

Verlängerung um sechs Monate

Auch das Müttergenesungswerk - als Dachverband vieler Klinikträger - fürchtet um die Zukunft der Kliniken. Deshalb fordert es eine Verlängerung um sechs Monate bis zum 31. März 2021. Das Bundesgesundheitsministerium dagegen plant derzeit nicht, den Rettungsschirm zu verlängern. Denn, so eine Sprecherin gegenüber dem NDR, man gehe davon aus, dass ein Regelbetrieb grundsätzlich wieder aufgenommen werden könne - trotz der Einschränkungen durch Corona.

 

VIDEO: Corona Kompakt: Hilfe für Kliniken in Göttingen und Hannover (2 Min)

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Aktuell | 02.10.2020 | 08:00 Uhr

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