Stand: 27.04.2017 11:16 Uhr

Lässt sich das Plastik-Problem noch lösen?

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Marike Kolossa-Gehring, Holger Freund und Ulf Prüße (v.l.n.r.) diskutierten mit NDR Info Moderatorin Mayke Walhorn (2.v.r.) im Haus der Wissenschaft in Braunschweig.

Können wir uns vor vergiftendem Plastikmüll schützen? Über die ungelöste Frage des weltweiten Plastik-Problems hat NDR Info in der Reihe "Logo - Wissenschaft aus Braunschweig" am Dienstag (25.04.2017) mit Experten diskutiert. Mayke Walhorn, NDR Info Redakteurin und Moderatorin des NDR Info Wissenschaftsmagazins Logo, begrüßte dazu auf dem Podium im Haus der Wissenschaft in Braunschweig:

  • Marike Kolossa-Gehring, Toxikologin am Umweltbundesamt, Berlin
  • Holger Freund, Geoökologe am Institut für Chemie und Biologie des Meeres, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
  • Ulf Prüße, Chemiker am Thünen- Institut Braunschweig

NDR Info sendet den Mitschnitt der Diskussionsveranstaltung am Freitag (28. April 2017) um 21.05 Uhr im "Wissenschaftsmagazin "Logo".

Logo-Wissenschaftsmagazin live aus Braunschweig. © NDR Info

Lässt sich das Plastik-Problem lösen?

NDR Info - Logo - Das Wissenschaftsmagazin -

In Braunschweig haben Experten im Haus der Wissenschaft mit dem Publikum über die Plastikflut in unseren Meeren und auch die Auswirkungen von Kunststoffen auf unsere Gesundheit diskutiert.

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Millionen Tonnen Plastikmüll im Meer

Plastik ist ein wachsendes Problem für unsere Umwelt, die Tiere und Menschen - da waren sich die Wissenschaftler auf dem Podium einig. Jährlich kostet der Plastikmüll in den Meeren Zehntausende Tiere das Leben. Sie verheddern sich darin oder verhungern, weil ihre Mägen mit Plastik gefüllt sind. Andere erkranken durch Mikroplastik, das im Wasser umher schwimmt und von ihnen aufgenommen wird.

Über die Nahrungskette erreicht das Plastik auch den Menschen: Mit den Fischen, die Plastikpartikel in sich tragen, essen wir unseren eigenen Müll. Und die Chemikalien und Weichmacher, die sich in dem Plastik in unseren Haushalten befinden, können verschieden Krankheiten auslösen, warnte in der Diskussion immer wieder die Toxikologin Marike Kolossa-Gehring von Umweltbundesamt in Berlin. Ob hormonelle Veränderungen, Fruchtbarkeitsstörungen oder auch Fettsucht - die Liste der gesundheitlichen Gefahren für den Menschen durch das Plastik-Problem ist lang.

Keine umfassende Lösung in Sicht

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Vollbesetzer Saal: Das Thema Plastikmüll traf das Interesse, aber auch die Ängste und Sorgen des Publikums in Braunschweig.

In der regen Diskussion berichteten Experten auf dem Podium den Gästen der gut besuchten Veranstaltung im Braunschweiger Haus der Wissenschaft, in welchen Bereichen in Zukunft besser auf das Plastik verzichtet werden könnte, welche Alternativ-Materialien bereits entwickelt wurden und welche Untersuchungen zurzeit diesbezüglich in der Forschung stattfinden. Eine das ganze Problem beseitigende Lösung gebe es aber bislang noch nicht, so die Forscher.

Aus den Meeren lasse sich der Plastikmüll bisher noch nicht erfolgreich wieder herausfiltern oder abschöpfen, sagte Holger Freund, Geoökologe am Institut für Chemie und Biologie des Meeres an der Universität in Oldenburg. Gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen versucht der Forscher aber, die Hauptverursacher zu ermitteln, die in der Nordsee den größten Teil der Müllmenge verursacht haben, um gemeinsam mit ihnen neue Vermeidungsstrategien zu entwickeln.

Suche nach neuen Recycling-Methoden

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Das Publikum beteiligte sich lebhaft an der Diskussion im Haus der Wissenschaft.

Aber das Plastik-Problem besteht nicht nur aus dem Müll, gab der Wissenschaftler Ulf Prüße vom Thünen-Institut in Braunschweig zu bedenken. Ein großes Problem sei auch die Herstellung des Materials. Dafür wird nämlich in der Regel Erdöl genutzt. Um den fossilen Rohstoff zu schonen, hat er mit seinen Kolleginnen und Kollegen in Braunschweig ein Bioplastik entwickelt, das ohne Erdöl hergestellt werden kann - es besteht aus Ethanol und Zucker.

Doch alle Probleme können solche Bio-Kunststoffe auch nicht lösen, wandte Marike Kolossa-Gehring bei der Veranstaltung ein. Denn, so die Toxikologin vom Umweltbundesamt in Berlin, solange die Industrie weiter gesundheitsschädliche Chemikalien oder Weichmacher in der Herstellung solcher Plastikarten verwendet, können auch die neuen Kunststoffe körperliche Auswirkungen für uns haben.

In der lebhaften Diskussion wurde sehr deutlich: Nach Alternativen, neuen Plastikentsorgungs- und Recycling-Methoden wird weltweit von Wissenschaftlern gesucht, aber weiterhin steht fest, dass wir alle in Zukunft kritischer mit unserem Plastik-Verbrauch und auch der Entsorgung dieses Materials umgehen müssen als bisher.

Die Reihe "Logo - Wissenschaft aus Braunschweig" ist eine Gemeinschaftsveranstaltung von NDR Info, dem Informationsradio des Norddeutschen Rundfunks, mit der Braunschweiger Zeitung und dem Haus der Wissenschaft in Braunschweig.

NDR Info Sendung

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Das NDR Info Wissenschaftsmagazin Logo beschäftigt sich freitags (21.05 Uhr) und sonntags (15.05 Uhr) mit Themen aus Medizin, Klimaforschung, Biologie, Raumfahrt und Naturschutz. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Logo - Das Wissenschaftsmagazin | 28.04.2017 | 21:05 Uhr