Stand: 01.08.2019 16:23 Uhr

Leidende Wälder: "Mittendrin in der Katastrophe"

Dürre, Hitze, Schädlinge und Stürme setzen dem Wald massiv zu. Experten und Umweltschützer warnen bereits vor einem Waldsterben "ungeahnten Ausmaßes". Die Bundesregierung ist alarmiert - Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) hat für September einen nationalen Waldgipfel einberufen.

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Panorama 3

Dramatische Schäden: Ist der Wald noch zu retten?

18.06.2019 21:15 Uhr
Panorama 3

Wegen der Borkenkäferplage werden im Harz Tausende Fichten gefällt. Um den Borkenkäferbefall einzudämmen, kommen Gift-Fallen zum Einsatz. Kritiker betonen: Gift gehöre nicht in den Wald. Video (08:10 min)

Mehrere Faktoren kommen zusammen

Auch im waldreichen Niedersachsen ist die Lage angespannt. Betroffen sind nahezu alle Regionen, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Besonders stark leiden die Wälder im Süden und Südosten - im Weserbergland, Solling und Harz. In den dortigen großen Fichtengebieten kommen gleich mehrere Negativfaktoren zusammen: Nach Sturm Friederike im Januar 2018 setzen den Bäumen dort auch die Trockenheit und die Borkenkäfer zu, wie Matthias Aßmann, Sprecher der Niedersächsischen
Landesforsten erläutert. Weil es auch dieses Jahr zu trocken ist, hat sich die Situation verschlimmert.

Auch Buchen sind betroffen

Das betrifft längst nicht mehr nur die Fichten. Auch die Buchen leiden in diesem Sommer. Sie sind durch das zweite trockene Jahr in Folge sozusagen zeitverzögert in Trockenstress geraten - weil die Bodenwasserspeicher nicht aufgefüllt sind. Wie extrem die Lage ist, zeigt etwa die Situation in der Göhrde im Nordosten: Dort sind die Böden bis auf zwei Meter Tiefe ausgetrocknet, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Recht gut mit der Trockenheit kämen noch die Kiefern klar, aber auch die hielten das nicht mehr lange durch, heißt es.

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"Mittendrin in der Katastrophe"

Das Waldsterben verursacht bereits jetzt enorme finanzielle Schäden. Der Dachverband der Waldeigentümer schätzt, dass 2018 und 2019 insgesamt 70 Millionen Kubikmeter Schadholz anfallen. Die Auswirkungen sind dramatisch - auch für private Forstbetriebe in Niedersachsen. Der Holzmarkt sei am Boden, sagt Winfried Frölich, Geschäftsführer der Arenberg Meppen GmbH, die in Niedersachsen rund 9.500 Hektar Wald bewirtschaftet und damit der größte private Forstbetrieb ist. "Ich bin der Meinung, dass wir keinen drohenden Kollaps haben, sondern wir sind im Grunde schon mittendrin in der Katastrophe", sagte Frölich NDR 1 Niedersachsen.

Massive Verluste

In Folge der Entwicklung in den Wäldern sei der Preis für Stammholz auf unter die Hälfte gefallen, so Geschäftsführer Frölich. Um die beschädigten Bäume zu finden, sind Mitarbeiter in den Wäldern unterwegs. Drohnen und ab kommender Woche auch Flugzeuge machen Luftaufnahmen. Das kostet - und verhagelt die Wirtschaftsbilanz. "Unterm Strich kann man sagen, dass wir zum Jahresende dicke Verluste einfahren werden. Das geht sicherlich in die hohen Hunderttausende Euro", sagte Frölich dem NDR.

Mehr Vielfalt - doch das kostet Geld und Zeit

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Als ein Ausweg aus der Misere gilt - neben massiver Aufforstung - auch eine stärkere Durchmischung der Wälder. Das Ziel: deutlich weniger Nadel-, dafür deutlich mehr Mischwald. Neben einheimischen Arten zählen dazu auch die Douglasie oder Roteiche aus Nordamerika, die mit dem sich ändernden Klima zurechtkommen. Neu ist das Programm nicht - doch es braucht seine Zeit.

12,5 Millionen Euro für Niedersachsens Wälder?

Schon seit knapp 30 Jahren setzen die Landesforsten ein Projekt zur "Langfristigen Ökologischen Waldentwicklung" (LÖWE) um. Dafür werden im Staatswald zwischen 4,5 und 5 Millionen Bäume pro Jahr neu gepflanzt. Pro Baum kostet das etwa einen Euro. Normalerweise wird das mit dem Verkauf von Holz finanziert - die Preise sind derzeit aber im Keller. Zusätzliche Gelder vom Bund - wie jetzt von Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner angedacht - wären daher ein Ausweg. Erst am Mittwoch hatte dies auch Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) gefordert. "Für Niedersachsen würde den Waldbesitzern zunächst eine Summe von rund 12,5 Millionen Euro helfen", sagte Otte-Kinast.

Wald mit abgestorbenem Baum

Wie schlecht geht es dem Wald?

NDR Info -

Waldbesitzer und Naturschützer warnen vor Waldsterben. Agrarministerin Klöckner plant einen Waldgipfel. Wie krank ist der Wald? Interview mit Forstwirt Martin Rohde.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 01.08.2019 | 12:00 Uhr

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