VIDEO: Die "Peking" fährt heim (59 Min)

Die "Peking" zurück in Hamburg: Geschichte des Flying P-Liners

Stand: 14.09.2020 15:45 Uhr

Eine stählerne Legende ist wieder zu Hause: 1911 in Hamburg gebaut, fuhr die "Peking" bis 1932 als Frachtsegler über die Meere. Ab 1974 lag sie als Museumsschiff in New York. Nun ist die "Peking" endgültig zurück in ihrem Hamburger Heimathafen.

"Das ist maritime Geschichte, die ins Herz des Hamburger Hafens zurückkehrt", erklärte Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) bei der Rückkehr der "Peking" nach Hamburg am 7. September. Der einstige Frachtsegler soll künftig als begehbares, aber nicht mehr fahrtüchtiges Museumsschiff in in der Hansestadt liegen. Im Juli 2017 war die Viermastbark nach 85 Jahren in der Fremde aus New York nach Deutschland zurückgeholt worden. In einem schwimmendem Dockschiff überquerte der nicht mehr seetüchtige Windjammer den Atlantik und wurde in den vergangenen Jahren in der schleswig-holsteinischen Peters Werft in Wewelsfleth restauriert. Die Geschichte der historischen Bark.

Flying P-Liner der Reederei F. Laeisz

Der Frachtsegler "Peking" ist einer von weltweit nur noch vier existierenden Flying P-Linern der Reederei F. Laeisz. Außer ihr gibt es nur noch die Schwesternschiffe "Pommern" im finnischen Mariehamn, die "Passat" in Travemünde sowie die ehemalige "Padua". Sie ist heute als russisches Schulschiff "Kruzenshtern" unterwegs und als einziges der vier Schiffe noch voll fahrtüchtig. Ein weiteres Schwesterschiff, die "Pamir", sank 1957 in einem Hurrikan.

"Peking" gebaut für den Überseehandel

Erbaut wird die "Peking" bei der Hamburger Werft Blohm + Voss, wo sie am 25. Februar 1911 vom Stapel läuft. Mit 115 Metern Länge ist sie damals eines der größten Segelschiffe der Welt. Ab 1912 wird die stählerne Bark, die rund 5.300 Tonnen Ladung transportieren kann, im Salpeter-Handel mit Chile eingesetzt, doch dort bereits kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 festgesetzt.

Die Großsegler "Priwall", Padua" und "Peking" 1928 im Hamburger Hafen. © akg
Drei Flying-P-Liner liegen 1928 hintereinander im Hamburger Hafen: die "Priwall", die "Padua" und - ganz hinten - die "Peking".

Nach Kriegsende kommt die "Peking" zunächst nach London, 1921 dann als Reparationszahlung nach Italien. Von dort kauft die Reederei F. Laeisz das Schiff zwei Jahre später zurück und setzt es erneut als Frachtsegler auf der Hamburg-Chile-Route ein. Insgesamt 34 Mal umrundet das Schiff das legendäre Kap Hoorn an der Südspitze Südamerikas. Auf einer dieser Reisen filmt der Abenteurer und Dokumentarfilmer Irving McClure Johnson im Jahr 1929 die spektakuläre Umseglung des Kaps unter extrem stürmischen Bedingungen - ein beeindruckendes historisches Dokument.

Von Hamburg nach England und weiter nach New York

Doch die Konkurrenz durch die Dampfschifffahrt wächst, die Frachtsegler sind immer weniger rentabel. Zusätzlich macht die Wirtschaftskrise der Reederei Anfang der 30er-Jahre zu schaffen. 1932 trennt sie sich von der "Peking" und verkauft das Schiff nach England. Dort liegt es unter dem neuen Namen "Arethusa" als stationäres, also nicht mehr fahrendes Schulschiff im ostenglischen Upnor vor Anker. Während des Zweiten Weltkriegs wird es zwischenzeitlich von der britischen Navy nach Westengland gebracht, liegt aber ab 1945 wieder in Upnor. Da das Schiff nicht mehr in See sticht, wird es im Gegensatz zu etlichen anderen Großseglern weder mit einem Motor ausgestattet noch in anderer Weise modernisiert.

Das Traditionsschiff "Peking" © NDR Foto: Kerstin von Stürmer
Mehr als 40 Jahre lang lag die "Peking" in Manhattan vor Anker.

1974 verkaufen die britischen Eigner das Schiff an das South Street Seaport Museum nach New York. Dort liegt es unter seinem ursprünglichen Namen "Peking" mehr als 40 Jahre als Museumsschiff auf dem East River. Da das Museum für die Restaurierung der Viermastbark kein Geld übrig hat, verfällt die "Peking" über die Jahre zusehends.

Zur Restaurierung drei Jahre in Wewelsfleth

2002 verhandeln Mitglieder des Vereins "Peking-Freunde" erstmals mit dem Museum in New York über eine Rückführung des Schiffs nach Hamburg. Doch das Museum fordert erst einen sehr hohen Kaufpreis, dann fehlen Geldgeber für die dringend notwendige Restaurierung.

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Das Segelschiff "Peking" liegt vor dem Ausdocken in der Peters Werft, Arbeiter stehen am Pier. © picture alliance / dpa Foto: Carsten Rehder

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Im Frühjahr 2015 kündigt das Museum an, der Liegeplatz der "Peking" werde geräumt - und will das Schiff verschenken. Daraufhin kommt Bewegung in die Sache. Der Bund erklärt sich schließlich bereit, rund 26 Millionen Euro für den Transport des Schiffes nach Deutschland, seine Restaurierung sowie die Einrichtung eines Liegeplatzes im Hamburger Hafen zur Verfügung zu stellen. Im Sommer 2017 wird die "Peking" per Dockschiff nach Deutschland überführt und in der Peters-Werft in Wewelsfleth bei Brunsbüttel aufwendig für insgesamt 38,5 Millionen Euro restauriert. Nach zwei Jahren verlässt sie frisch lackiert das Trockendock, im Mai 2020 sind auch die restlichen Restaurierungsarbeiten abgeschlossen.

Liegeplatz gegenüber der Elbphilharmonie

Nun hat die "Peking" ihre vorerst letzte Reise absolviert. Von der Werft in Wewelsfleth ist die historische Viermastbark am 7. September nach Hamburg verholt worden - zurück in ihren Heimathafen und empfangen von zig Begleitschiffen, mit Wasserfontänen und einem Typhonkonzert. Ihren endgültigen Liegeplatz soll die "Peking" später gegenüber der Elbphilharmonie erhalten. Dort wird der Segler zu einem der zentralen Objekte des geplanten neuen Deutschen Hafenmuseums auf dem Kleinen Grasbrook.

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Die Viermastbark Sedov © Stema Service Foto: Vallery Vasilivsky

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