Sodbrennen nicht auf die leichte Schulter nehmen

Stand: 10.09.2022 15:48 Uhr

Gelegentliches Sodbrennen kennt fast jeder Dritte hierzulande. Doch bei vielen werden die Beschwerden chronisch. Bei jahrelangem Reflux besteht die Gefahr, dass sich Krebs entwickelt. Was tun?

Ein scharfer, brennender Schmerz, der aus dem Oberbauch in Richtung Hals aufsteigt: 35 Prozent der Betroffenen haben solche Beschwerden regelmäßig - mindestens einmal wöchentlich oder noch häufiger. Nach dem Essen, beim Liegen, Bücken oder körperlicher Belastung ist es besonders schlimm.

Typische Symptome bei Sodbrennen

Starkes Brennen hinter dem Brustbein ist das Leitsymptom für die Refluxkrankheit. Unter Umständen kann sogar das Gefühl auftreten, keine Luft mehr zu bekommen. Weil die Speiseröhre dicht am Herzen liegt, denken Betroffene nicht selten, dass der Schmerz dort entsteht - im Englischen wird Sodbrennen deshalb auch als "Heartburn" (Herzbrennen) bezeichnet. Nicht selten landen Reflux-Betroffene als Notfall mit dem Verdacht auf Herzinfarkt beim Arzt oder in der Klinik. Schmerzen im Brustkorb müssen tatsächlich immer abgeklärt werden - und bis zum Beweis des Gegenteils muss man davon ausgehen, dass eine Herzerkrankung dahinterstecken könnte. Findet sich bei den Untersuchungen aber kein Hinweis darauf, dann sollte man an den Magen denken.

Aufstoßen, Magendruck oder Völlegefühl sind häufige Begleiterscheinungen der Refluxkrankheit. Manche Menschen spüren kaum Sodbrennen, leiden dafür aber unter morgendlichem Husten oder Heiserkeit oder müssen sich sehr häufig räuspern. Schluckbeschwerden, Luftschlucken und ein schlechter Geschmack im Mund können ebenfalls auf die Krankheit hinweisen.

Diagnose: Spiegelung und Säuremessung

Schematische Darstellung des Magens und des Übergangs zur Speiseröhre sowie von schwarzen Geschwüren in der Speiseröhre. © NDR
Wenn Magensaft in die Speiseröhre steigt, verursacht das Schmerzen und kann auf Dauer Krebs begünstigen.

Bei der ärztlichen Untersuchung wird zunächst geklärt, wo genau die Schmerzen liegen und wann sie auftreten. Die Lebens- und Ernährungsgewohnheiten werden erfragt, denn die spielen eine große Rolle bei Sodbrennen. Bei Verdacht auf die Refluxkrankheit wird ärztlicherseits eine Spiegelung von Speiseröhre und Magen (Gastroskopie) veranlasst, um die Speiseröhre mittels einer Schlauchkamera auf Entzündungszeichen, verätzte Stellen (Erosionen), Verengungen und Geschwülste zu untersuchen. Gegebenenfalls werden dabei Gewebeproben entnommen.

Internisten können auch eine Langzeit-Säuremessung in der Speiseröhre vornehmen: Mit einer sogenannten 24-Stunden-pH-Metrie lässt sich die Refluxkrankheit sicher diagnostizieren. Die Messung erfolgt heute in der Regel katheterfrei, also ohne dass die ganze Messzeit über ein Schlauch liegen muss.

Ursache für Sodbrennen: Magensäure greift Speiseröhre an

Symbolbild für Sodbrennen. © Colourbox Foto: #72771
Durch chronisches Sodbrennen kann sich die Speiseröhre entzünden.

Ursache der Schmerzen ist die Magensäure. Die Speiseröhre ist ein Muskelschlauch, der die Nahrung in den Magen transportiert. Dort angekommen, wird sie mithilfe von Magensäften zersetzt, die stark ätzende Salzsäure enthalten. Die Magenschleimhaut schützt den Magen vor der Säure. Gelangt aber Speisebrei am oberen Schließmuskel des Magens vorbei zurück in die Speiseröhre (Ösophagus), dann greift die Magensäure die ungeschützte Wand der Speiseröhre an. Das verursacht das Brennen.

Auf Dauer wird die Speiseröhre durch die Säure geschädigt. Eine Speiseröhrenentzündung (Ösophagitis) kann sich bilden, die unbehandelt zu Geschwüren und Vernarbungen führt. Mögliche Komplikation ist - in etwa zehn Prozent der Fälle - das sogenannte Barrett-Syndrom, bei dem sich das Gewebe der Speiseröhre entzündlich umwandelt - eine Vorstufe für Krebs.

Warum die Magensäure in die Speiseröhre fließt

Auslöser für akutes Sodbrennen ist häufig, dass der Magen zu viel Säure produziert oder sich zu langsam entleert. Nach dem Essen können im oberen Teil des Magens sogenannte "Säuretaschen" entstehen, die auf dem Nahrungsbrei liegen. Üppige, süße, fette oder saure Speisen, Alkohol und koffeinhaltige Getränke wirken sich negativ aus.

Ein weiterer Grund für den Rückfluss des Magensafts ist oft eine Schwäche des Schließmuskels. Nikotin kann die Muskelspannung ebenso mindern wie bestimmte Medikamente. Auch Hormone können die Spannung herabsetzen, weshalb oft Schwangere ein Problem mit Sodbrennen haben - zusätzlich drückt das wachsende Kind auf den Magen. Bei einem "runden Bäuchlein" wegen zu viel Bauchfett besteht ein ähnliches Problem. Zu enge Kleidung und Stress sind weitere Faktoren.

Sodbrennen durch richtige Ernährung verhindern

Möhren, Zwiebeln, Knoblauch, Kohl und die Getränke Wein, Limo, Kaffee stehen auf einem Tisch. © NDR
Diese Lebensmittel vertragen viele Menschen mit Sodbrennen nicht gut.

Linderung verschafft oft die Umstellung der Ernährungsgewohnheiten nach dem Anti-Reflux-Plan. Wichtig bei Sodbrennen: lieber vier bis fünf kleine Mahlzeiten essen statt zwei, drei große. Außerdem viel Eiweiß, zum Beispiel Milchprodukte, helles Fleisch, Nüsse oder Hülsenfrüchte. Ein hoher Konsum von Fertigprodukten und Fast Food wirkt sich schädlich aus. Wer oft im Stress isst, ist daher doppelt gefährdet.

Heißhunger auf Süßes lässt sich durch Bittertropfen vertreiben: auf den Handrücken träufeln, schnuppern - der Appetit ist wie weggeblasen. Und: jedes abegnommene Kilo Bauchfett entlastet den Körper und mindert den Druck auf den Magen.

Natürliche Säureschutz-Mittel gegen Sodbrennen

Zur Schonung der Speiseröhre und Magenschleimhaut kann ein Leinsamen-Aufguss, ein "KüKaLeiWa"-Sud oder eine Kamillen-Rollkur beitragen.

Ein Verdauungsspaziergang ist ein bewährtes Hausmittel. Vier Stunden vor dem Zubettgehen sollte man dann nichts mehr essen und beim Schlafen den Oberkörper gern etwas höher lagern. Rauchen ist ein erheblicher Risikofaktor und sollte unbedingt eingestellt werden. Übergewichtige entlasten ihren Magen, wenn sie abnehmen. Sinnvoll ist außerdem, Stress abzubauen - ob durch Sport oder einen anders organisierten Alltag - und möglichst bequeme Kleidung zu tragen.

Sodbrennen mit Medikamenten behandeln

Ist die Speiseröhrenschleimhaut bereits entzündlich verändert, kann es in Einzelfällen nötig sein, mit verschreibungspflichtigen Medikamenten den Säureanteil im Reflux zu verringern. Dafür werden Säurehemmer, sogenannte Protonenpumpenhemmer (PPI), eingesetzt. Rezeptfreie Medikamente aus der Apotheke binden entweder die Magensäure (Antazida) oder behindern die Neuproduktion von Magensäure (H2-Rezeptorantagonisten). All diese Medikamente sind aber aufgrund ihrer nicht unerheblichen Nebenwirkungen nur für vorübergehende Abhilfe geeignet.

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Gemüsestückchen auf einer Schiefertafel bilden Buchstaben und damit den Begriff "Clean Eating". © NDR Foto: Oliver Zydek/Moritz Schwarz

Sodbrennen mit der richtigen Ernährung verhindern

Was, wie viel und wann man isst, spielt bei der Refluxkrankheit eine große Rolle: Tipps und Hausmittel gegen Sodbrennen. mehr

Holzwegweiser mit den Aufschriften "vielleicht", "falsch", "richtig" und "kommt drauf an". © Chris_pl/fotolia Foto: Chris_pl

Sodbrennen/Reflux: Ernährungstipps und Lebensmittel-Liste (PDF)

Kleine Portionen, reizende Speisen vermeiden, genug Eiweiß: Wichtige Empfehlungen gegen Sodbrennen auf einen Blick. Download (87 KB)

Gedünstete Forellenfilet mit Möhren und Kartoffeln auf einem Teller © NDR Foto: Claudia Timmann

Rezepte bei Sodbrennen

Eiweißreich und nicht zu fett: Diese Gerichte sind gesund bei Sodbrennen und Speiseröhrenentzündung - und noch dazu schnell gemacht. mehr

Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 12.09.2022 | 21:00 Uhr

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Ernährung

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