Stand: 18.01.2019 16:28 Uhr

Landwirte ärgern sich über Feinstaub-Studie

Wenn es um Feinstaubbelastung geht, ist meist vom Straßenverkehr die Rede. Doch eine Studie des Max-Planck-Instituts für Chemie benennt die Massentierhaltung in der Landwirtschaft als Hauptverursacher von Feinstaub. Auf Grundlage von Zahlen aus den Umweltministerien der Länder, die das Institut ausgewertet hat, sind rund 50.000 vorzeitige Todesfälle die Folge. Das hatte das ARD-Magazin "Monitor" berichtet. Vertreter aus der Landwirtschaft äußern sich skeptisch in Bezug auf die Studie, die Landesregierung zeigt sich betont gelassen.

Studie auswerten und "gegebenenfalls nachsteuern"

Die Landesregierung werde sich die Studie besorgen und sie auswerten, kündigte Regierungssprecherin Anke Pörksen an. "Wenn man zu dem Ergebnis kommt, dass es auch in Niedersachsen beunruhigende Werte oder Erkenntnisse gibt, wird denen natürlich nachgegangen", versprach Pörksen. "Dann wird man gucken, ob die bisherigen Maßnahmen ausreichen. Gegebenenfalls wird nachgesteuert."

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"Ammoniak führt zu Feinstaub"

"Monitor" hatte berichtet, das die Landwirtschaft der Studie zufolge einen Anteil von rund 45 Prozent an der Feinstaubbelastung hat. "Die Massentierhaltung führt zu Ammoniak, Ammoniak führt zu Feinstaub und Feinstaub führt zu frühzeitigen Todesfällen", erklärte Jos Lelieveld, Leiter der Studie. Ein regionaler Schwerpunkt liege im sogenannten Schweinegürtel im Landkreis Cloppenburg. Hier sei die Belastung um das Vier- bis Fünffache höher als in anderen Teilen Niedersachsens.

Umweltministerium: Keine hohen Feinstaubwerte im Schweinegürtel

Das Umweltministerium verwies auf eine Mess-Station in Bösel im Landkreis Cloppenburg. Der Mess-Container steht im "Schweinegürtel", in der Nachbarschaft befindet sich laut Ministerium auch ein Mastbetrieb. Die Feinstaubwerte lägen dort aber im grünen Bereich, sagte eine Sprecherin laut NDR 1 Niedersachsen. Sollten Grenzwerte überschritten werden, werde reagiert.

Agrarministerium: Es wird bereits viel getan

Das Landwirtschaftsministerium erklärte, man arbeite schon lange daran, dass auf Bauernhöfen, Äckern und in Ställen weniger Feinstaub produziert wird. Bereits seit 2013 müssten in großen Schweinemastbetrieben Filter eingebaut werden. Zudem müssten Landwirte Gülle und Mist wenige Stunden nach dem Ausbringen unterpflügen, sagte Ministeriumssprecherin Natascha Manski. Größere Gülle-Behälter müssten abgedeckt werden.

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Kritiker bezeichnen Erkenntnisse als Spekulation

Ähnlich äußerte sich Christoph Friederich, Sprecher des Landvolks in der Schweinemast-Hochburg Landkreis Vechta: Viele der im "Monitor"-Beitrag geforderten Schutzmaßnahmen seien bereits getroffen. Kleinere Betriebe sowie Freilandhalter könnten dies allerdings oft nicht leisten. Die Behauptung, die Landwirtschaft sei Ursache von 50.000 Toten jährlich, bezeichnete Friederich derweil als spekulativ. Der Deutsche Bauernverband reagierte verärgert auf die Studie. Die "Todesfall-Statistik" sei "hochgradig unseriös", sogar unmoralisch, klagte Bauernpräsident Joachim Rukwied. Der Umweltbeauftragte des Verbands, Eberhard Hartelt, sprach gegenüber "Monitor" von "Spekulationen", an denen er sich nicht beteilige.

Studie noch nicht offiziell veröffentlicht

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und die Grünen im Landkreis Cloppenburg fühlen sich bestätigt. Sie fordern, dass sich die Tierhaltung ändert. Andere Institutionen halten sich bisher zurück, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Noch sei die Studie nicht offiziell veröffentlicht, teilte das Umweltbundesamt mit. Deshalb äußere man sich noch nicht dazu. Auch das Landvolk im Landkreis Cloppenburg will zunächst einmal abwarten, ebenso wie die Landkreisverwaltung. Deren Sprecherin sagte laut NDR 1 Niedersachsen, sie wisse nichts von erhöhten Feinstaubwerten in Cloppenburg.

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Dieses Thema im Programm:

NDR//Aktuell | 18.01.2019 | 14:00 Uhr

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