Stand: 05.03.2019 16:33 Uhr  | Archiv

Fasten: Mehr als eine Diät

Glas Ingwertee © Fotolia.com Foto: juefraphoto
Eine Grundregel des Fastens heißt: regelmäßig und viel trinken - zum Beispiel Tees.

Am Aschermittwoch beginnt für gläubige Christen die Fastenzeit, in der sie sich traditionell auf Ostern und damit auf das Fest der Auferstehung Jesu vorbereiten. Mit dem Verzicht auf Nahrung oder Genussmittel wollen sie sich wieder stärker auf ihre Beziehung zu Gott besinnen. Für viele Menschen, die jetzt fasten, stehen allerdings andere Motive im Vordergrund: Sie nehmen eine Auszeit, um innerlich zur Ruhe zu kommen und ihr seelisches Gleichgewicht wiederherzustellen. Gleichzeitig soll Fasten den Darm säubern, Rheuma-Leiden lindern, die Gefäße elastischer machen und hohen Blutdruck sowie den Cholesterinspiegel senken.

Ruhephase für Körper und Geist

Zentrale Idee ist der bewusste Verzicht, mit dem der Fastende seinen Alltag unterbricht. Das Fasten soll die Selbstheilungskräfte des Körpers anregen, ihn reinigen und regenerieren. Der Verzicht muss sich dabei nicht auf Lebensmittel beziehen: Der Fastende kann beispielsweise auch für eine bestimmte Zeit auf Fleisch, Süßigkeiten, Alkohol oder Zigaretten verzichten, aber auch auf Fernsehen oder das Smartphone. Wichtig außerdem: Zum richtigen Fasten gehören viel Bewegung, Entspannung und ausreichendes Trinken.

Gesünder leben durch Heilfasten

Auf einem Tisch stehen Sauerkrautsaft in einem Glas und in einer Karaffe vor einem Stück Weißkohl. © picture-alliance
Sauerkrautsaft unterstützt die Darmentleerung während des Fastens.

Eine besondere Form des Fastens ist das Heilfasten, eines der ältesten Naturheilverfahren der Welt. Dabei nimmt der Fastende über einen bestimmten Zeitraum hinweg, der wenige Tage oder auch vier Wochen betragen kann, keine feste Nahrung zu sich. Das Fasten soll dem Körper dabei helfen, sich zu "entgiften" und so gesundheitliche Beschwerden lindern sowie chronischen Erkrankungen vorbeugen. Nachweislich verringern sich während des Fastens entzündliche Prozesse im Körper, die Blutwerte verbessern sich, der Cholesterinspiegel sinkt.

In Zusammenarbeit mit einem kompetenten Fasten-Arzt lernt der Fastende zudem, ein neues Verantwortungsgefühl für seinen Körper zu entwickeln und sich auch künftig gesünder zu ernähren. Wer nicht ambulant fasten möchte, kann spezialisierte Kliniken aufsuchen. Vorteile dort: Der Patient erfährt ständige ärztliche Begleitung, verlässt seinen Alltag und kann sich ganz auf sich selbst konzentrieren. Der Aufenthalt in einer solchen Klinik dauert bis zu vier Wochen - einschließlich der Zeit, in der sich Patienten wieder an ihre normale Nahrung gewöhnen. Menschen mit chronischen Erkrankungen sollten nur unter ärztlicher Aufsicht heilfasten.

Zum Fasten gehört Bewegung

Ein Paar beim Nordic Walking am Strand. © Picture Alliance Foto: Bildagentur Huber/Gräfenhain
Durch Fasten verliert der Körper Muskelmasse. Viel Bewegung wirkt dem Abbau entgegen.

Eine der bekanntesten Methoden ist das Heilfasten nach Dr. Otto Buchinger. Es ist keine Null-Diät: Die Nahrungszufuhr wird nur bewusst unter die Bedarfsgrenze herabgesetzt. Der Körper wird weiterhin mit viel Flüssigkeit (Wasser, Tee, Saft, Brühe), wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen versorgt. Das ganzheitliche Konzept geht über eine Umstellung der Ernährung weit hinaus. Zum Therapiekonzept gehören auch Entspannungsübungen und viel Bewegung. So begleiten Fachkliniken die Kur mit Aktivitäten wie Wandern, Radfahren und Schwimmen. Bewegung ist während des Fastens besonders wichtig, da der Körper den Muskeln während des Fastens Eiweiß entzieht und so Muskeln abgebaut werden.

Fasten gegen Fettpolster

Auch als Methode zum Abnehmen ist Fasten wieder in Mode, denn es schärft die Wahrnehmung für Hunger, Sättigung und Appetit. Innerhalb der ersten drei Tage stellt sich der Körper um und lebt dann von seinen Reserven - Fett wird abgebaut. Dabei kann es zu unangenehmen Begleiterscheinungen wie Kopfschmerzen, niedrigem Blutdruck, Hautreaktionen, Schlafstörungen oder schlechter Laune kommen. Nach dieser Phase erleben viele Fastenden ein Stimmungshoch: Der Körper schüttet verschiedene Botenstoffe und Hormone aus und es kommt zu der sogenannten Fasteneuphorie.

Intervallfasten verhindert Jojo-Effekt

Besonders gut zum Abnehmen geeignet ist aber nicht das mehrtägige Fasten, sondern das sogenannte Intervallfasten, bei dem lediglich stunden- oder tageweise gefastet wird. Vorteil: Der Stoffwechsel bleibt unverändert, der Körper baut keine Muskeln ab, der gefürchtete Jojo-Effekt bleibt aus.

Der heikelste Punkt: Wiedereinstieg ins normale Essen

Am Ende der Fastenperiode stehen die Aufbautage. Sie bedürfen besonderer Disziplin, denn der Fastende sollte nur langsam wieder mit dem Essen beginnen. Idealerweise markieren die Aufbautage den Übergang zu einer neuen, gesünderen Lebensweise. "Das Hungern lohnt sich nur, wenn auch die Ernährungsgewohnheiten langfristig verändert werden", betont etwa die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE).

Grundsätzliches zum Fasten:

  • Vor Beginn des Fastens einen Arzt aufsuchen, um sicherzustellen, dass medizinisch nichts dagegenspricht.
  • Mindestens drei Liter Flüssigkeit am Tag trinken, am besten Wasser, Kräutertees, Obst- und Gemüsesaft oder Gemüsebrühe.
  • Auf Schädliches wie Alkohol, Nikotin, Koffein und Süßes verzichten, am besten auch in der Zeit vor und nach der Fastenkur.
  • Körperliche Aktivität mit Bettruhe und Entspannung abwechseln.
  • Den Darm zu Beginn des Fastens mithilfe einer Salzlösung entleeren - danach alle zwei Tage mit Glaubersalz, Sauerkrautsaft oder Einläufen. Die Entleerung dämpft das Hungergefühl.
  • Nicht fasten sollten Kranke, Menschen über 65 Jahre, Kinder unter 16 Jahren, Schwangere, stillende Mütter und Untergewichtige: Für sie kann der Angriff auf die Energiereserven gefährlich werden.

Logo N-JOY Radiokirche © picture alliance/chromorange Foto: CHROMORANGE / Walter G. Allgöwer

AUDIO: Fasten (2 Min)

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Auf der Brust gekreuzte Hände © fotolia.com Foto: shorty_k

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Dieses Thema im Programm:

Mein Nachmittag | 08.03.2019 | 16:20 Uhr

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