Stand: 14.04.2009 12:13 Uhr

Die Geburt der Bundesrepublik

von Carina Werner, NDR.de

Wie wäre es mit einem Land "Unterelbe"? Oder einem Bundesstaat "Weser-Ems"? In den ersten Jahren nach Ende des Zweiten Weltkriegs ist plötzlich alles möglich, wird vieles diskutiert. Wie soll man das in Schutt und Asche liegende Deutschland neu gliedern? Wie die zahllosen Flüchtlinge integrieren, die vor allem nach Norddeutschland strömen? Und wie einen neuen deutschen Staat bilden, der alle Besatzungszonen verbindet? Im Mai 1949 wird aus den westdeutschen Landesteilen die "Bundesrepublik Deutschland". Diese fußt auf einem Grundgesetz, das in seinen Fundamenten bis heute als unantastbar gilt.

Deutschland, ein Provisorium

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Die deutschen Städte gleichen nach dem Kriegsende Trümmerlandschaften.

Die Geschichte Norddeutschlands in den ersten Nachkriegsjahren ist britisch geprägt. Denn mit Ausnahme des heutigen Mecklenburg-Vorpommerns, das der sowjetischen Zone zugeteilt wird, und der "Enklave Bremen", die die US-Amerikaner verwalten, werden nach 1945 die nördlichen Teile des heutigen Deutschlands der britischen Besatzungszone zugesprochen. Doch in welcher Besatzungszone auch immer - die ersten Nachkriegsjahre sind für viele Deutsche ein Überlebenskampf. Hunger, Kälte, Wohnungsmangel, archaisch anmutende Tauschgeschäfte, dazu die politischen Spannungen, der Beginn des "Kalten Kriegs": Das Leben ist ein Provisorium, als sicher gilt nichts, nicht einmal der Frieden. Mit den Jahren keimt aber auch Hoffnung auf, die Währungsreform und die Hilfsprogramme im Zuge des "Marshallplans" tragen erste Früchte.

So vergleichbar Ängste und Hoffnungen der meisten Westdeutschen in dieser Zeit auch sind, so unterschiedlich ist die Entwicklung der einzelnen Länder, die 1949 zu Bundesländern werden.

Machtkämpfe und Neuanfänge: Niedersachsen

Hinrich Wilhelm Kopf wird 1946 der erste Ministerpräsident von Niedersachsen.

Niedersachsen ist jung: Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wird es als politische Einheit gegründet. Zuvor besteht es aus den preußischen Provinzen Braunschweig, Oldenburg, Hannover und Schaumburg-Lippe, die die britischen Besatzer in Länder umbenennen. Dass diese Länder letztlich zu einer größeren Einheit verschmelzen, dafür macht sich vor allem einer stark: Hinrich Wilhelm Kopf, zunächst Oberpräsident der Provinz Hannover. Er unterbreitet den Briten seine Pläne eines über die Grenzen von Hannover hinaus ausgreifenden Niedersachsens. Doch aus Braunschweig und Oldenburg werden andere Vorschläge laut, Oldenburg schlägt beispielsweise einen Bundesstaat "Weser-Ems" vor. Es kommt zu Streitigkeiten. Es geht um Gebietsgrößen und natürlich um Macht. Am 1. November 1946 begründet die "Verordnung Nr. 55" der britischen Militärregierung offiziell das Land Niedersachsen mit der Hauptstadt Hannover. Hinrich Wilhelm Kopf wird zum Ministerpräsidenten gewählt. Vor allem aus Oldenburg gibt es Proteste, wird die "Dominanz Hannovers" gar als "diktatorische Maßnahme" kritisiert.

Rechtsruck bei den Wahlen

Flagge Niedersachsens © Fotolia Fotograf: JWS

Wiederaufbau und geistige Neuorientierung

NDR 1 Niedersachsen -

Ein Bericht über die Entstehung des Landes Niedersachsen nach 1945.

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Was Niedersachsen in den späten Vierzigerjahren besonders prägt: Die Hunderttausenden Flüchtlinge sowie der mangelnde Wohnraum. Frust macht sich breit - und im Zuge dessen auch rechtsradikale Tendenzen. Erinnert sei an den "Wolfsburg-Schock", die Kommunalwahlen in Wolfsburg im November 1948, als die DRP (Deutsche Konservative Partei - Deutsche Rechtspartei) 64,3 Prozent der Stimmen erhält und der DRP-Landesvorsitzende erklärt, "es wird nicht mehr lange dauern, und ein neues 1933 wird über uns hereinbrechen. Ich will es jedenfalls hoffen."

Doch Niedersachsen kann auch erste Erfolge verbuchen: Bereits ab 1945 darf der Automobilkonzern Volkswagen wieder unter britischer Kontrolle produzieren und avanciert mehr und mehr zum Prestigeobjekt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 12.05.2005 | 08:30 Uhr

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