Johann Joachim Darboven, Firmengründer © J.J.Darboven

Darboven Kaffee: Von der Idee zur Marke

Stand: 10.03.2021 16:26 Uhr

1866 gründet Johann Joachim Darboven in Hamburg seine Firma. Er ist der Erste, der gerösteten Kaffee in Tüten verschickt. Ebenfalls bahnbrechend ist seine Idee, Zucker in Würfelform zu verkaufen.

von Sabine Leipertz

Mit dem richtigen Riecher und einer gehörigen Portion Pioniergeist gründet ein junger Kaufmann Mitte des 19. Jahrhunderts eine Firma, die heute zu den ältesten deutschen Familienunternehmen zählt. Am 21. März 1866 eröffnet Johann Joachim Darboven in Hamburg seinen Laden, in dem er Milch, Brot, Kolonialwaren und zunächst ungeröstete Kaffeebohnen verkauft.

Kaffee in Tüten - Zucker in Würfel

Von Amts wegen als "Gewürzhandel" tituliert, revolutioniert Darboven mit seinem Geschäft wenig später den Kaffeehandel. Seine Idee: Haushalte in Hamburg und Umgebung mit geröstetem und in Tüten verpacktem Kaffee per Versand zu beliefern. Außerdem zerschneidet er Zuckerhüte in Würfel und liefert diese direkt mit. Seine Rechnung geht auf. Die hanseatischen Hausfrauen nehmen diesen neuen Service per Post mit Begeisterung auf. Bereits drei Jahre später hat die Firma J.J.Darboven 144 verschiedene Kaffeesorten im Angebot. Ausgestellt 1869 auf der ersten Internationalen Gartenbauausstellung in Hamburg, erhält er für sein umfangreiches Sortiment die silberne Medaille.

Mit "Muckefuck" durch die Kriegsjahre

Nach dem Tod des Firmengründers 1909 leiten seine Söhne Arthur und Cäsar das Unternehmen J.J.Darboven weiter. Der Erste Weltkrieg wird zur Bewährungsprobe für den Erfindergeist der Familie. Rohkaffee ist Mangelware, doch die Kunden sollen nicht auf ihren gewohnten Kaffeegenuss verzichten müssen. Ein Gemisch aus Zichorien, Getreide, Zuckerrübenschnitzeln, Milokorn und gerösteten Feigen wird zur schmackhaften Lösung des Problems. Sprichwörtlich der Name: Muckefuck.

Das Geheimnis des Erfolges: Magenfreundlichkeit

Ende der 20er-Jahre beschert eine neue Erfindung J.J.Darboven den endgültigen Durchbruch auf dem Kaffeemarkt. Arthur Darboven und Professor Karl Lendrich vom Hygienischen Institut in Hamburg haben nach unzähligen Versuchen im Labor ein patentreifes Verfahren entwickelt, das den Kaffee magenfreundlich macht, ohne ihm das anregende Koffein zu entziehen. Aus dem bereits 1915 geborenen Markenzeichen "Idee" wird nun der neue "Idee"-Kaffee.

Er entwickelt sich so schnell zum Verkaufsschlager, dass das Unternehmen seine Produktionsstätte vergrößern muss. Auch die Gastronomie wird zu dieser Zeit mit Kaffee beliefert, es gilt als modern, sich auf einen Kaffee zu treffen. Fast jedes zweite Hamburger Lokal serviert Kaffee von Darboven. Es entsteht die Tochterfirma Kaffee Darboven, die ausschließlich für den Gastronomiebereich zuständig ist.

Koff ersetzt "Idee"-Kaffee

Doch der Zweite Weltkrieg stürzt die Firma erneut in eine Krise. In der Nacht des 28. Juli 1943 wird der Stadtteil Hammerbrook nahezu komplett zerstört, die Gebäude auf dem Darboven-Gelände brennen aus. Das Archiv und die gesamte Kundenkartei gehen in Flammen auf. Für die Firma, die für ihren Versand von den Kundendaten abhängig ist, eine Katastrophe. Zudem ist auch während dieser Kriegsjahre der Rohstoff Kaffee kostbar und kaum zu beschaffen.

Geröstete Kaffeebohnen © J.J.Darboven
Während des Zweiten Weltkrieges ist Kaffee Mangelware.

Die Erfahrungen mit der Kaffee-Ersatzmischung aus dem Ersten Weltkrieg sind nun überlebenswichtig für J.J.Darboven. Aus der Not wird eine Tugend. Mit dem Werbespruch "Solang Idee-Kaffee dir fehlt, nimm' Koff, dann hast du gut gewählt" sollen die Kunden weiterhin an das Unternehmen gebunden werden. Und das funktioniert, der Kafferöster kann sich so durch die Kriegsjahre manövrieren. Nach der Währungsreform 1948 ist der Kaffee-Import wieder möglich und J.J.Darboven liefert die bekannten Sorten.

Erbensuche in der Kaffee-Dynastie

Der Aufschwung der Nachkriegsjahre lässt auch J.J.Darboven florieren. Allein ein Erbe fehlt, der das Unternehmen in die nächste Generation führen kann. Daher adoptiert der kinderlose Firmenchef Arthur Darboven 1953 den 17-jährigen Neffen seiner Frau - Albert Hopusch, dessen Vater gestorben war.

Albert Darboven als Kind © J.J.Darboven
Albert Darboven wird 1953 von seinem Onkel Arthur adoptiert und übernimmt später seine Nachfolge im Unternehmen.

Von Anfang an ist klar: Albert soll eines Tages die Firmengeschäfte führen. Und natürlich muss er den Kaffeehandel von der Pike auf lernen. Zunächst aber nicht im Familienunternehmen, sondern beim Hamburger Kaffee-Importeur Bernhard Rothfos. Dort ist er ein Lehrling, wie jeder andere auch. Seine Sporen muss er sich sogar als "Schauermann" beim Schiffeentladen im Freihafen verdienen. Nach der Ausbildung geht er für seinen Lehrherren nach Costa Rica und El Salvador, um dort Erfahrungen als Einkäufer auf den Kaffee-Plantagen zu sammeln.

Lebemann mit Knasterfahrung

Doch bevor er in den heimatlichen Betrieb einsteigt, macht er in Mittelamerika noch ganz andere Erfahrungen. In Costa Rica landet der 22-Jährige für eine Nacht im Gefängnis, weil er während einer Kneipentour mit einem Kumpel ziemlich angetrunken mit seinem Revolver Flaschen hinter einer Theke zerschießt. Nur seine Beziehungen nach ganz oben retten ihn vor einem sechswöchigen Knastaufenthalt. Der Präsident von Costa Rica persönlich erwirkt durch einen Anruf beim Richter, dass Albert und sein Freund am nächsten Tag wieder auf freiem Fuß sind.

Überaus peinlich ist Albert diese Angelegenheit vor allem, weil er kurz davor steht, um die Hand der Tochter eines Kaffeebarons aus El Salvador anzuhalten. Trotz heftiger Proteste ihrer Familie, die jüdische Wurzeln und unter dem Hitler-Regime gelitten hat, heiratet Albert 1961 Inés Alicia de Sola Oppenheimer. Drei Jahre später kommt Sohn Arthur Ernesto zur Welt. Aber die Ehe steht unter keinem guten Stern und wird 1973 geschieden. Im gleichen Jahr noch heiratet Albert Darboven seine heutige Frau Edda, eine geborene Prinzessin von Anhalt.

Ein Gesicht für den Kaffee

Albert Darboven in einer TV-Werbung der 80er-Jahre © J.J.Darboven
Ab 1987 wirbt Albert Darboven im Fernsehen persönlich für seinen Kaffee.

Von 1960 an ist Albert neben seinem Cousin Herbert Darboven Mitinhaber des Familienunternehmens und wird zum bekanntesten Gesicht der Kaffeebranche. Was sein Onkel Nikolaus bereits 1963 angefangen hatte, führt er Ende der 80er-Jahre erfolgreich fort: die persönliche Fernsehwerbung. "Bitte sehr, Ihren Idee-Kaffee", sagt der Firmenchef mit hanseatischem Charme zu einer älteren Dame, die ihm dann auch promt versichert, diesen Kaffee schon seit 40 Jahren zu trinken. Neben dem Kaffee ist der Pferdesport seine zweite Leidenschaft. Seit Ende der 70er-Jahre betreibt Albert Darboven sein Gestüt "Idee" in Rissen, ist einer der größten Sponsoren im deutschen Pferderennsport und ist über 40 Jahre lang erfolgreicher Polospieler.

Familienproblem: Führungsnachwuchs

Albert Darboven, Vorstandsvorsitzender der J.J.Darboven Holding AG & Co. KG, trinkt einen Kaffee. © dpa-Bildfunk Foto: Lukas Schulze
Albert Darboven führt das Unternehmen weiterhin.

Albert Darboven, den seine Freunde auch Atti oder Addi nennen, führt die fünftgrößte deutsche Kaffeerösterei und seine über 1.100 Mitarbeiter heute in vierter Generation. Doch wie sein Onkel und Adoptiv-Vater Arthur vor ihm, hat auch er ein Nachwuchsproblem in der Führungsetage. Er hat zwar einen Sohn, der bereits als Geschäftsführer im Familienbetrieb gearbeitet hat, seit 2008 gehen Vater und Sohn nach Meinungsverschiedenheiten über die strategische Ausrichtung des Unternehmens aber zumindest beruflich getrennte Wege. Dem Vater haben die Ideen Arthur Ernestos, wie die Zukunft von J.J.Darboven aussehen soll, nicht gefallen. Arthur E. wollte beispielsweise einen Kaffee mit Namen "Coffee Erotic" vermarkten. Auch eine Werbekampagne für "Darboven Fair Trade" fand nicht die Zustimmung des Patriarchen.

Und so fungiert Albert Darboven auch im hohen Alter noch immer als geschäftsführender Inhaber des Unternehmens und sitzt dem Vorstand vor. Wie es wohl weiter geht mit dem Familienunternehmen? Schon früher hatte Darboven angedeutet, dass er vielleicht seinerseits einen Nachfolger adoptiert oder einen Teil des Vermögens an eine Stiftung abgibt.

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