Stand: 30.05.2018 19:23 Uhr

Warnstreik in drei Helios-Kliniken abgebrochen

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Beschäftigte an drei Helios-Kliniken legten am Mittwochmorgen für mehrere Stunden ihre Arbeit nieder. (Archivbild)

Ein Berliner Arbeitsgericht hat einen kurzfristig angesetzten Warnstreik in drei Helios-Kliniken in Schleswig-Holstein untersagt. Wie Carina Schulz, Sprecherin der Gewerkschaft ver.di, am Mittwoch im Gespräch mit NDR.de mitteilte, erwirkte der Klinik-Konzern, dessen Unternehmenszentrale sich in Berlin befindet, erneut eine einstweilige Verfügung. Daraufhin habe ver.di die Beschäftigten aufgefordert, die Arbeit wieder aufzunehmen. Die Aktion von rund 220 Angestellten wurde somit nach wenigen Stunden beendet.

Auch in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern drohen Ausstände

Von dem Streik betroffen waren die Reha-Klinik Damp, die Reha-Klinik Schönhagen und die Ostseeklinik Damp. Der kurzfristig angesetzte Warnstreik sollte ursprünglich bis Mittwochabend weitergehen. An den Helios-Standorten in Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg wurde nicht gestreikt. Allerdings: "Wenn Helios jetzt nicht ein tragbares Angebot vorlegt, werden wir die Warnstreiks in naher Zukunft auch auf die Standorte in Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg ausweiten", sagte Schulz vor der Gerichtsentscheidung. Ver.di prüfe nun, ob sie juristisch haltbar ist.

Helios: "Ein unfassbares und rücksichtsloses Verhalten"

Sowohl die Beschäftigten selbst als auch Helios waren von ver.dis Aktion überrascht worden. Der Klinikkonzern beklagte, die Streikankündigung sei am Mittwochmorgen erst gut eine halbe Stunde vor Beginn des Warnstreiks zugestellt worden. "Ein unfassbares und rücksichtsloses Verhalten, das wir in mehr als einem Jahrzehnt Tarifverhandlungen so noch nicht erlebt haben", sagte Helios-Verhandlungsführerin Dorothea Schmidt. Es habe deshalb keine Zeit für Vorbereitungen gegeben. Schmidt warf der Gewerkschaft vor, ihre Eigeninteressen über das Wohl der Patienten zu stellen. Sie nannte die Gerichtsentscheidung "folgerichtig".

Zweite einstweilige Verfügung in zwei Tagen

Schon am Montagabend hatte die Gewerkschaft vor Gericht eine Niederlage einstecken müssen. Das Arbeitsgericht Kiel erließ auf Antrag der Helios-Kliniken eine einstweilige Verfügung gegen Warnstreiks - mit Blick auf die sogenannte Friedenspflicht zwischen Arbeitgeber und Beschäftigten. Laut ver.di galt die Entscheidung des Gerichts nur für Dienstag und nur für den Warnstreik am Standort Kiel. Dennoch sagte ver.di alle für Dienstag geplanten Arbeitsniederlegungen in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern ab.

Tarifverhandlungen sind festgefahren

Hintergrund des Ausstandes sind der Gewerkschaft zufolge die festgefahrenen Tarifverhandlungen mit Helios Nord. "Wir sind seit vielen Monaten in Verhandlungen und Gesprächen und treten dabei auf der Stelle", sagte der Leiter des Fachbereichs Gesundheitsdienst von ver.di Nord, Steffen Kühhirt. "Ein Konzern, der zweistellige Renditen erwirtschaftet, darf dies nicht auf Kosten der Beschäftigten machen." Am Donnerstag sollen in Hamburg neue Tarifgespräche für die Helios-Beschäftigten im Reha-Bereicht stattfinden.

Ver.di fordert mehr Geld

Ver.di fordert eine Lohnerhöhung um sieben Prozent, eine einheitliche Entgelt-Tabelle für die Reha- und Akutkliniken, einen Metropolenzuschlag für Hamburger Mitarbeiter und die Ost-West-Angleichung der wöchentlichen Arbeitszeit. "In Helios-Kliniken Mecklenburg-Vorpommerns arbeiten die Beschäftigten noch immer 40 Stunden wöchentlich und damit eineinhalb Stunden länger als die Kolleginnen und Kollegen in den Kliniken der alten Bundesländer", erklärte Kühhirt weiter. 27 Jahre nach der Deutschen Einheit sei Helios immer noch nicht bereit, bei der Arbeitszeit für Gleichheit zu sorgen. Das ist aus Sicht der Gewerkschaft "skandalös" und zeige, dass der Konzern nicht zur Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung bereit sei.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 30.05.2018 | 22:00 Uhr

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