Blick auf das verschneite Alten- und Pflegeheim, in dem es bei 14 Senioren zum Corona-Ausbruch mit der Variante B.1.1.7 gekommen war. © picture alliance/dpa/Jonas Walzberg Foto: Jonas Walzberg

Corona-Infektionen in Belm beschäftigen Bundesregierung

Stand: 08.02.2021 21:41 Uhr

Die Corona-Infektionen von 14 geimpften Heimbewohnern aus Belm im Landkreis Osnabrück zieht immer größere Kreise. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kündigte eine Untersuchung an.

Er habe das Robert Koch-Institut und das Paul-Ehrlich-Institut um eine Prüfung gebeten, sagte Spahn am Montag. Die nach den Impfungen aufgetretenen Infektionen würden die Behörden sehr beschäftigen. Spahn betonte, es könne mehrere Erklärungen geben. Eine Möglichkeit wäre, dass die Patientinnen und Patienten bereits vor vielen Wochen mit dem Coronavirus infiziert waren, die Infektionen aber unerkannt geblieben seien. Es sei aber auch nicht auszuschließen, dass die Impfungen die Infektionen nicht verhindert hätten, sondern nur den Krankheitsverlauf abmilderten. Denkbar sei zudem, dass es bis zum vollen Impfschutz eine Zeit dauere.

Milder Krankheitsverlauf dank Impfung?

Aufgefallen war der Befund nach Angaben des Landkreises bei den täglichen Schnelltests der Mitarbeitenden des Heims am 2. Februar, als ein Test positiv auf die bekannte Virus-Variante ausgefallen war. Bei einer kompletten Testung der Bewohner und der Typisierung der Viren seien dann 14 Fälle der britischen Variante B.1.1.7 zum Ende der vergangenen Woche nachgewiesen worden. Alle Betroffenen hatten bereits am 25. Januar die zweite Impfung mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer erhalten. Bislang wurden nach Angaben der Heimleitung nur asymptomatische oder leichte Verläufe der Erkrankung festgestellt. Wann sich die Bewohner genau infiziert haben, ist weiter unklar.

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Biontech erläutert Wirkung von Impfung

Biontech wies am Montag darauf hin, dass der Impfstoff sieben Tage nach der zweiten Impfung zu 95 Prozent vor der Erkrankung schütze - ersten Analysen zufolge wohl auch bei der Mutation B.1.1.7. "Sollten Menschen trotz der Immunisierung an Covid-19 erkranken, ist das Ziel der Impfung, vor einem schweren Krankheitsverlauf zu schützen", hieß es weiter. Dass alle positiv getesteten Bewohner asymptomatische oder leichte Verläufe haben, spreche nach aktuellem Kenntnisstand für die Impfung und die daraus folgenden positiven Effekte.

Virologe sieht keinen Grund zur Beunruhigung

Auch der Bremer Virologe Andreas Dotzauer sieht in den Infektionen keinen größeren Grund zur Beunruhigung. Nach der ersten Impfung vergingen etwa zehn Tage, bis schützende Antikörper nachgewiesen würden und nach der zweiten Impfung brauche es noch einmal Zeit, bis die endgültige Wirksamkeit erreicht sei, sagte der Leiter des Laboratoriums für Virusforschung der Universität Bremen. Ein Ziel der Impfungen sei, die Symptomatik und Schwere des Krankheitsverlaufs bei einer Corona-Infektion drastisch zu reduzieren. Das sei in Belm nach bisherigem Stand selbst bei der Virusvariante offenbar der Fall, so Dotzauer. Berücksichtigt werden müsse zudem, dass es sich um ältere Menschen handele, bei denen möglicherweise der Immunschutz nicht mehr so stark ausgeprägt sei.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 08.02.2021 | 15:00 Uhr

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