Stand: 20.05.2016 22:00 Uhr  | Archiv

Stars lieben Hamburgs grüne Bühne im Stadtpark

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Karsten Jahnke (r.) veranstaltet das Stadtpark Open Air seit mehr als 40 Jahren. Unterstützt wird er von Kommunikationschef Frehn Hawel.

Karsten Jahnke kommt immer noch ins Schwärmen, wenn er von der von einer großen Buchenhecke und Bäumen umgebenen Bühne spricht - auch wenn er schon seit vielen Jahrzehnten in Hamburgs "grünem Wohnzimmer" Konzerte veranstaltet. "Die Stadtpark-Bühne ist die angenehmste Spielstätte in Hamburg. Sie hat Charme und ist auch aus nostalgischen Gründen besonders für mich - denn hier hat alles angefangen", sagt der 78-jährige Konzertveranstalter. "Die Atmosphäre ist einzigartig. Man sieht von überall gut. Und auch wenn 4.000 Zuschauer reinpassen - die Konzerte sind immer sehr intim. Am schönsten ist es, wenn die Konzerte bei Sonnenschein anfangen und im Dunkeln enden."

Die Hamburger Stadtpark-Bühne im Wandel der Zeit

Bühne entsteht nach Planschbecken-Bau

Die Stadtpark-Bühne hat bereits eine mehr als 90-jährige Geschichte. Sie entstand durch Lehmabbau für das Planschbecken in einer Senke im nordöstlichen Waldbereich und wurde 1924 eingeweiht. Damals fanden dort neben Konzerten auch Theateraufführungen oder Tanzdarbietungen statt. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es zunächst keine Veranstaltungen - erst ab 1952 wurde auf der Freilichtbühne wieder musiziert, gesungen, Theater gespielt und getanzt.

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Jahnke ist noch immer fast bei jedem Stadtpark-Konzert dabei.

Der Startschuss für Jahnkes erfolgreiche Karriere war die Reihe "Jazz im Stadtpark" von 1959 bis 1963, wo Hamburger Amateurbands spielten und Jahnke die Programmgestaltung machte. Eine Bühne mit Dach gab es noch nicht, die Musiker standen auf einem Podest unter einer großen Ulme. 1963 war es allerdings vorbei mit der Veranstaltungsreihe, weil immer wieder Rockergruppen auftauchten und Jazz-Fans verprügelten. "Bei 50 Pfennig Eintritt konnten wir uns damals keine Ordner leisten. Deshalb mussten wir das leider einstellen", erinnert sich Jahnke. Mitte der 1970er-Jahre rief er dann das Stadtpark Open Air ins Leben, das bis heute erfolgreich und am 20. Mai in die neue Saison gestartet ist. Die Konzertreihe lockt jährlich etwa 100.000 Besucher an.

Erstes Konzert in Musikhalle verlegt

Das erste Konzert sollte im Juni 1975 unter anderem mit den Bands Ougenweide, Planxty und Steeleye Span im Stadtpark stattfinden. Doch es regnete - und auf Wunsch der irischen Band Planxty wurde die Veranstaltung in die Musikhalle verlegt. Die war zwar fast ausverkauft, aber Hunderte Leute kamen dennoch zum Stadtpark. Jahnke: "Da habe ich mir geschworen, nie wieder ein Open-Air-Konzert zu verlegen. Der Umzug damals war ein Fehler."

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Auch Herbert Grönemeyer trat bereits im Stadtpark auf.

So richtig los ging es im Stadtpark dann 1976. "Am Anfang war die Idee, dass junge Eltern dorthin gehen können, ohne sich um Babysitter kümmern zu müssen. Denn die Konzerte begannen um 15 Uhr und waren am Wochenende." In den Anfangsjahren waren es noch acht bis zehn Veranstaltungen pro Saison, seit den 1990er-Jahren ist die Zahl auf etwa 30 im Schnitt gestiegen und die Konzerte finden fast nur noch abends statt.

"Anfangs hatten wir einige Lärmbeschwerden, mittlerweile ist die Anlage so eingestellt und sind die Boxen so ausgerichtet, dass man außerhalb des Stadtparks eigentlich nichts mehr hört und sich keiner mehr beschwert", sagt Jahnke. Es gebe nach wie vor Lärmauflagen, ein Messgerät sei deshalb immer im Einsatz. "Der Sound ist aber eigentlich immer exzellent."

Musikfans picknicken auf Wiese nebenan

Steht der Wind günstig, hört man die Musik auch auf der Wiese neben der Konzertarena immer noch gut. Sehen kann man die Künstler von dort zwar nicht, dennoch finden sich bei gutem Wetter immer wieder zahlreiche Menschen ohne Konzertticket ein, um wenigstens in den Genuss der Musik zu kommen. Viele haben dann Decken, Klappstühle, Picknickkörbe und Getränke dabei.

Gabriel ein Highlight für Jahnke

Denkwürdige Konzerte habe es viele gegeben, es sei schwer da etwas herauszupicken, so Jahnke. "Ich bin ein Fan von Peter Gabriel - sein Konzert war deshalb ein Höhepunkt für mich. Toll war auch ein Jazzkonzert mit sensationeller Besetzung: Pat Metheny, Herbie Hancock, Dave Holland und Jack deJohnette standen zusammen auf der Bühne."

Freilichtbühne im Stadtpark Hamburg

Die Stadtpark-Freilichtbühne gilt als eine der schönsten Open-Air-Bühnen. Die Arena bietet 4.000 Zuhörern Platz und ist umgeben von Bäumen und Hecken. Jährlich kommen etwa 100.000 Besucher. Seit mehr als 40 Jahren treten beim Stadtpark Open Air nationale und internationale Stars auf. Rekordhalter mit über 40 Auftritten ist Lokalmatador Lotto King Karl. Dahinter folgt Dieter Thomas Kuhn mit mehr als 20 Auftritten. Die Stadtpark-Bühne wurde 2016 mit dem Live Entertainment Award (LEA) in der Kategorie Arena des Jahres 2015 ausgezeichnet.

The Cure warten auf Unwetter

Ein legendäres Konzert spielte auch The Cure. Jahnke: "Sänger Robert Smith saß lange in seinem Wohnwagen und wartete fast zwei Stunden. Es zogen pechschwarze Wolken auf. Als es heftig anfing zu regnen, ging die Band auf die Bühne. Die Weltuntergangsstimmung war nach dem Geschmack von Smith." An solche Konzerte erinnere man sich besonders, meistens sei die Stimmung bei Regen sogar besser. "Ich erinnere mich auch an ein Konzert von Mark Knopfler. Es hatte drei Wochen nicht geregnet - aber dann umso heftiger."

Orkan bei Wir sind Helden

Wegen schlechten Wetters mussten bisher nur zwei Konzerte abgesagt werden. Bei Wir sind Helden fegten Orkanböen mit mehr als neun Windstärken über den Stadtpark, aus Sicherheitsgründen musste der Auftritt abgebrochen werden. Auch ein Konzert von Helge Schneider fiel aus - bei einem Unwetter war Wasser durch ein Leck ins Mischpult gelaufen.

Bootsy Collins sorgt für Unmut

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Jahnke organisierte 1987 auch ein Konzert auf der großen Festwiese im Stadtpark - mit beachtlichem Lineup: Bowie, Lindenberg, Hagen, Niedecken und Erasure.

Zu den unerfreulichen Momenten in der langen Stadtpark-Konzertgeschichte zählt Jahnke vor allem den Auftritt von Bootsy Collins im Jahr 1998. "Er kam fast zwei Stunden später und sagte, er hätte den Stadtpark nicht gefunden. Als er endlich auf die Bühne ging, lag ein Brummen auf dem Sound. Der Techniker sagte, er brauche fünf Minuten, um das Problem zu lösen. Da ging Collins von der Bühne und haute ab. Da haben die Leute ihr Eintrittsgeld zurückbekommen."

Merkwürdig war 1985 auch der Auftritt vom American Dance Theatre. Die 2.000 Zuschauer mussten zunächst lange warten, weil die Tänzer viel zu spät kamen. Jahnke: "Dann haben sie nur 15 Minuten getanzt und sind abgehauen. Warum, weiß ich bis heute nicht."

Jackson Browne: "Der herrlichste Platz auf Erden"

Dabei sind nicht nur Jahnke und die Hamburger Musikfans angetan von der Bühne - auch fast alle Künstler sind begeistert. Jackson Browne schrieb beispielsweise: "Es ist der herrlichste Platz auf Erden. Es ist immer wieder fantastisch. So eine Atmosphäre gibt es sonst nirgendwo."

Die Liste der Weltstars, die im Stadtpark aufgetreten sind, ist lang. Ob James Brown, Dave Gahan, Santana, Lady Gaga, Sting, Neil Young, Nick Cave, Patti Smith, Bob Dylan, Johnny Cash oder The Who - fast alle waren da. Viele Wünsche für die Stadtpark-Bühne hat Jahnke deshalb eigentlich nicht mehr offen: "Adele wäre nicht schlecht. Stevie Wonder oder Tom Petty würde ich hier auch gerne mal sehen."

Konzert-Veranstalter Karsten Jahnke

Karsten Jahnke wurde am 22.11.1937 in Hamburg geboren. Sein erstes offizielles Konzert veranstaltete er 1961 - ein Abend mit Franz Josef Degenhardt in der Kleinen Musikhalle. Bis 1969 plante Jahnke Konzertveranstaltungen als Feierabendbeschäftigung neben seinem damaligen Beruf als Kaufmann. 1972 gründete er seine Konzertdirektion. Mittlerweile veranstaltet er pro Jahr Hunderte Konzerte. Jahnke ist auch Mitveranstalter von Reeperbahn Festival und Elbjazz Festival. Er erhielt zahlreiche Auszeichungen - beispielsweise die Senator-Biermann-Rathjen-Medaille für seine Verdienste um Hamburgs Musikleben.

Schwanensee im Stadtpark als Vision

Eine Vision von Jahnke ist auch eine Aufführung von Schwanensee. "Aber das war mir bisher immer zu unsicher - das Risiko ist zu groß." Auch einen Block von mehreren bestuhlten Konzerten könnte sich Jahnke vorstellen. Das gehe aber zu Lasten der Kapazität und sei recht teuer. Ändern müsse sich eigentlich nicht viel: "Die Bühne ist attraktiv genauso so wie sie ist."

"Dafür bin ich Konzertveranstalter geworden"

Jahnke ist auch heute noch fast immer bei allen Konzerten vor Ort: "Ich bin immer da - es sei denn, ich bin im Urlaub oder krank. Auch wenn mir die Musik mal nicht so gefällt: Es ist toll zu sehen, wenn die Menschen begeistert sind - genau dafür bin ich Konzertveranstalter geworden."

Infos zur Freilichtbühne im Stadtpark Hamburg

Saarlandstraße 71 (Ecke Jahnring)
22303 Hamburg

Öffentliche Verkehrsmittel:
S-Bahn: Linien S 1/S 11, Haltestelle Alte Wöhr
U-Bahn: U 3, Haltestellen Saarlandstraße oder Borgweg
Bus: Linien E17, 108, 113, 118, 179 und 217
In der Eintrittskarte ist die Fahrkarte für den HVV bereits enthalten.

Anreise mit dem Auto:
Parkplätze: Saarlandstraße, Südring, Jahnring, Ohlsdorfer Straße/Linnering und Hindenburgstraße, Alte Wöhr und in der City Nord

Saison: von Mai bis September Veranstalter: Karsten Jahnke Konzertdirektion GmbH

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 21.05.2016 | 08:30 Uhr

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