Stand: 16.05.2018 15:38 Uhr

Fracking oder kein Fracking, Herr Althusmann?

Seit 2016 verbietet der Bund die Erdgasgewinnung aus sogenannten unkonventionellen Lagerstätten wie Schiefer- oder Tongestein - das sogenannte unkonventionelle Fracking. Nur zu wissenschaftlichen Zwecken darf es bundesweit vier Probebohrungen geben, wenn die betroffenen Bundesländer zustimmen. Die Grünen im niedersächsischen Landtag werfen der rot-schwarzen Landesregierung nun vor, diese Testbohrungen entgegen früherer Vereinbarungen unter Rot-Grün nicht mehr grundsätzlich auszuschließen. In der Aktuellen Stunde im Landtag am Mittwoch haben sie Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) und die Koalitionspartner zur Rede gestellt.

Minister-Sprecher: Unternehmen können Erlaubnis erhalten

Die vorherige Landesregierung aus SPD und Grünen hatte beschlossen, eine Probebohrung nicht zuzulassen. In einer Antwort der jetzigen Regierung auf eine Anfrage der Grünen hatte es jedoch geheißen, diese pauschale Ablehnung sei rechtlich fragwürdig. Vor gut einer Woche hatte zudem Eike Frenzel, Sprecher des Wirtschaftsministeriums gegenüber dem NDR gesagt, Wirtschaftsminister Althusmann wolle Probebohrungen für unkonventionelles Fracking künftig nicht mehr aus politischen Gründen gänzlich ausschließen. Für die wissenschaftlich begleiteten Erprobungsmaßnahmen können sich nach dem Willen Althusmanns nun auch Unternehmen in Niedersachsen bewerben und eine Erlaubnis erhalten - nach "strenger" Prüfung, so Frenzel.

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Rot-Schwarz: Mit uns kein unkonventionelles Fracking

In der Debatte im Landtag am Mittwoch gaben sich die Vertreter von CDU wie SPD ziemlich erbost über die "Phantomdebatte über Probebohrungen", die die Grünen nun lostreten wollten. "Eine politische Dreistigkeit", nannte es der Christdemokrat Martin Bäumer. Beide Koalitionspartner waren stark bemüht, eine einheitliche Linie in dieser Thematik zu betonen. "Mit uns ist unkonventionelles Fracking nicht zu machen", sagte Minister Althusmann. Dörte Liebetruth von der SPD verwies auf den Koalitionsvertrag, der es klar und deutlich mache: "Trinkwasserschutz hat für uns absoluten Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen."

Althusmann: Keine Differenzen über die Bewertung

Laut dem Wirtschaftsminister gebe es in Niedersachsen derzeit "keine einzige Planung eines Unternehmens, Erprobungsmaßnahmen durchzuführen". Falls so ein Antrag käme, müsste die Landesregierung darüber beschließen. Es gäbe zwischen Wirtschafts- und Umweltministerium "keine Differenzen, was die Bewertung angeht", sagte Althusmann und weiter: "Wir wollen Fracking in unkonventionellen Lagerstätten nicht." Ein klares kategorisches Nein zu Probebohrungen in unkonventionellen Lagerstätten sahen die Grünen in diesen Äußerungen allerdings nicht, wie die Umweltsprecherin der Grünen, Imke Byl, am Ende der Debatte noch mal in Richtung des Ministers betonte.

Konventionelles und unkonventionelles Fracking

Beim konventionellen Fracken wird das Gestein in Tiefen von bis zu fünf Kilometer aufgebrochen. Unternehmen betonen, in dieser Tiefe gebe es keine Gefahr für das Grundwasser. Zudem seien die Chemikalien unbedenklich und würden offengelegt. In Deutschland wird bereits seit Jahren konventionell gefrackt.

Beim unkonventionellen Fracking, wie es in den USA auch praktiziert wird, wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem Druck in Ton- oder Schiefergestein gepresst, das relativ nahe an der Oberfläche liegt. Diese Schichten werden auf diese Weise aufgebrochen, um bisher unerschlossene Gasreserven freizusetzen. Der Rückfluss des Gemisches muss dann entsorgt werden, was aus Umweltschutzgründen ebenfalls als bedenklich gilt. Welche Chemikalien eingesetzt werden, muss zudem nicht offengelegt werden. Folgeschäden sind bisher kaum erforscht. Diese Art des Frackings ist in Deutschland inzwischen verboten.
(Quelle: tagesschau.de)

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 16.05.2018 | 12:00 Uhr

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