Stand: 03.03.2019 08:50 Uhr  | Archiv

Erschöpfungssyndrom erkennen und behandeln

Anhaltende Müdigkeit, tiefe Kraftlosigkeit und fehlender Antrieb, sodass der normale Alltag kaum mehr zu bewältigen ist: Viele Krebspatienten kennen diesen Zustand, er tritt während oder nach einer Tumorerkrankung sehr häufig auf. Mediziner sprechen von Fatigue (frz./engl. für Erschöpfung) oder dem Erschöpfungssyndrom. Auch noch Wochen nach einer Therapie leiden bis zu 90 Prozent der Patienten unter übermäßiger Abgeschlagenheit.

Gehen die Beschwerden nach vier bis sechs Monaten nicht zurück oder treten sie nach einiger Zeit erneut auf, liegt eine chronische Fatigue vor. Laut Schätzungen sind 20 bis 50 Prozent der Krebspatienten davon betroffen. Besonders häufig tritt das Erschöpfungssyndrom im Rahmen einer Chemo- oder Strahlentherapie sowie bei Leukämien, Lymphomen und metastasiertem Brustkrebs auf.

Fatigue beeinträchtigt die Lebensqualität erheblich. Zugleich fällt es Betroffenen oft schwer, Außenstehenden ihre Situation verständlich zu machen - zumal dann, wenn die Krebstherapie schon etwas länger zurückliegt.

Verschiedene Ursachen führen zur Erschöpfung

Die Ursachen der tumorbedingten Fatigue sind noch nicht eindeutig geklärt. Offensichtlich entsteht sie im Zusammenwirken verschiedener Faktoren und ist auch abhängig von der individuellen Empfindlichkeit für Belastungsreize. Die Belastung, die mit der Krebserkrankung selbst und mit Chemo- oder Strahlentherapie verbunden ist, zehrt an den Energiereserven. Bei Chemotherapien werden in unterschiedlichem Maß neben Tumorgewebe auch gesunde Körperzellen in Mitleidenschaft gezogen und Zellbildungsprozesse gestört, es kommt zu Stoffwechselveränderungen.

Die häufig mit der Tumorbehandlung einhergehende Blutarmut (Anämie) könnte für Fatigue mitursächlich sein, da durch den Mangel an roten Blutkörperchen die Organe nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden, was den Organismus schwächt. Auch Bewegungsmangel und der psychische Stress durch Schmerzen und durch die Angst oder Niedergeschlagenheit nach der Krebsdiagnose spielen vermutlich eine Rolle.

Tumorbedingte Fatigue ist nicht zu verwechseln mit dem chronischen Erschöpfungssyndrom (CFS).

Anhaltende Müdigkeit als Hauptsymptom

Schematische Darstellung: Knochenkrebs im Oberschenkel © NDR
Die kräftezehrende Krebs-Therapie führt oft zu körperlicher und geistiger Erschöpfung.

Im Rahmen einer schweren Erkrankung wie Krebs und entsprechend kräftezehrender Therapien ist Müdigkeit normal. Bei Fatigue bessert sich die Abgeschlagenheit allerdings auch nicht durch Ausschlafen und Erholungspausen. Der Grad der Erschöpfung steht in keinem Verhältnis zur vorausgegangenen körperlichen oder geistigen Anstrengung. Neben oder alternativ zu den körperlichen Symptomen können seelische und geistige auftreten. Typische Fatigue-Anzeichen sind:

  • anhaltende Müdigkeit, auch tagsüber
  • nicht zu befriedigendes Schlafbedürfnis
  • reduzierte körperliche Leistungsfähigkeit
  • Schweregefühl in den Gliedmaßen
  • Motivations- und Antriebsmangel
  • Konzentrationsstörungen, Wortfindungsstörungen.

Diagnose ist nicht leicht zu stellen

Da die Symptome wenig spezifisch sind und es keine eindeutigen Fatigue-Marker gibt, ist die Diagnose nicht einfach zu stellen. Der Arzt wird zunächst die Krankengeschichte erheben und nach einer körperlichen Untersuchung einige Blutwerte überprüfen. Auszuschließen sind dadurch insbesondere Diabetes, eine Schilddrüsenunterfunktion und eine Blutarmut (Anämie). Auch gilt es, die chronische Fatigue von einer Depression abzugrenzen. Bei rund einem Drittel der Fatigue-Patienten liegt zusätzlich eine psychische Erkrankung vor, die gesondert behandelt werden muss.

Fatigue-Therapie setzt an verschiedenen Punkten an

Der Orthopäde Christian Sturm zeigt einem Jungen Halteübungen mit dem Bosu-Ball. © NDR/nonfictionplanet
Übungen lassen sich zu hause leicht in den Alltag integrieren.

Ebenso unterschiedlich wie die Ausprägungen von Fatigue sind auch die Behandlungsansätze. Wichtig ist als Erstes eine gute Aufklärung von Patient und Angehörigen über das Krankheitsbild: Betroffene sollten lernen, um Hilfe zu bitten und diese anzunehmen. Das private und berufliche Umfeld wiederum sollte die Beschwerden akzeptieren und Rücksicht üben.

Bewegung hilft gegen die Erschöpfung

Zu den allgemein hilfreichen Maßnahmen zählt vor allem Bewegung. Nachgewiesen ist der positive Effekt von Bewegung auf körperliche Erschöpfungszustände während und nach einer Krebserkrankung. Ziel ist dabei der Aufbau von Kondition und Muskelmasse. Ideal sind Ausdauersportarten wie zügiges Gehen, Nordic Walking, Joggen, Radfahren, Schwimmen, Ski-Langlauf oder Rudern. Bewegung, vor allem im Freien, wirkt zudem wie ein sanftes Schlafmittel: Wer ausreichend körperlich aktiv ist, schläft besser ein und tiefer und kann sich effektiver erholen.

Bewegungstherapie bei Fatigue
Svea Köhlmoos liegt auf dem Rücken, einen Fuß auf einer Halbkugel aufgestellt, anderes Bein gestreckt und Gesäß in der Luft. © NDR

Bewegungstherapie bei Fatigue

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Tagebuch führen

Das Einhalten eines regelmäßigen Schlafrhythmus ist unerlässlich: Zu wenig, aber auch zu viel Schlaf kann Fatigue verstärken. Wichtig ist außerdem das Setzen von Prioritäten, um mit den Kräften hauszuhalten. Viele Betroffene profitieren davon, ein Fatigue-Tagebuch zu führen: So lässt sich ermitteln, für welche Tätigkeiten die Kräfte reichen, wann die Erschöpfung am schlimmsten ist und wann Aktivitäten am besten in den Tagesablauf passen.

Ernährungstherapie gegen Erschöpfung

Eine ausgewogene, nährstoffreiche Ernährung füllt die Kraftreserven wieder auf. Im Einzelfall kann zudem eine Verhaltenstherapie infrage kommen, bei der Konfliktverarbeitung und die Behandlung möglicher Schlafstörungen im Vordergrund stehen.

Ernährungstherapie
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Die Bewegungs-Docs | 01.04.2019 | 21:00 Uhr

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