Stand: 12.03.2018 16:00 Uhr

Was hilft gegen Schwindel?

Schwindel ist keine Krankheit, sondern ein Symptom. Es entsteht das Gefühl, dass sich die Umgebung oder der eigene Körper dreht oder schwankt. Dabei handelt es sich nicht um Bewegungen, sondern um eine gestörte Wahrnehmung der Umgebung. Schwindel kann vielfältige Ursachen haben, die unterschiedliche Therapien erfordern.

Eine Patientin in Schwindel-Therapie.

Was hilft gegen Schwindel?

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Wer immer wieder unter Schwindelattacken leidet, sucht oft jahrelang nach der Ursache und einer hilfreichen Therapie. Denn für Schwindel kann es viele Gründe haben.

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So funktioniert das Gleichgewichtsorgan

Das Gleichgewichtsorgan im Innenohr ist dafür verantwortlich, dass Menschen nicht aus der Balance geraten. Es besteht aus drei mit Flüssigkeit gefüllten Bogengängen, in denen sich Sinneszellen befinden. Bei jeder Bewegung werden die Zellen aktiviert und liefern Informationen an das Gehirn. Dort findet ein Abgleich mit Informationen der Augen, der Stellung von Gelenken und der Muskulatur statt. Das Gehirn berechnet daraus die Position des Körpers im Raum. Passen eine oder mehrere Informationen nicht zueinander, entsteht Schwindel.

Zentraler und peripherer Schwindel

Zwei Arten von Schwindel werden unterschieden:

  • Zentraler Schwindel entsteht durch Störungen im Gehirn, also zum Beispiel als Folge von Durchblutungsstörungen bei einem Schlaganfall oder durch Tumore.
  • Peripherer Schwindel liegt vor, wenn das Gleichgewichtsorgan (Lagerungsschwindel) oder der Gleichgewichtsnerv (Morbus Menière) gestört sind. Der beidseitige Ausfall der Gleichgewichtsorgane kann durch die Nebenwirkungen einiger Medikamente oder durch eine Hirnhautentzündung ausgelöst werden. Typische Symptome sind Schwindelattacken und wackliges Sehen, vor allem bei körperlicher Bewegung.

Lagerungsschwindel ist harmlos

Die häufigste krankhafte Schwindelform ist der Lagerungsschwindel. Etwa 2 bis 2,5 Prozent der Bevölkerung sind betroffen. Diese Art des Schwindels ist unangenehm, aber harmlos. Typische Symptome:

  • Der Schwindel tritt spontan auf.
  • Die Attacken treten bei Bewegungen des Kopfes auf.
  • Der Schwindel dauert bis zu 60 Sekunden.

Lagerungsschwindel entsteht in der Regel, wenn sich im hinteren Bogengang eines Gleichgewichtsorgans Kalziumkristalle (Otolithen) ansammeln. Bei bestimmten Bewegungen bewegen sich die Kristalle mit der Schwerkraft in der Lymphflüssigkeit des Bogenganges und reizen die Sinneshärchen. Dadurch ist das Gehirn irritiert, Drehschwindel entsteht.

Typische Auslöser für Lagerungsschwindel:

  • Aufrichten und Umdrehen im Bett
  • Bücken
  • Hinlegen
  • Arbeiten über dem Kopf
  • Hochschauen

Übungen gegen Lagerungsschwindel

Warum sich Kalziumkristalle im Gleichgewichtsorgan bilden und ablösen, ist nicht geklärt. Vermutlich handelt es sich um einen normalen Alterungsprozess. In den meisten Fällen bildet sich Lagerungsschwindel von selbst zurück. Falls nicht, können spezielle Übungen helfen. In einer Studie mit mehr als 200 Betroffenen waren 98 Prozent nach drei Sitzungen geheilt.

Schwindel durch Morbus Menière

Ein weiterer Grund für Schwindel kann Morbus Menière sein. Die Erkrankung des Innenohres beeinträchtigt die Funktion des Gleichgewichtsorgans erheblich. Schwindel und Übelkeit treten sehr plötzlich auf, oft verbunden mit Schwerhörigkeit, Ohrgeräuschen und Druck auf den Ohren.

Schwindel durch Entzündung des Gleichgewichtsnervs

Ein einseitiger Ausfall eines Gleichgewichtsorgans ist in der Regel die Folge einer Entzündung des Gleichgewichtsnervs. In den meisten Fällen werden die Entzündungen durch Herpesviren verursacht. Bei der sogenannten Neuritis vestibularis tritt plötzlich Dreh- und Kippschwindel verbunden mit Übelkeit und Erbrechen auf. Betroffene neigen zu Stürzen und haben sichtbare Störungen der Augenbewegung (Nystagmus).

Typischerweise nehmen die Beschwerden in den ersten Stunden rasch zu, bleiben einige Tage und bilden sich schließlich innerhalb von Tagen bis Wochen zurück. Die Besserung der Beschwerden ist darauf zurückzuführen, dass das Gehirn lernt, den Ausfall eines Gleichgewichtsorgans zu kompensieren. Zur Behandlung können Kortisonpräparate eingesetzt werden.

Schwindel durch psychische Auslöser

Schwindel kann auch psychisch bedingt sein. Experten sprechen dann von einem somatoformen oder psychosomatischem Schwindel. Nach dem gutartigen Lagerungsschwindel ist er die zweithäufigste Schwindelform. Bei etwa 15 bis 20 Prozent der Betroffenen liegt ein somatoformer Schwindel vor. Am häufigsten ist der phobische Schwankschwindel im Rahmen von Angsterkrankungen. Typischerweise treten die Schwindelanfälle dabei nur in bestimmten Situationen, wie zum Beispiel beim Aufenthalt in großen Menschenmengen oder beim Überqueren großer Plätze, auf. Oft werden die Schwindelattacken von heftigen vegetativen Symptomen wie Schweißausbrüchen, Herzrasen oder Übelkeit begleitet.

Beim psychosomatischen Schwindel sind die Gleichgewichtsorgane unversehrt. Daher lassen sich die Beschwerden in den meisten Fällen erfolgreich behandeln. Entscheidend ist, die Betroffenen über die psychischen Hintergründe und die Mechanismen der Schwindelentstehung aufzuklären. Bereits das Wissen darüber erleichtert vielen Betroffenen den Alltag. Im Rahmen von Psychotherapien, kognitiven Verhaltenstherapien und unterstützenden physiotherapeutischen Therapien lernen die Betroffenen, das Schwindelgefühl zu beherrschen. Typischerweise bessern sich die Beschwerden, wenn das Gleichgewichtsorgan gefordert wird.

Ursachen für Schwindel erkennen

Die Ursachen für Schwindel lassen sich zum Beispiel in einer Schwindelambulanz herausfinden. Wichtig dabei sind:

  • genaue Beschreibung des Schwindelgefühls
  • bildgebende Verfahren wie Computertomografie und Magnetresonanztomografie
  • Messung reflexartiger Augenbewegungen bei abrupter Kopfbewegung per Spezialbrille (Videookulografie)

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Interviewpartner

Prof. Dr. Christoph Helmchen
Ärztlicher Leiter der Schwindelambulanz Lübeck
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Klinik für Neurologie
Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck
Tel. (0451) 500 434 21
Internet: www.uksh.de

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Visite | 13.03.2018 | 20:15 Uhr

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