Bergen-Belsen: Emotionaler Besuch von Israels Präsident Herzog

Stand: 06.09.2022 20:54 Uhr

Israels Staatspräsident Izchak Herzog hat am Dienstag gemeinsam mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das frühere Konzentrationslager Bergen-Belsen besucht.

Dabei nahm Herzog unter anderem einen von seinem Vater gestifteten Gedenkstein in Augenschein. Herzogs Vater Chaim Herzog, der von 1983 bis 1993 ebenfalls israelischer Staatspräsident war, gehörte 1945 als britischer Offizier selbst zu den Soldaten, die das KZ Bergen-Belsen befreiten. Bei einem Besuch 1987 stiftete er den Stein für die heutige Gedenkstätte. Izchak Herzog ging in seiner Rede auch auf seinen Vater ein. An der Zeremonie nahmen Überlebende der Shoa teil.

Videos
Izchak Herzhog © Screenshot
4 Min

Israels Staatspräsident besucht Gedenkstätte Bergen-Belsen

Herzogs Vater befreite als britischer Soldat 1945 mit das KZ. Sophie Mühlmann mit Eindrücken vom historischen Staatsbesuch. 4 Min

Steinmeier: Shoa ist schmerzlicher Teil der deutschen Geschichte

Bundespräsident Steinmeier bedankte sich in seiner Rede bei Herzog dafür, dass dessen Vater das Konzentrationslager befreit habe. Er nannte die Shoa einen schmerzlichen Teil der deutschen Geschichte. Zuvor gedachten die Staatsoberhäupter Anne Frank, die kurz vor Kriegsende in Bergen-Belsen starb. Der offizielle Teil des Besuchs in Bergen-Belsen hatte mit einer Kranzniederlegung durch Herzog und Steinmeier begonnen. Danach betete der Kantor Kantor André Sitnov das jüdische Gebet "El Male Rachamim" und im Anschluss der israelische Präsident das "Kaddisch". Eine Jugendliche trug einen Text von Hannah Pick-Goslar vor, in dem sie eine Begegnung mit Anne Frank in Bergen-Belsen schildert. Zwei weitere Jugendliche erzählten, was diese Gedanken für ihre Generation bedeuten.

Herzog: Israel ist stolz auf die Partnerschaft mit Deutschland

Am Dienstagvormittag hatte Herzog im Rahmen seiner Deutschland-Reise eine Rede im Plenum des Bundestags gehalten. Dort bedankte er sich für die Unterstützung seines Landes und erinnerte an den Holocaust. "Der Staat Israel ist stolz auf seine Partnerschaft mit Deutschland", sagte Herzog in Berlin. "Wir wissen den deutschen Beitrag zur Sicherheit und zum Erfolg Israels sehr zu schätzen." 

KZ Bergen-Belsen als Mahnmal

Die Gedenkstätte im Landkreis Celle gilt weltweit als Mahnmal gegen die Verbrechen der Deutschen in der Zeit des Nationalsozialismus. Mehr als 52.000 Menschen starben in dem Konzentrationslager. Am 15. April 1945 befreiten britische Truppen das Lager. Sie fanden Tausende unbestattete Leichen und Zehntausende todkranke Menschen. Zu den Todesopfern gehörte auch das jüdische Mädchen Anne Frank, dessen Tagebuch weltweit bekannt ist.

Dritter Tag von Herzogs Deutschland-Besuch

Israels Präsident Herzog war bereits am Sonntag in Deutschland eingetroffen. Im Zentrum des Besuchs stand bisher das Gedenken zum 50. Jahrestag des Münchner Olympia-Attentats, bei dem 1972 elf israelische Sportler getötet worden waren. Steinmeier hatte am Montag um Vergebung für den mangelnden Schutz der Athleten und die unzureichende Aufklärung nach dem Attentat gebeten.

Weitere Informationen
Holocaust-Überlebende Irene Butter © pivat

Holocaust-Überlebende Irene Butter: "Der Kreis schließt sich"

Sie hat das Konzentrationslager Bergen-Belsen überlebt. Nun kommt die 91-Jährige nach Norddeutschland. Was treibt sie an? (05.09.2022) mehr

Gedenkstein am ehemaligen Konzentrationslager Bergen-Belsen mit der Aufschrift "Bergen-Belsen 1940 bis 1945" © Stiftung niedersächsische Gedenkstätten/Gedenkstätte Bergen-Belsen

Gedenkstätte Bergen-Belsen: Erinnerung und Mahnung

Im Konzentrationslager Bergen-Belsen starben Zehntausende Menschen, darunter Anne Frank. Eine Gedenkstätte erinnert an die Opfer. (25.08.2022) mehr

Ein Porträtbild in schwarz-weiß zeigt Anne Frank beim Schreiben. © IFTN UnitedArchives 06039

Anne Frank: Vermächtnis eines Holocaust-Opfers im Tagebuch

Sie starb im KZ Bergen-Belsen und wurde durch ihr Tagebuch berühmt. Der Anne-Frank-Tag an ihrem Geburtstag setzt ein Signal gegen Antisemitismus. (12.06.2022) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 06.09.2022 | 19:30 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

NS-Zeit

Zweiter Weltkrieg

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

Eine Grafik zeigt die Ergebnisse der Sonntagsfrage zur Landtagswahl vom 29.09.2022. © ARD/NDR/infratest-dimap

Sonntagsfrage: CDU legt zu, Grüne verlieren, SPD weiter vorn

Gut eine Woche vor der Landtagswahl liegt die SPD in Niedersachsen bei 32 Prozent. Die FDP muss um den Einzug in den Landtag bangen. mehr