Sendedatum: 04.09.2012 20:15 Uhr  | Archiv

Kalzium schlägt aufs Herz

Sie sollen dem Körper etwas Gutes tun und die Knochen stärken: Kalziumpräparate. Viele gesundheitsbewusste Menschen nehmen täglich eine Tablette - in der Annahme, das sei gut für die Knochen und könne nicht schaden.

Kalzium-Präparate © NDR

Kalzium schlägt aufs Herz

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Forscher haben herausgefunden, dass Kalziumpräparate oft mehr schaden als nützen und sogar gefährlich sein können. Wer zu viel einnimmt, kann Herzprobleme bekommen.

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Tatsächlich braucht der Körper je nach Alter bis zu 1.200 Milligramm Kalzium pro Tag als wichtigen Baustein für die Knochen. Doch zu viel Kalzium ist nicht ungefährlich: Forscher haben nun herausgefunden, dass Kalziumpräparate bei regelmäßiger Einnahme langfristig das Herzinfarktrisiko um 86 Prozent erhöhen. Dabei ist die zusätzliche Einnahme von Kalziumpräparaten für die meisten Menschen überflüssig. Es reicht aus, sich ausgewogen zu ernähren, denn viel Kalzium steckt in mehr Lebensmitteln, als man denkt. Und überdosieren lässt sich Kalzium über die Nahrung nicht, denn aus natürlichen Lebensmitteln wird es langsamer aufgenommen als aus Tabletten, die den Körper mit Kalzium überfluten.

Kombinationspräparate ungeeignet

Trotz der neuen Erkenntnisse raten aber noch immer viele Ärzte ihren Patienten, Kombinationspräparate mit Kalzium und Vitamin D einzunehmen. Vitamin D ist nötig, damit die Knochen das Kalzium aus der Nahrung aufnehmen können und viele Menschen in Deutschland leiden an Vitamin-D-Mangel. Doch Experten halten diese Kombinationspräparate für ungeeignet, um den Vitamin-D-Bedarf zu decken, denn sie enthalten meist zu viel Kalzium und zu wenig Vitamin D. Besser sind daher reine Vitamin D-Präparate.

Die einzigen Menschen, die zusätzlich zur Nahrung Kalziumpräparate benötigen, sind Patienten mit Mangelernährung und diejenigen, die regelmäßig bestimmte Medikamente wie Magensäureblocker oder Cortison einnehmen müssen. Durch die Medikamente kann der Körper Kalziumkarbonat nicht ausreichend aufnehmen.  Die Patienten müssen deshalb Kalziumgluconat oder Kalziumcitrat nehmen, weil diese von der Magensäure unabhängig aufgenommen werden können.

Interviewpartner im Beitrag:

Dr. Matthias Riedl
Internist, Diabetologe, Ernährungsmediziner             
Diabetes Zentrum Berliner Tor
Medicum Hamburg GbR
Beim Strohhause 2
20097 Hamburg
Tel. (040) 807 97 90
Fax (040) 807 97 93 00

Univ.-Prof. Dr. Michael Amling, MBA                        
Direktor Institut für Osteologie und Biomechanik
Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg

Priv.-Doz. Dr. Gerian Grönefeld
Kardiologe
Asklepios Klinik Barmbek
Rübenkamp 220
22291 Hamburg
Tel. (040) 18 18 82 48 10
Fax (040) 18 18 82 48 19

Autor des Fernsehbeitrags:
Sven Trösch

Dieses Thema im Programm:

Visite | 04.09.2012 | 20:15 Uhr

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