Ein Mädchen wird geimpft, im Vordergrund das Vakzin. © dpa picture alliance Foto: Frank Hoermann/Sven Simon

Impfempfehlung für Kinder: Weil macht Druck in Berlin

Stand: 05.07.2021 22:02 Uhr

Bei Niedersachsens Ärzten herrscht Uneinigkeit zur Frage von Corona-Impfungen für Kinder und Jugendliche. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) ist verärgert über die fehlende Empfehlung.

Seiner Meinung nach wäre die Impfung das wichtigste Mittel, um der Delta-Variante und der Gefahr eines Wiederanstiegs des Infektionsgeschehens zu begegnen und einen sicheren Schulbetrieb zu gewährleisten. "Es gibt eine große Gruppe, für die gibt es derzeit keine Impfempfehlung, das sind Jugendliche", sagte Weil am Montag. Man stehe sich in Niedersachsen selbst im Weg. "Nachdem bis jetzt junge Leute wirklich schon zu den Hauptleidtragenden der Pandemie gehört haben, empfinde ich das, was derzeit geschieht, wirklich als gegen eine junge Generation gerichtet und das finde ich persönlich unerträglich." Die Landesregierung mache in dieser Frage Druck beim Bund.

"Wenn sich jemand eine Impfung wünscht, impfe ich"

Martina Wenker, die Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, verweist auf die Vorgaben der Ständigen Impfkommission (Stiko): Diese empfiehlt, Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren nur bei Vorerkrankungen gegen das Coronavirus zu impfen. Der Vorsitzende der Ärztekammer Hannover, Thomas Buck, spricht sich dagegen für ein anderes Vorgehen aus: Kinder und Jugendliche hätten in den vergangenen eineinhalb Jahren auf vieles verzichtet, um andere zu schützen. Jetzt müsse auch etwas für diese Gruppe getan werden, sagte Buck der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (HAZ). "Wenn sich jemand eine Impfung wünscht, impfe ich."

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Impfaktion von Arzt aus Moormerland

Ein ähnliches Vorgehen hat der Mediziner Carsten Brinkmann angekündigt. In seinen Praxen in Moormerland, Rhauderfehn und Wiesmoor (Landkreis Aurich) will er am Mittwoch zahlreiche Kinder ab zwölf Jahren in Anwesenheit ihrer Eltern impfen - auch als Reaktion darauf, dass Kinder, die trotz Termins in Impfzentren von Ärzten abgelehnt wurden. 250 Dosen Biontech hat Brinkmann für seine Impfaktion bestellt. Die Stiko-Empfehlung kennt er, hält sie aber für falsch. Brinkmann schätzt die möglichen medizinischen Risiken gering ein - insbesondere im Verhältnis zu den psychosozialen Folgen und Entwicklungseinschränkungen durch mögliche weitere Schulschließungen.

Thümler verweist auf Delta-Variante

Zuvor hatten sich bereits die Braunschweiger Virologin Melanie Brinkmann sowie Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) für eine Impfung von Kinder und Jugendlichen ausgesprochen. Kinder über zwölf Jahre Kinder sollten möglichst jetzt schon geimpft werden, dies würde vor dem Hintergrund der sich ausbreitenden Delta-Variante eine größere Basis für mehr Sicherheit bedeuten, so Thümler.

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Als weitere Schutzmaßnahme wird derweil erneut über Luftfilter-Anlagen an Schulen diskutiert. Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) erwägt offenbar entsprechende Förderungen für einzelne Schulen. Details dazu werden in dieser Woche erwartet. Mehrere Kommunen haben bereits entsprechende Finanzierungen angeschoben: Die Stadt Oldenburg etwa will gegebenenfalls für alle 28 Grund- und Förderschulen Luftfilter bereitstellen. In Göttingen sind schon die ersten Anlagen an Schulen geliefert worden. Der Stadtrat hat hier insgesamt 300 Luftfilteranlagen finanziert.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 05.07.2021 | 15:00 Uhr

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