VIDEO: Gefährliche Auwaldzecke verbreitet sich im Norden (3 Min)

Zecken: Wirksamer Schutz vor Stichen und Krankheiten

Stand: 28.07.2021 12:38 Uhr

Zecken lauern im Gras oder auf Büschen. Zeckenstiche können die Krankheiten FSME und Borreliose übertragen. Die richtige Kleidung, Insektensprays mit DEET oder Icaridin sowie eine Impfung schützen.

Die häufigste Zeckenart in Deutschland ist der Gemeine Holzbock - lateinisch Ixodes ricinus genannt - aus der Familie der Schildzecken. Das rotbraune Tier ist 2,5 bis 4 Millimeter groß. Es krabbelt auf acht Beinen und trägt am schwarzen Kopf Kiefernklauen mit einem Stachel. Die kleinen Blutsauger lieben nicht nur Hunde- und Katzenblut, sondern auch das von Menschen. Meist warten die Parasiten etwa einen Meter über dem Boden auf Nahrung - auch in gepflegten Parkanlagen oder Gärten in der Stadt. In Sekundenbruchteilen klammern sie sich an vorbeikommenden Lebewesen fest. Springen oder gar von Bäumen fallen, können Zecken nicht, notwendig ist ein direkter Kontakt.

Zeckenbiss oder Zeckenstich: Was ist richtig?

Vollgesogene Zecke und leere Zecken © fotolia Foto: Carola Schubbel
Eine vollgesaugte Zecke glänzt grau-braun. Der Körperumfang hat sich vervielfacht.

Durch Kleidung stechen Zecken nicht, sie klammern sich zunächst daran fest und müssen einen Eingang zur Haut finden. Dann gehen die Sauger auf die Suche nach einer gut durchbluteten, leicht feuchten Hautstelle. Ist diese gefunden, öffnen die Tiere mit ihren Mundwerkzeugen (Cheliceren) die Haut und bohren ihren Stechrüssel (Hypostom) in das Gewebe hinein, um zu saugen. Der Speichel verhindert, dass das Blut gerinnt und die Wunde verschließt. Deshalb spricht man nicht von einem Zeckenbiss, sondern von einem Zeckenstich. Um sich vollzusaugen, benötigen die Tiere viel Zeit. Bei erwachsenen Zecken kann das bis zu acht Tage dauern. Dabei schwellen sie an und werden mehr als einen Zentimeter groß.

Zeckenschutz: Lange Kleidung und DEET- oder Icaridin-Sprays

Zur Vorbeugung ist es also sinnvoll, beim Waldspaziergang lange Hosen zu tragen und die Enden der Hosenbeine in die Socken zu stecken. Zeckensprays mit DEET und Icaridin seien nur in Kombination mit anderen Schutzmaßnahmen wirkungsvoll, warnen Verbraucherschützer. Bis die Zecke zusticht, können Stunden vergehen: häufig genug Zeit, um sie zu entdecken. Nach einem Ausflug sollte man die Kleidung ausschütteln und den Körper nach Zecken absuchen - auch an verdeckten Stellen. Zum Schutz vor Zeckenstichen und Infektionen gehören:

  • Helle Kleidung tragen, die die Haut möglichst vollständig bedeckt.
  • Zugänge verschließen: Hemd in die Hose und Hosenbeine in die Socken stecken.
  • Anti-Zeckenmittel (Repellent) mit den Wirkstoffen DEET oder Icaridin auf die Haut auftragen. Wichtig hierbei: Die Mittel alle zwei bis drei Stunden neu auftragen. Der von einigen Herstellern versprochene achtstündige Schutz ist nicht realistisch.
  • Zeckenpinzette, Zeckenzange oder Zeckenkarte zum sicheren Entfernen mitnehmen.
  • Kleidung ausschütteln, am besten über der hellen Badewanne, so sind die Zecken gut sichtbar.
  • Körper nach Zecken absuchen: Auch geschützte Hautstellen wie Achseln, Bauchnabel, Kopfhaut, Leisten oder den Genitalbereich genau betrachten.
  • Rechtzeitige FSME-Impfung bei Reisen in Risikogebiete: Für den vollen Impfschutz sind in der Regel drei Impfungen erforderlich.

Zecken entfernen: Am besten mit Pinzette, Zange oder Karte

Zeckenzange neben unterschiedlich vollgesogenen Schildzecken © imago Foto: Marco Stepniak
Zecken möglichst schnell entfernen, etwa mit einer speziellen Zeckenzange aus der Apotheke.

Eine Zecke, die in die Haut gestochen hat, muss so schnell wie möglich entfernt werden. Dazu die Zecke mit einer spitzen Pinzette oder einer speziellen Zeckenzange dicht über der Haut fassen und vollständig herausziehen. Dabei leicht rütteln. Besonders leicht funktioniert die Entfernung mit einer sogenannten Zeckenkarte. Beide Werkzeuge sind in Apotheken erhältlich. Steht kein Werkzeug zur Verfügung, mit den Fingernägeln oder einem Faden arbeiten. Falls vorhanden, eine Lupe verwenden. Den Körper des Tieres nicht quetschen oder drücken. Das Tier vor dem Entfernen nicht töten. Die Einstichstelle anschließend gründlich desinfizieren und markieren oder fotografieren, um spätere Rötungen zuordnen zu können.

Krankheiten durch Zeckenstiche: Borreliose und FSME

Der Zeckenstich selbst ist für Menschen ungefährlich, allerdings können dabei Krankheitserreger übertragen werden: unter anderem das Bakterium Borrelia burgdorferi, das Borreliose auslösen kann, sowie das Virus für Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Das Übertragungsrisiko ist zunächst sehr gering, steigt aber nach zwölf Stunden Saugzeit deutlich an. Dann ist das Tier schon erkennbar angeschwollen.

Lyme-Borreliose: Nach Zeckenstich auf Wanderröte achten

Wanderröte an einem Bein nach einem Zeckenstich © colorbox Foto: Astrid Gast
Wanderröte auf der Haut ist ein typisches Anzeichen für Borreliose, das einem Arzt gezeigt werden sollte.

Lyme-Borreliose ist weit verbreitet und kommt in ganz Deutschland vor - nach Schätzungen erkranken pro Jahr mehrere Zehntausend Menschen daran. Mit regionalen Schwankungen geben infizierte Zecken das Bakterium an bis zu 5,6 Prozent der Gestochenen weiter. Maximal 1,4 Prozent der Gestochenen erkranken laut Robert Koch-Institut an Borreliose.

Die Symptome sind vielfältig und beginnen meist wie bei einer Grippe mit Abgeschlagenheit, Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen, Fieber oder Nachtschweiß. Als Komplikation kann eine Neuroborreliose mit Nervenschmerzen und Lähmungen auftreten. Die Diagnose der Krankheit ist oft schwierig. Haben Infizierte Antikörper gebildet, lassen sich diese über einen Bluttest nachweisen.

Als sicherer Hinweis auf Borreliose gilt die sogenannte Wanderröte, die bei rund 90 Prozent der Infektionen - auch noch Wochen später - um die Einstichstelle auftritt und sich vergrößert. Derartige Stellen sollte man umgehend einem Arzt zeigen. Eine diagnostizierte Borreliose wird mit Antibiotika behandelt. Derzeit gibt es noch keine Impfung gegen die Krankheit. Forscher entwickeln aber derzeit einen Impfstoff für die Früherkennung.

FSME-Risikogebiete: Impfung schützt vor Hirnhautentzündung

Ein Arzt zeigt mit dem Finger auf ein FSME-Warnschild (Themenbild) © Colourbox Foto: Henrik Dolle
Bei Reisen in FSME-Risikogebiete rechtzeitig mit der mehrstufigen Impfung beginnen.

Die zweite bekannte Krankheit, die Zecken übertragen können, hat eine wesentlich geringere Verbreitung: Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Pro Jahr erkranken daran in Deutschland einige Hundert Menschen. Das Robert Koch-Institut zeigt auf einer Karte die betroffenen Risikogebiete. Neben Süddeutschland gehören dazu der niedersächsische Landkreis Emsland, Österreich, Osteuropa und Skandinavien.

Etwa zehn Tage nach einer Infektion mit FSME treten Symptome auf, die zunächst denen einer Grippe mit Glieder- und Kopfschmerzen sowie Fieber ähneln. Bei rund zehn Prozent der Betroffenen entzündet sich dann die Hirnhaut, in schweren Fällen auch Gehirn und Rückenmark. Überwiegend heilt die Krankheit ohne Therapie vollständig aus. Bei älteren oder geschwächten Menschen kann sie allerdings tödlich sein. Weil es sich um eine Viruserkrankung handelt, bleibt Antibiotika wirkungslos.

Gegen FSME gibt es eine mehrstufige Impfung, die guten Schutz bietet, aber regelmäßig aufgefrischt werden muss. Wer in Risikogebieten Urlaub macht, sollte rechtzeitig an den FSME-Impfschutz denken.

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