Stand: 07.09.2020 14:11 Uhr

Kreidezähne durch Weichmacher im Plastik?

Blick in einen Mund mit Kreidezähnen. © picture alliance dpa Foto: Prof. Dr. Norbert Krämer
Bei Kreidezähnen ist der Zahnschmelz viel weicher als normal.

Als Kreidezähne werden bräunlich verfärbte Backen- und Schneidezähne bezeichnet, die bei Kontakt mit kalten oder heißen Speisen und beim Zähneputzen extrem schmerzempfindlich sind. Ärzte nennen die Erkrankung Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH). Dabei ist der Zahnschmelz der Betroffenen viel weicher als normal: Er hat nur etwa ein Zehntel der Härte eines gesunden Zahnschmelzes. An der rauen Oberfläche setzt sich leicht ein Biofilm fest, deshalb sind Kreidezähne besonders anfällig für Karies. Die genauen Ursachen sind noch unbekannt.

Mineralisation der Zähne gestört

Die Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation betrifft vor allem die bleibenden Zähne. Deren Entwicklung erfolgt zwischen dem achten Schwangerschaftsmonat und dem vierten Lebensjahr. Dabei werden Kalzium und Phosphat eingelagert, die den Zahnschmelz aushärten. Bei Kreidezähnen ist der Prozess gestört, sodass der Zahnschmelz weich bleibt. Bereits beim Durchbruch sind manche Zähne völlig zerstört.

Ursache noch unbekannt

Die Fälle der Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation nehmen stark zu. Was die Gründe dafür sind, ist noch unbekannt. Bekannt ist, dass Kreidezähne vor allem in Ballungsräumen auftreten. Als mögliche Ursachen werden diskutiert:

  • erbliche Veranlagung
  • Infektionserkrankungen, zum Beispiel Windpocken
  • Antibiotika
  • Dioxine
  • Weichmacher in Kunststoffen

Im Tierversuch verursachte der Weichmacher Bisphenol A Zahnschäden, die den Kreidezähnen beim Menschen stark ähneln. Die Weichmacher steckten bis 2011 in Plastik-Trinkflaschen für Babys und Kleinkinder. Auch herkömmliche Plastikflaschen setzen Weichmacher frei, wenn darin Getränke in der Mikrowelle erwärmt werden.

Fluorid kann Symptome lindern

Heilen lassen sich Kreidezähne nicht. Der Zahnarzt kann sie frühzeitig fluoridieren und mit Kunststoff versiegeln, damit sie nicht so empfindlich sind. Betroffene sollten ihre Zähne sehr gründlich putzen, um den nahezu unvermeidlichen Kariesbefall möglichst lange hinauszuzögern. Dazu empfehlen die Bundeszahnärztekammer und die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde folgende Maßnahmen:

  • Ab dem Durchbruch des ersten Milchzahns bis zum zweiten Geburtstag zweimal täglich eine Kinderzahnpasta mit 0,10 Prozent (1.000 ppm) Fluorid in einer reiskorngroßen Menge
  • ab dem zweiten Geburtstag zweimal täglich eine erbsengroße Menge Zahnpasta mit 0,10 Prozent (1.000 ppm) Fluorid
  • nach dem Durchbruch der bleibenden Zähne eine fluoridhaltigen Junior- oder Erwachsenenzahnpasta (bis zu 0,15 Prozent Fluorid oder maximal 1.500 ppm) mindestens zweimal täglich
  • die Verwendung von fluoridhaltigem Speisesalz zum Kochen und Backen - Fluoridtabletten zur Kariesprophylaxe dürfen dann nicht gleichzeitig genutzt werden.
  • ab Schulalter ein Fluoridgel oder eine Fluoridspülung. Je nach Präparat wird dieses täglich (Fluoridspüllösungen) oder wöchentlich (Fluoridgel) verwendet
  • regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt.

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Experten zum Thema

Dr. Thomas Knackstedt, Zahnarzt
Zahnärzte EFK
Ärztehaus Bernstorffstraße 174, 22767 Hamburg
(040) 43 40 04
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Prof. Dr. Ulrich Schiffner, Oberarzt
Klinik und Poliklinik für Zahnerhaltung und Präventive Zahnheilkunde
Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (ZMK)
Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52, 20246 Hamburg
(040) 74 10-522 84
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