Ein Mann raucht und hält ein Bierglas fest. © Picture Alliance / Blickwinkel Foto: McPHOTO/M. Begsteiger

Corona-Krise verführt zu mehr Tabak- und Alkoholkonsum

Stand: 20.10.2020 15:30 Uhr

In der Corona-Krise ist der Konsum von Alkohol und Tabak einer Umfrage zufolge deutlich gestiegen. Einer der Gründe dafür ist aus Sicht eines Sucht-Experten Langeweile während des Lockdowns.

Für die repräsentative Online-Umfrage im Auftrag der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) mit Sitz in Hannover befragte das Marktforschungsinstitut forsa im Juli dieses Jahr 1.005 Menschen im Alter zwischen 16 und 69 Jahren. Demnach trinkt jeder dritte Mann und rund jede fünfte Frau an mehreren Tagen pro Woche Alkohol. Ein Viertel von ihnen gab an, dies seit Beginn der Pandemie im März noch häufiger zu tun. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei den Rauchgewohnheiten: Bei den Gelegenheitsrauchern griff jeder dritte seit der Pandemie häufiger zur Zigarette. Bei den regelmäßigen Rauchern war es nur jeder neunte.

Rauschmittel entspannen und vertreiben vermeintlich Sorgen

"Ein gesteigerter Coolness-Faktor sowie Stress und Langeweile zählen zu den häufigsten Gründen, warum gerade junge Menschen trinken und rauchen", sagte Michael Falkenstein, Experte für Suchtfragen bei der KKH. Durch den Lockdown im Frühjahr habe zum einen die Langeweile zugenommen. Zum anderen seien solche Rauschmittel gerade in Krisenzeiten für viele Menschen eine Art Bewältigungsmechanismus, da sie entspannen und beruhigen und vermeintlich Ängste und Sorgen vertreiben, so Falkenstein. "Die große Gefahr dabei ist, dass aus dem vermehrten Konsum während einer schweren Phase eine Gewohnheit wird und dadurch ein noch höheres Risiko für eine Abhängigkeit entsteht."

Alkohol und Zigaretten: Hauptrisikofaktoren für vorzeitigen Tod

Die KKH ist angesichts der gestiegenen Zahlen alarmiert. Denn Nikotin- und Alkoholkonsum gehören nach Angaben der Krankenkasse zu den häufigsten vermeidbaren Krankheitsursachen und zählen zudem zu den zwei Hautprisikofaktoren für einen vorzeitigen Tod. Frühzeitige Prävention im Kindes- und Jugendalter sei deshalb wichtig. Außerdem müsse man die Ursachen bekämpfen - etwa psychische Erkrankungen wie Depressionen aufgrund von Stress und Einsamkeit. Die Umfrage zu den Alkohol- und Rauchgewohnheiten in der Corona-Krise untermauere diesen Ansatz, so die Krankenkasse.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 20.10.2020 | 15:00 Uhr

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