Long-Covid: Chronisches Fatigue-Syndrom als Folge von Corona

Stand: 03.05.2021 17:21 Uhr

Die vom Coronavirus ausgelöste Erkrankung Covid-19 kann schwer, aber auch ganz leicht verlaufen. Ganz unabhängig von diesem Verlauf leiden manche Betroffene lange später unter einem Zustand der Erschöpfung, der sie völlig lahmlegen kann.

Kleinste Belastungen reichen aus, um die Betroffenen tagelang quasi auszuschalten. Ähnliche Zustände sind schon von anderen Infektionen bekannt, zum Beispiel bei AIDS. Sie werden als CFS, Chronisches Fatigue-Syndrom, bezeichnet. Das bekommen oft auch Menschen nach einer Corona-Infektion, aber nach Covid-19 ist diese bleierne Müdigkeit oft anders, häufiger und noch extremer. Und sie trifft häufig junge Patientinnen und Patienten. Aktuelle Studien belegen jetzt erstmals, wie häufig das Problem auftritt: Jeder Zehnte, der nur leicht an Covid-19 erkrankt war, hat ein halbes Jahr später noch Symptome und leidet damit an Long-Covid.

Long-Covid: Gravierender Einschnitt ins Leben der Betroffenen

Für die Betroffenen ist das Leben nach Corona nicht mit dem Leben vor Corona vergleichbar: Ihre körperliche Belastbarkeit sinkt massiv, sie leiden unter Gedächtnisstörungen, vor allem des Kurzzeitgedächtnisses. Oft kommen Kurzatmigkeit und ein Druckgefühl auf dem Brustkorb hinzu. Da das Virus fast alle Körperzellen befallen kann, kann es vielfältige, ganz unterschiedliche Beschwerden verursachen. Dazu gehören vor allem Muskelschwäche, Konzentrationsstörungen, extreme Müdigkeit und Vergesslichkeit. Und die können auch auftreten, wenn die akute Infektion nur leichte oder gar keine Symptome verursacht hatte.

Chronisches Fatigue-Syndrom lässt sich nicht wegtrainieren

Das Tückische: Anders als die auch als Fatigue bezeichnete bleierne Müdigkeit nach einer Krebserkrankung lässt sich das chronische Fatigue-Syndrom, wie es nach Covid-19 auftritt, nicht wegtrainieren. Schon geringe Anstrengungen führen zum Rückfall. Forscherinnen und Forscher gehen heute davon aus, dass aufgrund der Infektion die Feinsteuerung des Nervensystems nicht mehr richtig funktioniert, das sogenannte autonome Nervensystem. Es steuert zum Beispiel, wie das Blut auf die Organe verteilt wird, die es gerade besonders dringend benötigen - sei es die Muskulatur oder das Gehirn. Wenn das nicht richtig funktioniert, schränkt es die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit extrem ein.

Bisher nur Therapie gegen Symptome

Bisher richtet sich die Therapie in solchen Fällen gegen Symptome wie Schmerz und Schlafstörungen. Kompressionsstrümpfe stützen den Kreislauf. Besonders wichtig ist es zudem, die eigenen Kräfte gut einzuteilen. Eine wichtige Rolle bei Post-Covid und CFS spielt die Rehabilitation. Dabei geht es um einen vorsichtigen Wiederaufbau der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit, ohne die eigenen Belastungsgrenzen zu überschreiten.

Neue Hoffnung macht jetzt eine Studie aus Oxford: Demnach könnte das Asthma-Medikament Budesonid, gleich nach der Infektion inhaliert, in vielen Fällen langfristigen Symptomen entgegenwirken.

 

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