Stand: 05.06.2018 10:55 Uhr

Arthrose: Bewegung hilft gegen Schmerzen

Diagnose

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Knie müssen viel aushalten: Auf ihnen lastet das 2,5- bis 3,5-Fache des Körpergewichts.

Der Arzt wird fragen, wo und wann Schmerzen auftreten. Er tastet die Gelenke ab, prüft die Funktion, die Stabilität der Bänder und umgebenden Muskeln. Verfahren wie Röntgen, Computer- oder Magnetresonanztomografie (CT bzw. MRT) geben Aufschluss über Veränderungen am Gelenkspalt und mögliche Risse am Knorpel.
Die Gelenkspiegelung (Arthroskopie), eine Methode der "Schlüsselloch-Chirurgie", kommt heute bei Arthrose mangels Nutzen nur noch selten zum Einsatz.

Therapie

Niemand muss sich mit einer "schicksalhaften vorzeitigen Gelenkalterung" abfinden. Für die Verbesserung von Arthrose kann jeder Einzelne viel tun!

Bewegungs-Therapie

Entscheidend ist zum einen Bewegung: Naturgemäß versucht man, das betroffene Gelenk zu schonen und Schmerzen zu vermeiden - aber: Gerade bei Belastung wird die wichtige Gelenkflüssigkeit durch den Knorpel gepumpt, die ihn ernährt und das Gelenk "schmiert". Mehrmals wöchentliche gezielte Bewegung, gern Kraftsport, gegebenenfalls Kranken- oder gelenkschonende Wassergymnastik, stärkt außerdem die stützende Muskulatur ums Gelenk und fördert die Durchblutung. Massagen können die Beweglichkeit zusätzlich verbessern.

Übungen für den Alltag

Bewegung lässt sich ganz einfach in den Alltag einbauen. Außerdem hilft Krafttraining, den Knorpel zu schützen. Dafür muss man aber nicht im Fitnessstudio schwere Gewichte stemmen, sondern Krafttraining kann auch ganz einfach zu Hause stattfinden.

  • Die Treppen laufen, anstatt den Fahrstuhl zu nehmen.
  • Beim Zähneputzen morgens auf einem Bein stehen - wenn möglich, dabei eine Kniebeuge machen.
  • Besonders geeignet sind auch Übungen auf wackeligem Untergrund, zum Beispiel auf einem Wackelbrett: Auf einem Bein stehen und das andere Bein im 90-Grad-Winkel anheben - um den Schwierigkeitsgrad ein bisschen zu verstärken, kann man die Augen schließen. Diese Übung lässt sich auch zu Hause durchführen, zum Beispiel auf einer Handtuchrolle oder einem Sofakissen.

Diese Sportarten sind gut für die Gelenke

Grundsätzlich ist jede Bewegung gut. Aber Sportarten mit Start-Stop-Bewegungen wie Tennis, Fuß- oder Basketball belasten die Gelenke zu sehr. Besser sind Ausdauersportarten mit gleichförmigen Bewegungen. In Absprache mit dem Arzt sind geeignet:

  • Fahrradfahren
  • Schwimmen
  • Aquagymnastik
  • Laufen
  • Walken

Durch den Auftrieb im Wasser ist Schwimmen auch bei Übergewicht gelenkschonend. Patienten mit einem künstlichen Gelenk müssen aber aufpassen, Schwimmen kann für das neue Gelenk gefährlich sein. Der Crosstrainer ist gerade bei Übergewicht eine gelenkschonende Alternative zum Laufen und Walken. Dabei wird das Gelenk auf Schienen geführt und es gibt keinen direkten Aufprall - und der Oberkörper wird gleich mittrainiert.

Bandagen helfen nicht

Orthopäden warnen jedoch vor Tape-Verbänden und Bandagen, die inzwischen überall erhältlich sind. Sie sollen angeblich beim Training die Gelenke stabilisieren. Doch das funktioniert nicht, Patienten mit einem instabilen Kniegelenk geben solche Produkte beispielsweise nicht die notwendige Stabilität. Auf Dauer helfen ohnehin weder Spritzen, Tabletten oder Bandagen. Nur das richtige Training kann Arthrose aufhalten oder verhindern.

Ernährungs-Therapie

Der zweite ganz entscheidende Schlüssel zur Heilung ist eine Ernährungsumstellung. Die Therapie basiert auf zwei Säulen: erstens Hemmung der Entzündung, zweitens Entlastung der Gelenke durch Abbau überflüssiger Kilos. Auf den Speiseplan kommen deshalb wenig Kalorien und tierische Produkte, dafür viel Gemüse und gesunde Pflanzenöle. Die besonders in Lein- und Walnussöl enthaltenen Omega-3-Fettsäuren unterstützen den Organismus effektiv dabei, die Entzündung zu bekämpfen. Intervallfasten - zum Beispiel 16 Stunden täglich nichts essen, also ein verlängertes Nachtfasten - hilft nachweislich, das Gewicht zu reduzieren.

In Wort und Bild erklärt

Was gegen Entzündungen hilft

Nicht nur bei Infekten, sondern auch bei Krankheiten wie Arthrose, Rheuma, Diabetes oder Gefäßleiden sind Entzündungsprozesse im Spiel. Wirksame Waffen dagegen stecken im Essen. mehr

Knorpelstabilisierende Wirkung hat das Silizium in Kieselsäure. Kieselsäure ist in Hafer, Naturreis, Gerste, Hirse und Topinambur enthalten, zudem in Kräutertees wie Schachtelhalm oder Brennnessel. Gemüse, Kräuter und Gewürze liefern außerdem entzündungshemmende Antioxidantien. Auch Gewürzmischungen, beispielsweise aus Kreuzkümmel, Koriander und Muskat (je eine Messerspitze, 1- bis 2-mal täglich), im Essen kombiniert mit dem oben beschriebenen Omega-3-haltigen Öl, lindern nachweislich Arthrose-Schmerzen. Mit der Ernährungsumstellung lassen sich also effektiv Schmerzmittel einsparen.

Medikamentöse Therapie

Hilfreich sind täglich fünf Gramm Hagebuttenpulver, gewonnen aus den Samen und Schalen der Frucht. Denn die Hagebutte enthält sogenannte Galaktolipide, die Studien zufolge den Knorpelabbau hemmen können. Abgesehen von dieser Phytotherapie sind Medikamente bei Arthrose auf die Dauer keine befriedigende Lösung.

Kortisoninjektionen lindern zwar den Schmerz für einige Wochen - die Langzeitanwendung von Kortison schwächt jedoch die Knochen. Die Wirksamkeit von Hyaluronsäure-Injektionen (aus Hahnenkämmen) zum Knorpelaufbau ist wissenschaftlich noch nicht bestätigt. Tabletten mit Wirkstoffen wir Diclofenac oder Acetylsalicylsäure unterdrücken den Schmerz und hemmen Entzündungen. Wegen ihrer Nebenwirkungen sind sie aber ebenfalls nur kurzfristig in akuten Phasen akzeptabel.

Langfristig bekommen Sie die Beschwerden mit bewusster Ernährung und maßvoller Bewegung besser in den Griff und gewinnen deutlich mehr Lebensqualität. So können Sie den Gelenkersatz, der der allerletzte Ausweg ist, hinausschieben oder sogar vermeiden.

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Experten zum Thema in Visite am 5. Juni 2018

Dr. Helge Riepenhof
Sportprävention, Sportrehabilitation, konservative Sporttraumatologie, konservative Sportorthopädie, Leistungsdiagnostik
Chefarzt des Zentrums für Rehabilitationsmedizin und der Abteilung Interdisziplinäre Sportmedizin
BG Klinikum Hamburg gGmbH
Bergedorfer Straße 10, 21033 Hamburg
Tel. (040) 73 06-28 11, Fax (040) 73 06-28 05
www.bg-klinikum-hamburg.de

Chefarzt BG Reha-Zentrum City Hamburg
Lange Mühren 1, 20095 Hamburg
Tel. (040) 30 96 31-0
www.bg-klinikum-hamburg.de

Weitere Informationen
Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband e. V.
Maximilianstraße 14, 53111 Bonn
Tel. (0228) 76 60 60, Fax (0228) 76 60 620
www.rheuma-liga.de

Deutsches Arthrose Forum
www.deutsches-arthrose-forum.de
Internet-Selbsthilfe-Forum mit Infos, Tipps und Adressen

Dieses Thema im Programm:

Visite | 05.06.2018 | 20:15 Uhr

Zum Ausdrucken (PDF)

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Die Therapie-Empfehlungen im DIN-A4-Format

Die wichtigsten Fakten und Lebensmittelempfehlungen auf einen Blick. Download (46 KB)

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