Stand: 06.11.2017 14:49 Uhr

Mineralwasser: Wie gesund ist Kohlensäure?

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Viele mögen das Prickeln der Kohlensäure in Mineralwasser.

Mineralwasser hat keine Kalorien und ist als Durstlöscher beliebt: 1970 lag der Konsum in Deutschland bei jährlich 12,5 Litern pro Kopf, 2016 waren es pro Einwohner durchschnittlich 148 Liter Mineral- und Heilwasser. Für den prickelnden Geschmack vieler Mineralwasser sorgt die enthaltene Kohlensäure. Diese hat unterschiedliche Wirkungen auf den Körper: Kohlensäure kann zu Sodbrennen führen und soll äußerlich angewendet die Durchblutung der Haut fördern.

Ein Glas Mineralwasser.

Mineralwasser: Wie gesund ist Kohlensäure?

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Kohlensäure sorgt für den prickelnden Geschmack im Mineralwasser. Auch beim Kochen lässt sich der Sprudel vielseitig einsetzen. Doch nicht jeder verträgt Kohlensäure.

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Mineralien sorgen für den Geschmack

Wie gesund Mineralwasser ist, hängt von den enthaltenen Mineralien ab. Deren Gehalt ist bei vielen Mineralwassern geringer als beispielsweise im Hamburger Trinkwasser aus der Leitung. Mineralwasser aus Norddeutschland ist geprägt durch einen niedrigen Mineralstoffgehalt und besitzt darum einen eher neutralen Geschmack.

Mineralwasser entsteht, wenn Regenwasser in den Erdboden sickert und sich in tiefen unterirdischen Reservoirs sammelt. Diese können mehrere Hundert Meter unter der Erde liegen. Jedes Reservoir hat eigene mineralische Eigenschaften. Grund dafür sind die unterschiedlichen Gesteinsschichten, die das Regenwasser auf dem Weg bis in den Untergrund passiert. Dabei wird das Wasser gereinigt, gefiltert und es reichert sich mit Mineralien an.

Kohlensäure und Kohlenstoffdioxid im Wasser

Kohlensäure (H2CO3) ist die Verbindung von Wasser (H2O) mit Kohlenstoffdioxid (CO2). Unter hohem Druck, also bei verschlossener Flasche, bleibt das CO2 im Wasser gelöst. Wenn die Flasche geöffnet wird, verringert sich der Druck und CO2 kann als Gas entweichen. Sauer im chemischen Sinn ist Kohlensäure nicht: Kohlensäurehaltiges Mineralwasser hat einen pH-Wert von 7 und ist damit neutral. Bei den perlenden Bläschen, die im Wasser aufsteigen und im Mund prickeln, handelt es sich nicht um Kohlensäure, sondern um das Gas Kohlenstoffdioxid.

Wozu braucht Wasser Kohlensäure?

Im 19. Jahrhundert war mineralienhaltiges Heilwasser als Medizin gegen Krankheiten anerkannt. Um das Heilwasser auch in Apotheken anbieten zu können, wurde Kohlensäure zur Konservierung eingesetzt: Es stabilisiert die Mineralien und wirkt leicht desinfizierend - das Wasser trübt nicht ein.

In Plastikflaschen kann Kohlensäure entweichen, deshalb ist die Mindesthaltbarkeit kürzer als bei Glasflaschen. Wer sein Wasser selbst sprudelt, sollte gekühltes Wasser nehmen, denn es nimmt mehr Kohlensäure auf als ungekühltes.

Naturprodukt Sprudelwasser

Natürliche Kohlensäure im Mineralwasser gibt es vor allem in Regionen, in denen früher Vulkane aktiv waren. Die Kohlensäure unterstützt das Wasser, Mineralstoffe aus den Gesteinen zu lösen. Darum besitzt Mineralwasser mit natürlicher Kohlensäure in der Regel einen höheren Gehalt an Mineralstoffen. Bei der Abfüllung darf dem Wasser Kohlensäure entzogen oder zugeführt werden. Um die natürliche Reinheit von Mineralwasser zu bewahren, muss es direkt an der Quelle in Flaschen abgefüllt werden.

  • Natürliches kohlensäurehaltiges Wasser: Das Wasser enthält die gleiche Menge eigener Quellkohlensäure in der Flasche wie beim Quellaustritt.
  • Natürliches Mineralwasser mit eigener Quellkohlensäure versetzt: Das Wasser enthält mehr Kohlensäure als beim Quellaustritt, Kohlenstoffdioxid kommt aber aus dem gleichen Quellvorkommen.
  • Natürliches Mineralwasser mit Kohlensäure versetzt: Kohlenstoffdioxid aus anderer Herkunft.

Sodbrennen durch Sprudel

Trinken wir Sprudelwasser, kitzeln die kleinen Bläschen unsere Schleimhäute. Das soll die Produktion von Verdauungssäften anregen. Im Magen angekommen, sucht sich das Gas seinen Weg nach draußen:

  • Ein Teil gelangt über den Verdauungstrakt ins Blut und wird unbemerkt über die Lunge abgeatmet.
  • Ein Teil entweicht durch Aufstoßen, dabei kann Magensäure in die Speiseröhre gelangen und zu Sodbrennen führen.

Menschen, bei denen leicht Magensäure in die Speiseröhre fließt (Reflux), sollten stilles Wasser trinken. Auch wer oft einen aufgeblähten Bauch hat, sollte auf kohlensäurehaltiges Wasser verzichten. Wer einen empfindlichen Magen hat, sollte Wasser mit viel Hydrogencarbonat trinken - es neutralisiert überschüssige Säuren.

Macht Kohlensäure dick?

Einer Studie von Wissenschaftlern in Palästina zufolge soll der Druck des CO2 auf die Magenwand dazu führen, dass der Körper mehr appetitanregende Ghrelin-Hormone produziert. Ob kohlensäurehaltige Getränke zu Übergewicht führen können, ist fraglich und muss in größeren Studien weiter untersucht werden.

Kohlensäure fördert Durchblutung der Haut

Die feinen Bläschen der Kohlensäure massieren die Hautoberfläche und wirken wie ein feines Peeling, außerdem sollen sie die Durchblutung der Haut fördern. Dazu kann man zum Beispiel gekühltes Mineralwasser auf ein Handtuch geben und einige Minuten auf Gesicht oder Hals legen.

Kochen mit Sprudelwasser

In der Küche lässt sich kohlensäurehaltiges Mineralwasser vielfältig einsetzen:

  • Ersatz für Backpulver: Kohlensäure wirkt im Teig wie Triebmittel. Die gärende Wirkung kann den Anteil an Hefe verringern.

  • Bei Veganern kann Mineralwasser Sahne und Milch ersetzen. Mineralwasser mit hohem Kalziumanteil kann Veganern bei der Kalziumversorgung helfen. Kalorienfreie Alternative zu Sahne.

  • Macht Desserts, Saucen und Dressings cremig.

  • Macht Magerquark sahnig, Rührei locker.

Wichtig: Auf einen niedrigen Mineralstoffanteil achten, weil sonst der Geschmack verfälscht wird.

Rezept für alkoholfreien Cocktail

Mit Sprudelwasser lassen sich leckere alkoholfreie Cocktails zaubern. Die Zutaten für einen Indian Summer Breeze (zwei Gläser à 300 Milliliter):

  • 60 ml Sanddornsaft

  • 60 ml Orangensaft, frisch gepresst

  • 30 ml Zitronensaft, frisch gepresst

  • 10 ml Agavendicksaft

  • Mineralwasser mit Kohlensäure

Montage aus Erste-Hilfe-Koffer und Radio © fotolia.com Fotograf: frank peters, Artem Shcherbakov

Mineralwasser - besser still?

NDR Info -

Fast 150 Liter Mineralwasser trinkt jeder Deutsche pro Jahr. Nach Kaffee ist es das beliebteste Getränk. Doch was ist gesünder - kohlensäurehaltiges oder stilles Wasser?

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Interviewpartner

Prof. Dr. Sascha Rohn, Lebensmittelchemiker
Institut für Lebensmittelchemie
Grindelallee 117, 20146 Hamburg
Internet: www.chemie.uni-hamburg.de/lc

PD Dr. Jutta Keller, Gastroenterologin
Leiterin der Funktionsdiagnostik
Israelitisches Krankenhaus Hamburg
Orchideenstieg 14, 22297 Hamburg
Tel. (040) 51 12 50
Internet: www.ik-h.de

Birgit Oelbüttel, Dipl. Oecotrophologin
Praxis für Ernährungsberatung und -therapie
Dwarspriel 4, 21129 Hamburg
Tel. (040) 743 45 91
Internet: www.ernaehrungsberatung-oelbuettel.de

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