Stand: 29.04.2018 14:30 Uhr

Komm, wir finden einen Schatz - aber mit Lizenz

Es ist erst knappe zwei Wochen her, dass ein 13-Jähriger auf Rügen einen Schatz des sagenumwobenen Dänenkönigs Harald Blauzahn (910 bis 987 n. Chr.) entdeckt hat. Ein Sensationsfund. Und auch auf das spektakuläreSchlachtfeld am Harzhorn (Landkreis Northeim) stießen im Jahr 2000 zwei Hobbyarchäologen aus dem benachbarten Kalefeld, die sich mit einer Sonde auf die Suche gemacht hatten. Das sind zwei Erfolgsgeschichten - doch Schatzsucher können mit ihrer Leidenschaft auch Schaden anrichten: Sie zerstören Fundorte, manchmal sogar unwiederbringlich. Ohne Genehmigung loszuziehen und einfach auf eigene Faust mit einer Sonde zu suchen, ist verboten. Aus diesem Grund werden in Niedersachsen Sondengänger ausgebildet.

Schatzsucher-Ausbildung beim Land

Lange Warteliste für Kurs

Etwa 300 Personen haben seit 2012 einen entsprechenden Kurs des Landesdenkmalamtes absolviert. So will das Land illegaler Schatzsuche und Plünderungen von Fundstätten vorbeugen. Der Unterrichtsstoff: das Denkmalschutzgesetz, die Gefahren bei Bomben- oder Minenfunden sowie fachliche Tipps zum Unterscheiden zwischen wertlosen und historisch interessanten Funden. Die Kurse seien sehr gefragt, heißt es vom Amt - es gebe lange Wartelisten. Einer, der sich mit einer Lizenz regelmäßig auf die Suche nach Kostbarkeiten aus längst vergangenen Epochen macht, ist Lutz Jaeger aus Deutsch Evern bei Lüneburg. Der 52-Jährige ist eigentlich Gymnasiallehrer von Beruf, doch in seiner Freizeit zieht es ihn einmal pro Monat aufs Feld. "Der Detektor ist für mich so etwas wie ein zusätzliches Sinnesorgan", sagt er.

Videos
02:37

Harzhorn: 45 Min vor Ort

Römer in Niedersachsen? 45 Min berichtet vom großen Tag der Pressekonferenz zu neuesten Funden am Harzhorn und der Kinopremiere von "Rätsel Römerschlacht". Video (02:37 min)

"Einen angemessenen Finderlohn"

Objekte, die in einer Tiefe von bis zu 30 Zentimetern liegen, darf Jaeger selbstständig ausbuddeln. Alles, was tiefer im Boden vergraben ist, muss er an die Behörden weitergeben - vor allem, wenn er die Vermutung hat, dass eine altertümliche Siedlung oder ähnliche große Funde unter der Oberfläche liegen. In Niedersachsen müssen Funde gemeldet und bei wichtigen Objekten für die wissenschaftliche Bearbeitung an die professionellen Archäologen ausgeliehen werden. Ansonsten gehört der entdeckte Schatz zur Hälfte dem Finder und zur Hälfte dem Grundstückseigentümer. Bei Funden von großer wissenschaftlicher Bedeutung kann das Land diese auch einziehen. "In diesem sehr seltenen Fall bekommt der Finder einen angemessenen Finderlohn", sagte Landesarchäologe Henning Haßmann.

Fibeln, Münzen - und viele Kronenkorken

Jaeger hat bereits einige sogenannte Fibeln aus dem Mittelalter entdeckt. Dabei handelt es sich um Nadeln aus Metall, mit denen früher Kleider zusammengehalten wurden. Auch Münzen, sogar aus Gold, hat er schon gefunden. Die Fibeln können ein Hinweis darauf sein, dass sich an der Fundstelle oder in der Nähe früher menschliche Siedlungen befunden haben und die Dörfer in dem Gebiet eventuell viel älter sind als bislang angenommen. "Bei den archäologisch relevanten Funden dominieren mittelalterliche und solche aus der Zeit der Römer und Germanen", sagte Landesarchäologe Haßmann. Allerdings handele es sich bei etwa 99 Prozent der Objekte um neuzeitlichen Metallschrott - etwa Kronkorken oder Schrauben.

Weitere Informationen

Schatz von Schapen: Goldmünzen werden kopiert

Der sogenannte Schatz von Schapen im Emslandmuseum Lingen besteht aus fast 400 Münzen. Ein Teil wird nun im 3D-Drucker kopiert, damit Besucher die Münzen in die Hand nehmen können. (21.12.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 29.04.2018 | 06:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

04:01
Hallo Niedersachsen

Fall Högel: Viele Versäumnisse

20.11.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
02:36
Hallo Niedersachsen

Mann wegen Aufruf zu Whistleblowing verurteilt

20.11.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
03:58
Hallo Niedersachsen

Rot-Schwarz: Quereinsteiger gegen Lehrermangel

20.11.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen