Stand: 28.09.2020 21:15 Uhr

Gorleben: Schicht im Schacht - doch offene Fragen

Um 10.07 Uhr am Montag wurde Gewissheit, was seit Sonntag schon Gerücht war: Gorleben kommt als Standort für ein Atommüllendlager nicht infrage. Das war eine Erkenntnis aus dem Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), der am Montag vorgestellt wurde. "Wir sind perplex", sagte ein erleichterter Landrat Jürgen Schulz (parteilos) im NDR Regionalmagazin Hallo Niedersachsen. Doch es bleiben offene Fragen.

VIDEO: Gorleben als Atommüll-Endlager nicht geeignet (11 Min)

"Keine überschäumende Freude"

Denn auch wenn sich der lange Atem der Protestler im Wendland offenbar ausgezahlt hat, stehen im sogenannten Zwischenlager immer noch 113 Castor-Behälter mit hochgiftigem Atommüll. Deshalb mischt sich neben den Stolz, das Endlager verhindert zu haben, auch Skepsis. "Keine überschäumende Freude", konstatierte etwa Wolfgang Ehmke von der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg.

Kommentar
Thorsten Hapke © NDR/Michael Uphoff Foto: Michael Uphoff

"Gorleben könnte ein neues Symbol werden"

Nun ist es offiziell: Ein Endlager für Atommüll wird nicht in Gorleben entstehen. Thorsten Hapke, Leiter Programmbereich Fernsehen im Landesfunkhaus Niedersachsen, kommentiert. mehr

Erster Protest in Wippingen

Weiter im Westen dagegen das Unbehagen. Wippingen (Landkreis Emsland) war schon einmal in der Verlosung für ein Endlager - damals, vor über 40 Jahren, gab es ebenfalls massive Proteste in der Region. Nun gehört der Ort mit dem Salzstock wieder zu den bundesweit 90 Kandidaten, die laut BGE in die engere Auswahl als Standort kommen. Bereits am Montag kam es deshalb zu, wenn auch noch verhaltenen, Protesten vor dem Kreishaus.

Hilft ein Moratorium?

Jan Deters gehörte schon vor 40 Jahren zu den Demonstranten. "Das ist nicht schön, wir sind wieder in der gleichen Situation wie damals", so Deters. Er sprach sich bei Hallo Niedersachsen für ein Moratorium in der Endlagersuche wegen des Coronavirus aus. Die Entscheidungen müssten in Ruhe getroffen werden und bräuchten Zeit, sagt er.

Weil kontern Kritik aus Bayern

Der Ausschluss von Gorleben sorgte für Kritik aus Bayern. Ministerpräsident Markus Söder kritisierte die Entscheidung ausdrücklich. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) wies die Kritik zurück. "Es gibt in diesem Auswahlverfahren keine Extrawürste für niemanden", sagte er am Montag in Hannover. "Voraussetzung für das Gelingen dieses Prozesses ist, dass sich alle an die Regeln halten und kein Land meint, es könnte sich aus dieser Diskussion herausstehlen."

45 Landkreise in Niedersachsen benannt

Von den 90 Gebieten, die laut Bericht "günstige geologische Voraussetzungen für die sichere Endlagerung radioaktiver Abfälle" aufweisen, liegen 57 ganz oder teilweise in Niedersachsen - als "geeignet" gelten mehr als 80 Prozent der Landesfläche. Ob auch ihr Wohnort dazu gehört, sehen Sie hier. Insgesamt sind in Niedersachsen 45 Landkreise und kreisfreie Städte von einem oder mehreren der Teilgebiete benannt.

Auch Schacht Konrad und Asse sind raus

Endgültig vom Tisch als mögliche Standorte sind neben Gorleben auch der Schacht Konrad in Salzgitter und das marode Endlager Asse im Landkreis Wolfenbüttel. Sie kommen für die Lagerung von hochradioaktivem Atommüll laut BGE nicht infrage. Das Land Niedersachsen begleitet die Suche nach dem Endlager mit einer eigenen Internetseite. "Auf der Seite 'Begleitforum Endlagersuche' finden insbesondere die Bürger wichtige Informationen, die sich bisher mit dem Thema Endlagersuche noch nicht intensiv befasst haben", sagte Umweltminister Olaf Lies (SPD).

Weitere Informationen
Bergleute und Gäste gehen durch das ehemaligen Erkundungsbergwerk. © picture alliance/dpa Foto: Philipp Schulze

Endlager-Suche: Viele neue Gebiete - Gorleben raus

90 große Gebiete in Deutschland eignen sich nach Ansicht von Wissenschaftlern zur Atommüll-Endlagerung. Der Salzstock Gorleben in Niedersachsen ist nicht darunter, weite Teile Norddeutschlands schon. mehr

Ein  Stop-Schild steht am Tor der Einfahrt zum ehemaligen Erkundungsberg Gorleben. © dpa Bildfunk Foto: Philipp Schulze

Gorleben wird kein Endlager: Salzstock ungeeignet

Auf der Suche nach einem deutschen Endlager für Atommüll ist der Salzstock Gorleben ausgeschieden. Eine Entscheidung, die in Niedersachsen vielerorts begrüßt wurde. (28.09.2020) mehr

Eine Halle voller Castorbehälter.

Endlagersuche: So geht das Auswahlverfahren weiter

Bis zur endgültigen Festlegung auf ein Atommüll-Endlager in Deutschland ist es noch ein langer Weg. Nach der Bekanntgabe von 90 Teilgebieten wird der Standort nun weiter eingegrenzt. (28.09.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 28.09.2020 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

Eine Mund-Nasen-Schutz liegt auf dem Boden vor dem Rathaus. © dpa - Bildfunk Foto: Sina Schuldt

Neue Regeln: Kontaktverbot, Wirtschaftshilfen und kein Sport

Ministerpräsident Weil wird sich voraussichtich gegen 19.30 Uhr zu den neuen Corona-Regelungen äußern - live bei NDR.de. mehr

Ein Mitarbeiter der Johanniter nimmt einen Rachenabstrich von einer Frau. © picture alliance Foto: Moritz Frankenberg

KVN: 400 Schwerpunktpraxen für Corona-Tests im Land

Die Anzahl wurde um 170 Praxen erhöht. Vor allem der bürokratische Aufwand der Tests sorgt für Kritik von Medizinern. mehr

Das Karl-Marx Denkmal in Chemnitz © picture alliance/Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa Foto: Jan Woitas

Kulturhauptstadt 2025: Niedersachsen gratuliert Chemnitz

Kulturminister Thümler bedauerte aber, dass Hannover und Hildesheim das Nachsehen hatten - und lobte deren Engagement. mehr

Ein Wassertropfen tropft aus einem Wasserhahn. © dpa - picture alliance Foto: Yui Mok

Kein Wasser aus dem Hahn: 13 Mal Rohrbruch in Bad Bevensen

Die Wasserrohre sind stark sanierungsbedürftig. Jetzt hatten zahlreiche Haushalte mehrere Tage kein Wasser. mehr