Stand: 08.10.2019 09:57 Uhr  | Archiv

Prostataentzündung richtig behandeln

Illustration einer Prostata © imago images/Science Photo Library
Eine entzündete Prostata kann im schlimmsten Fall zu einer Blutvergiftung führen.

Die Vorsteherdrüse (Prostata) liegt unterhalb der Blase und ist etwa so groß wie eine Kastanie. Umgeben ist sie von stützender Beckenbodenmuskulatur. Mitten durch die Prostata verläuft die Harnröhre, von der Blase bis zur Penisspitze. Eine Prostataentzündung (Prostatitis) kommt relativ häufig vor: Etwa 15 bis 20 Prozent aller Männer sind im Laufe ihres Lebens davon betroffen. Einige Experten gehen sogar von bis zu 30 Prozent aus. Doch viele Männer gehen aus Angst oder Scham zu spät oder gar nicht zum Arzt. Damit riskieren sie, dass die Entzündung chronisch wird und auf die Blase übergreift. Schließlich droht ein Aufsteigen der Infektion bis zu den Nieren und im schlimmsten Fall eine lebensgefährliche Blutvergiftung (Urosepsis).

Symptome

Zu den typischen Anzeichen einer Prostataentzündung gehören:

  • Zunehmender Harndrang
  • Tröpfeln des Urins
  • Schmerzen im Analbereich
  • Schmerzen beim Wasserlassen
  • Häufiges Wasserlassen
  • Fieber, Schüttelfrost und ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl

Diagnostik

Bei einer Prostatitis kann der Arzt (Urologe) vom Enddarm aus eine Schwellung der Prostata ertasten. Die Untersuchung dauert nur wenige Sekunden und ist in der Regel nicht schmerzhaft. Alternativ kann der Arzt den Zustand von Prostata und Blase per Ultraschall über den Enddarm beurteilen und prüfen, ob noch andere Ursachen hinter den Beschwerden stecken.

Bei einem Verdacht auf eine Prostatitis lässt der Arzt Blutproben und Urinproben auf Bakterien untersuchen. Um zu prüfen, welches Antibiotikum am besten anschlägt und ob es Resistenzen gibt, werden aus dem Urin Bakterien angezüchtet (Bakterienkultur). Ein typischer Keim, der zu einer akuten Prostatitis führen kann, ist Escherichia coli (E. coli). Diese Bakterien gelangen vom Anus über den Genitalbereich und die Harnröhre bis in die Prostata. Seltener erreichen die Krankheitserreger die Prostata über das Blut, zum Beispiel bei einer schweren Zahninfektion.

Verlauf der Prostatitis

Bei einer akuten Prostataentzündung schwillt die Prostata an. Dadurch engt sie die Harnröhre ein und kann diese sogar komplett abdrücken. In diesem Fall staut sich der Urin in der Blase, und die Blase entzündet sich ebenfalls. Die Infektion kann bis zu den Nieren aufsteigen und eine Blutvergiftung verursachen. Oft verkrampft sich die Beckenbodenmuskulatur in Folge einer Prostataentzündung. Auch das führt zu Schmerzen.

Eine chronische Prostataentzündung kehrt immer wieder zurück - mit oder ohne Bakterien als Ursache der Infektion. Eine nicht-bakterielle chronische Prostatitis hat vermutlich mehrere Ursachen:

  • Möglicherweise ist die Bakterien-Konzentration so gering, dass man sie nicht nachweisen kann.
  • Es handelt sich um eine Schwäche im Autoimmunsystem oder im Nervensystem.

Therapie

Häufig verschreiben Urologen ein Antibiotikum aus der Gruppe der Fluorchinolone, zum Beispiel Ciprofloxazin. Doch diese Medikamente können als Nebenwirkung Nerven und Bindegewebe schädigen, sodass Sehnen und Blutgefäße reißen. Deshalb sollten Fluorchinolone nur noch verordnet werden, wenn andere Antibiotika nicht wirken und Risiken wie Multiorganversagen oder Sepsis verhindert werden müssen.

Weitere Informationen
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Experten zum Thema

Dr. Henrik Zecha, Chefarzt
Klinik für Urologie und Uroonkologie
Albertinen Krankenhaus
Immanuel Albertinen Diakonie
Süntelstraße 11a
22457 Hamburg
(040) 55 88-22 53/-2712
www.albertinen.de

Dr. Immo Ries, Urologe
Urologische Praxis Othmarschen
Waitzstraße 22
22607 Hamburg
(040) 21 90 97 10
www.urologe-in-hamburg.de

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Visite | 08.10.2019 | 20:15 Uhr

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