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Der Heinrich-Hertz-Turm - Hamburgs "Telemichel"

Stand: 06.01.2022 13:39 Uhr

Der Fernsehturm ist ein Wahrzeichen Hamburgs. Seit 2001 ist er geschlossen, doch bald könnte er wieder für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Ein Blick auf die Geschichte des "Telemichels".

von Heiko Block, NDR.de

Der Hamburger Fernsehturm - im Volksmund auch "Telemichel" genannt - gehört zu den wichtigsten Wahrzeichen der Stadt. Er wurde von 1965 bis 1968 erbaut und ist nach dem Hamburger Physiker Heinrich Hertz benannt, der Berühmtheit mit dem Nachweis elektromagnetischer Wellen erlangte. Die Baukosten des Turms betrugen 57,2 Millionen D-Mark. Der Turm, der unter Denkmalschutz steht, hat heute eine Gesamthöhe von 279,2 Meter. Es ist das höchste Gebäude der Stadt. Zudem ist er der sechsthöchste Fernsehturm Deutschlands. Das Gesamtgewicht beträgt 43.000 Tonnen. Der Fernsehturm dient nach wie vor als Träger von Telekommunikations- und Sendeeinrichtungen von Rundfunk und Fernsehen.

Seit Januar 2001 geschlossen

Restaurant-Gäste auf dem Hamburger Fernsehturm.
Attraktion des Fernsehturms war ein drehbares Restaurant in luftiger Höhe.

Bis zu seiner Schließung am 1. Januar 2001 wegen Asbestbelastung hatten Hamburger und Touristen die Möglichkeit, mit einem Fahrstuhl hochzufahren. Die Gastronomie-Plattform drehte sich binnen einer Stunde um die eigene Achse. Die untere Aussichtsplattform liegt auf 124 Metern Höhe, die Restaurantplattform mit Platz für 340 Gäste auf 127 Metern.

In einer Höhe von 204 Metern endet der Stahlbetonteil des Turms. Darüber ist der stählerne Gittermast mit der aufmontierten Rundfunk- und Fernseh-Sendeantenne errichtet. Der Mast und die Antenne erreichen zusammen eine Länge von 75,2 Metern.

"Telemichel" soll 2023 wieder für Besucher öffnen

Restaurant-Gäste auf dem Hamburger Fernsehturm.
Diesen atemberaubenden Blick können Hamburger und Touristen wohl bald wieder genießen.

Nach der Asbestsanierung fand die Eigentümerin Deutsche Funkturm GmbH (DFMG), eine Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom, keine neuen Mieter. Mehrmals gab es Versuche, den Turm wieder zu öffnen, aber regelmäßig scheiterten die Pläne - vor allem am Denkmalschutz und den hohen Sanierungskosten.

Mit einem Finanzierungskonzept gibt es bereits seit November 2016 wieder Hoffnung, dass Hamburger und Touristen den imposanten Blick über die Dächer der Stadt in Zukunft wieder genießen können. Nun steht auch der grobe Zeitplan für die Wiedereröffnung: 2023 soll es für Besucher wieder Kaffee und Kuchen auf dem "Telemichel" geben, wie die künftigen Betreibenden im Januar 2022 mitteilten. Ein "sportlicher Zeitplan", so Bernd Aufderheide, der Chef von Hamburg Messe. Doch man sei zuversichtlich.

Grundsteinlegung für den Fernssehturm am 25. Mai 1965

Erbaut wurde der Turm aus Stahl und Beton durch die Architekten Fritz Trautwein und Rafael Behn. Ihr Entwurf konnte sich in der Endrunde des ausgeschriebenen Architekturwettbewerbs gegen sechs andere Vorschläge durchsetzen. Die Stadtplaner wünschten sich ein Turm-Restaurant und eine öffentliche Aussichtsplattform. Mit dem Bau wurde im April 1965 begonnen. Die Grundsteinlegung fand am 25. Mai 1965 durch den damaligen Bundespostminister Richard Stücklen statt. Am 23. Juni 1967 wurde Richtfest gefeiert.

Eröffnung des "Telemichels" am 11. Mai 1968

Die offizielle Eröffnung fand am 11. Mai 1968 statt. "Erdbeertorte 1 Mark, Kaffee für 95 Pfennig - Kuchen und Kaffee satt" waren damals bei der feierlichen Einweihung eine der Attraktionen. Unter den Ehrengästen war auch Bürgermeister Herbert Weichmann und seine Frau Elsbeth", berichtete das NDR Hamburg Journal 1993 in einem Rückblick zum 25. Geburtstag des Fernsehturms. Die Hamburger fieberten demnach dem Ereignis entgegen: "Und als sich die Aufzugtüren das erste Mal öffnen, stehen Tausende Schlange, um sich auf die 130 Meter hohe Aussichtsplattform katapultieren zu lassen."

Zweites und drittes Programm für noch mehr Familien

Bis in die 1960er-Jahre war der Bunker am Heiligengeistfeld noch der Schwerpunkt des Fernmeldeverkehrs in Hamburg gewesen. Die zunehmende Zahl an Antennen konnte das Bauwerk jedoch nicht mehr aufnehmen. Die Deutsche Bundespost, die damals für die Ausstrahlung des zweiten und dritten Fernsehprogramms zu sorgen hatte, entschied sich deshalb dafür, einen leistungsfähigen Fernmeldeturm bauen zu lassen. Im November 1968 nahm Bundespostminister Werner Dollinger die Sendeanlagen des neuen Turms in Betrieb. 50.000 Familien mehr als bisher konnten nun das zweite und dritte Fernsehprogramm empfangen.

Der 204 Meter hohe Schaft als kreisrunde Stahlbetonröhre hat einen unteren Durchmesser von 16,5 Metern und einem oberen Durchmesser von sechs Metern. Im Kern befindet sich der Aufzugsschacht mit zwei Personenaufzügen für je 18 Personen und einem kleineren Betriebsaufzug. Eine Nottreppe mit 1.100 Stufen aus Stahl verbindet den Keller des Bauwerks mit der Dachplattform im 33. Stockwerk. Sie beherbergt einen Kran zur Montage der Antennen.

Umstellung auf digitale Übertragung

Mit einer Gesamthöhe von 271,5 Metern war er bei seiner Eröffnung nach dem Münchener Olympiaturm der zweithöchste der Bundesrepublik Deutschland. Auf dem 204 Meter hohen Stahlbetonturm war ein 67,5 Meter hoher Antennenmast aufgesetzt. Durch den Wechsel der Antennenspitze wuchs das Bauwerk noch um rund acht Meter. Im November 2004 wurden die meisten Analog-TV-Sender im Bereich Hamburg/Lübeck abgeschaltet und die TV-Ausstrahlung ab 1. März 2005 komplett auf digitale Übertragung umgestellt (DVB-T). Dazu wurden im September 2004 die drei rund drei Meter hohen Antennensegmente ausgetauscht.

Turm weiterhin wichtiges Infrastrukturgebäude

Eine der Hauptaufgaben, die Weiterleitung von Fernmeldeverbindungen, wird immer mehr von Lichtwellenleitern sowie Satellitenstrecken übernommen, die direkt vom Nutzer abgehen. Trotzdem bleibt der Turm eines der wichtigsten Infrastrukturgebäude, ohne das in Hamburg der Mobilfunkverkehr, das Festnetz, Fernsehen, Polizei- und Zollfunk weitgehend lahmgelegt wären.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 06.01.2022 | 12:00 Uhr

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