Stand: 25.05.2020 18:05 Uhr  | Archiv

Krebs: Vorsorge und Behandlung in Corona-Zeiten

Eine Frau mit kahlem Schädel liegt in einem Krankenhausbett. © PantherMedia Foto: artush
Eine Krebstherapie sollte in der Regel auch in Zeiten von Corona fortgesetzt werden.

Die Diagnose Krebs bringt Angst und Unsicherheit - das gilt in Zeiten der Corona-Pandemie umso mehr. Denn Krebsbehandlungen wie Chemotherapie oder Strahlentherapie schwächen das Immunsystem und machen die Betroffenen anfällig für Infektionskrankheiten. Eine Covid-19-Erkrankung droht unter diesen Voraussetzungen schwer zu verlaufen. Deshalb sollten Krebskranke die Infektionsgefahr so weit wie möglich senken.

Besonders gefährdet sind an Krebs Erkrankte mit

  • akuter Leukämie
  • Lymphdrüsenkrebs
  • verringerten weißen Blutkörperchen
  • Antikörpermangel

Ihnen fehlen Zellen der körpereigenen Abwehr, um den Körper gegen Viren und Bakterien zu schützen.

Wie sich Krebskranke vor Corona schützen können

Wer an Krebs erkrankt ist, kann sich durch Isolation vor einer Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 schützen. Das bedeutet vor allem kein Einkaufen, keine Ausflüge und keine Besuche. Öffentliche Verkehrsmittel wie Busse und Bahnen sollten Betroffene meiden und, wenn möglich im Homeoffice arbeiten. Während einer Chemotherapie oder Strahlentherapie sollten Krebskranke das Haus nur für die Therapie verlassen. Auch gesunde Lebenspartner sollten so wenig wie möglich rausgehen und besser Freunde oder Nachbarn die Einkäufe erledigen lassen.

Krebstherapie: Abstand halten

Auch bei unbedingt notwendigen Arztbesuchen ist eine weitgehende Isolation für Krebskranke Pflicht. Derzeit dürfen nur die Erkrankten in die Arztpraxen, nicht aber Angehörige. Im Wartezimmer und im Therapieraum ist zwischen den Erkrankten ein ausreichender Abstand einzuhalten. Ärzte, Praxis- und Pflegepersonal tragen Mundschutz und Schutzbrillen, um sich und ihre Patienten zu schützen.

Krebstherapie trotz Corona-Pandemie fortsetzen?

Wer an Krebs leidet und eine Chemotherapie, Strahlentherapie oder Immuntherapie benötigt, wird trotz der Corona-Pandemie behandelt. Denn bei einem Krebsleiden darf die Therapie in aller Regel nicht unterbrochen oder aufgeschoben werden.

Nur wenn ein Krebskranker mit einem Corona-Infizierten Kontakt hatte oder selbst an Covid-19 erkrankt ist, muss über eine Verschiebung der Therapie nachgedacht werden.

Impfung gegen Grippe und Pneumokokken nachholen?

Wer die vor der Therapie empfohlenen Impfungen gegen Grippe und Pneumokokken noch nicht bekommen hat, sollte die Impfungen derzeit nicht nachholen. Zu groß wäre die Ansteckungsgefahr mit Sars-CoV-2 in der Hausarztpraxis. Nur wer ohnehin beim Hausarzt und allein in der Praxis ist, kann die Gelegenheit zur Impfung nutzen.

Vorsorge und Früherkennung: Untersuchungen nachholen

Die etablierten Untersuchungen zur Früherkennung und Vorsorge haben das Ziel, Krebserkrankungen und ihre Vorstufen zu entdecken, bevor sie Beschwerden auslösen. Je früher eine Krebserkrankung entdeckt wird, desto besser sind die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung. Durch die Corona-Pandemie mussten im März, April und Mai viele der Untersuchungen ausfallen. Experten raten, die Untersuchungen so schnell wie möglich nachzuholen.

Dazu gehören im Untersuchungen auf:

  • Brustkrebs
  • Gebärmutterhalskrebs
  • Hautkrebs
  • Prostatakrebs
  • Darmkrebs

Corona-bedingt ist derzeit mit längeren Wartezeiten zu rechnen, da Arztpraxen und Kliniken durch die neuen Hygieneanforderungen weniger Patienten gleichzeitig betreuen können.

Weitere Informationen
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Experten zum Thema

Jumana Mensah, Ärztliche Referentin
Deutsche Krebsgesellschaft e. V.
Kuno-Fischer-Straße 8
14057 Berlin
www.krebsgesellschaft.de

Prof. Dr. Felix Hilpert
Mammazentrum Hamburg
Krankenhaus Jerusalem
Moorkamp 2-6
20357 Hamburg
(040) 44 190 550
jerusalem-hamburg.de

Weitere Informationen
Übersicht über die empfohlenen Krebsfrüherkennungs- und Vorsorgeuntersuchungen
www.bundesgesundheitsministerium.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 26.05.2020 | 20:15 Uhr

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