Eine Spritze mit Impfstoff. © picture alliance/Perenyi Foto: Laci Perenyi

Krebs: Hilft mRNA-Impfstoff gegen Tumore?

Stand: 07.12.2020 16:53 Uhr  | Archiv

Die neuartigen mRNA-Impfstoffe sind wohl die größte Hoffnung im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Auch eine Impfung gegen Krebs könnte damit in Zukunft möglich sein.

Eine effektive Impfung gegen Krebs ist ein vielversprechendes Konzept, denn Tumorzellen schaffen es bislang immer wieder, das menschliche Immunsystem auszutricksen und so ihre Zerstörung zu verhindern. Sie tarnen sich so geschickt, dass die körpereigene Abwehr den Feind nicht erkennt. Oder sie ist zu schwach, um die Krebszellen in Schach zu halten – der Tumor kann ungehindert weiterwuchern.

Deshalb ist das erste Ziel einer Krebsbehandlung bisher eine Operation, bei der möglichst alle Tumorzellen entfernt werden. Für den Fall, dass dabei doch Krebszellen im Körper verbleiben, wird den Betroffenen im Anschluss an die Operation in der Regel eine Chemotherapie verabreicht, also Medikamente, die diese restlichen Zellen vernichten sollen.

Krebs-Impfung mit mRNA aktiviert das Immunsystem

Künftig soll die Impfung mit messenger-RNA (mRNA) das körpereigene Immunsystem in die Lage versetzen, übrig gebliebene Tumorzellen selber besser zu bekämpfen - individuell, schnell und mit wenig Nebenwirkungen. Der Krebs-Impfstoff basiert auf der gleichen Technologie wie die aktuell vor der Zulassung stehenden mRNA-Impfstoffe gegen Sars-CoV-2.

Bei dem neuen Verfahren wird Zellen im Muskelgewebe die Information für die Herstellung spezifischer Antigene verabreicht, die wiederum Erbinformationen des Tumors enthalten - quasi eine Bauanleitung. Im Körper wird dann das gleiche Oberflächenprotein erzeugt, das auch die Tumorzellen tragen. Auf diese Weise wird das Immunsystem in die Lage versetzt, die feindlichen Tumorzellen zu erkennen, es weiß jetzt, welchen Gegner es attackieren muss.

Ein großer Vorteil dieser Strategie ist, dass die Ärzte die Therapie genau auf den Patienten und seinen Krebs zuschneiden können, statt Wirkstoffe verwenden zu müssen, die für möglichst viele Menschen funktionieren.

Offene Fragen zur Krebs-Impfung

Theoretisch könnten einige Patienten durch die Krebs-Impfung völlig von Tumorzellen befreit und damit geheilt werden. Noch sind aber viele Fragen zu klären:

  • Braucht es nur eine Impfung gegen den zentralen Tumor? Oder mehrere gegen verschiedene Metastasen, die sich auf Zellebene vom Originaltumor unterscheiden?

  • Kann die Impfung allein den Körper in die Lage versetzen, den Tumor effizient zu bekämpfen oder unterstützt sie lediglich die Chemotherapie?

  • Wie fit muss das Immunsystem sein, damit die Therapie funktioniert?

Diese und weitere Fragen werden derzeit in klinischen Studien der Phase III untersucht. Damit ist auch die mRNA-Impfung gegen Krebs bereits auf dem Weg zur Zulassung.

Experten zum Thema

Prof. Dr. Dirk Arnold, Chefarzt
Medizinischer Vorstand des Asklepios Tumorzentrums Hamburg
Onkologie, Hämatologie, Palliativmedizin und Rheumatologie
Asklepios Klinik Altona
Paul-Ehrlich-Straße 1
22763 Hamburg
(0 40) 18 18 81-12 11
www.asklepios.com

Priv.-Doz. Dr. Niels Halama, Leiter
Translationale Immuntherapie (D240)
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
69120 Heidelberg
(06221) 56-38 397
www.dkfz.de

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