Stand: 07.01.2013 10:00 Uhr  | Archiv

Planten un Blomen: Park mit vielen Gesichtern

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Wie ein grünes Band zieht sich der Park Planten un Blomen durch Hamburgs Innenstadt.

Erst Friedhof, dann Zoo und kurzzeitig ein Vergnügnungsspark mit Achterbahn: Wo heute mitten in Hamburgs Zentrum eine der beliebtesten Parkanlagen der Stadt liegt, ist von Blumenpracht und eleganten Wasserläufen vor rund 150 Jahren nur wenig zu ahnen. Im 19. Jahrhundert befindet sich hinter dem früheren Dammtor außerhalb der Wallanlagen ein Friedhof. 1879 wird er geschlossen, die Beigesetzten nach Ohlsdorf auf den neuen Friedhof umgebettet.

Zoo und Vergnügungspark bringen keinen Erfolg

Nördlich des alten Friedhofs eröffnet 1863 ein Zoologischer Garten. "In dieser Weltabgeschiedenheit, vom Großstadtverkehr wie von einer fernen Brandung umrauscht, die ab und an durchborsten wurde vom Gebrüll eines Löwen oder Tigers und dem Schrei großer Raubvögel, sind meine ersten hilflosen Gedichte entstanden", erinnert sich der Altonaer Dichter Hans Leip. Der Schöpfer des Liedes "Lili Marleen" spaziert Anfang des 20. Jahrhunderts gern durch die Anlage.

Doch der Zoo kann sich auf Dauer nicht halten, die Konkurrenz durch den modernen Tierpark Hagenbeck ist zu groß. 1930 schließt er, ein Vogel- und Volkspark tritt an seine Stelle. Trotz Attraktionen wie einer Eisenbahn, einer Achterbahn und einer Motorbootbahn hat auch er in den wirtschaftlich schwierigen Zeiten wenig Erfolg.

Die niederdeutsche Gartenschau zeigt "Planten und Blomen"

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Viele Menschen, wenig Maschinen: Beim Bau von Planten un Blomen wurden bewusst viele Arbeiter eingesetzt.

1934 beschließt der nationalsozialistische Senat, das Gelände komplett neu herzurichten und dort unter dem Namen "Planten un Blomen" (plattdeutsch für "Pflanzen und Blumen") eine Niederdeutsche Gartenschau zu veranstalten. Die Neugestaltung ist zunächst ein großes Arbeitsbeschaffungsprogramm: Rund 1.800 Arbeitskräfte schuften in Spitzenzeiten auf dem Gelände, sie bewegen rund 150.000 Kubikmeter Boden. Bewusst verzichtet man auf Maschinen, um möglichst viele Erwerbslose in Arbeit zu bringen und so die Arbeitslosenstatistiken für Hamburg zu verbessern.

"Spagat zwischen Moderne und Heimattümelei"

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Im Nachbau eines reetgedeckten Bauernhauses wird 1935 ein Restaurant eröffnet.

Die gartenarchitektonische Gestaltung liegt in Händen des damaligen Baurats Hans Meding und seines Mitarbeiters, dem Gartengestalter Karl Plomin. Er drückt der Anlage seinen noch heute etwa in der großen Wasserkaskade erkennbaren Stempel auf. Viele Teile der Anlage sind damals hochmodern, so etwa der Orchideenpavillon oder der aus Glas und Beton erbaute Musikpavillon. Andere entsprechen eher den nationalsozialistischen Vorstellungen völkischer Erholung und Parkgestaltung, wie etwa der Nachbau eines reetgedeckten Bauernhauses als Restaurant. "Es war eine Art Spagat zwischen Moderne und Heimattümelei", so Heino Grunert, der bei der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt für die Gartendenkmalpflege zuständig ist.

Nach der Niederdeutschen Gartenschau wird der neue Park weiter gepflegt und ausgebaut. 1936 bekommt er eine Eisbahn, 1938 eine Leuchtfontäne als Vorläufer der ersten Wasserorgel. Noch 1941, mitten im Krieg, eröffnet eine Blumenschau - sie soll die Moral der Bürger stärken und sie auf bessere Zeiten nach dem Krieg einstimmen. So dient Planten un Blomen bis zu den Bombenangriffen 1943, die auch mehrere Gebäude im Park zerstören, auch einem politischen Zweck.

Blumen für die Hamburger "Volksgenossen"

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