Stand: 09.05.2018 17:06 Uhr

Land will Fracking nicht mehr ausschließen

Beim Thema unkonventionelles Fracking herrscht seit Jahren Streit. (Grafik)

Niedersachsen schließt das unkonventionelle Fracking bei der Suche nach Erdgas möglicherweise nicht mehr wie bisher aus. Das bestätigte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums auf Anfrage von NDR.de. Zunächst hatte NDR 1 Niedersachsen darüber berichtet. Wie Sprecher Eike Frenzel sagte, will Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) Probebohrungen für unkonventionelles Fracking künftig nicht mehr aus politischen Gründen gänzlich ausschließen. Kommerzielles unkonventionelles Fracking ist laut Bundesrecht bis 2021 verboten. Lediglich insgesamt vier wissenschaftlich begleitete Erprobungsmaßnahmen können laut Bundesregierung erlaubt werden. Dafür können sich nach dem Willen Althusmanns nun auch Unternehmen in Niedersachsen bewerben eine Erlaubnis erhalten - nach "strenger" Prüfung, so Frenzel. Bislang sei das aber nicht geschehen.

Lies will an Verbot festhalten

Umweltminister Olaf Lies teilt die Position seines Kabinettskollegen jedenfalls nicht, wie seine Sprecherin Sabine Schlemmer-Kaune betonte: "Der Minister möchte an dem Beschluss, wie er damals gefasst wurde, festhalten." Anfang 2017 hatte sich Niedersachsen gemeinsam mit anderen Bundesländern gegen das unkonventionelle Fracking auch zu Forschungszwecken ausgesprochen. Der damalige Wirtschaftsminister Lies hatte die zuständige Bergbaubehörde angewiesen, keine entsprechende Erlaubnis mehr zu erteilen. Doch Frenzel betont, dass angesichts der Rechtslage "die Durchsetzbarkeit eines pauschalen und unbegründeten Ausschlusses der genannten Erprobungsmaßnahmen in unkonventionellen Lagerstätten rechtlich fragwürdig" ist. Die Landesregierung lehne weiterhin die wirtschaftliche Gewinnung von Erdgas aus sogenannten unkonventionellen Lagerstätten ab.

Kritiker sorgen sich um das Grundwasser

Auch mit seiner eigenen Fraktion hat Wirtschaftsminister Althusmann offenbar nicht gesprochen. CDU-Fraktionschef Dirk Toepffer zeigte sich jedenfalls überrascht. Für seine Fraktion gelte grundsätzlich Umweltschutz vor wirtschaftlichen Interessen. Das unkonventionelle Fracking wird bei der Suche nach Erdgas in Schiefer-, Ton, Mergel- oder Kohleflözgestein angewendet. Dabei wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem Druck in den Boden gepresst. Auf diese Weise kann Gestein aufgespalten und darin enthaltenes Erdgas gefördert werden. Weil das in Tiefen von weniger als 3.000 Metern passiert, sehen Kritiker das Grundwasser gefährdet. Beim konventionellen Fracking in tieferen Gesteinsschichten wird weniger Flüssigkeit benötigt, da das sogenannte Tight-Gas meist von selbst entweichen kann.

Erdgas-Reserven sind gesunken

Unterdessen hat am Mittwoch das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) neue Zahlen zu den Erdgasreserven veröffentlicht. Demnach sind die bundesweiten Erdgasreserven innerhalb von zehn Jahren von 218,4 Milliarden Kubikmeter um etwa 71 Prozent auf 63,1 Milliarden Kubikmeter gesunken. Die größten Reserven liegen in Niedersachsens Boden: 62,2 Milliarden Kubikmeter, das sind 98,5 Prozent der deutschen Rohgasreserven. Regional liegen die größten Rohgasreserven mit 31,6 Milliarden Kubikmetern im Gebiet Weser-Ems, dicht gefolgt vom Raum Elbe-Weser mit 30,3 Milliarden Kubikmetern. Ursache der Abnahme ist laut LBEG die zunehmende Erschöpfung bekannter Vorkommen und der Mangel an nennenswerten Neufunden. Einen Zusammenhang zwischen dem Rückgang der Reserven und der Position Althusmanns zum unkonventionellen Fracking gebe es jedoch nicht, wie Sprecher Frenzel NDR.de sagte. Immerhin würden sich ja die Reserven erhöhen, würde künftig auch unkonventionell gefördert, sagte ein LBEG-Sprecher NDR.de.

Grüne appellieren an Minister

Die Grünen haben mit Blick auf die möglichen Umweltfolgen an Landesumweltminister Olaf Lies (SPD) und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) appelliert, unkonventionelles Fracking zu verhindern. Das sagte der Grünen-Abgeordnete Dragos Pancescu NDR 1 Niedersachsen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 09.05.2018 | 12:00 Uhr

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