Stand: 04.02.2019 17:51 Uhr  - Die Ernährungs-Docs  | Archiv

Ernährung bei Kalziumoxalatsteinen in der Niere

75 Prozent aller Nierensteine sind sogenannte Kalziumoxalatsteine. In der Hälfte aller Fälle treten diese Steine wiederholt auf. Für ihre Entstehung sind nach aktuellen Studien verantwortlich:

  • zu wenig Wasserkonsum
  • süße Getränke
  • falsche Ernährung
  • zu viel Kalzium
  • Übergewicht

Eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten kann deshalb das Risiko, dass sich neue Kalziumoxalatsteine bilden, maßgeblich reduzieren.

Das Wichtigste im Überblick

  • Viel Gemüse und Obst essen. Fünfer-Regel: 3 Handvoll Gemüse und 2 Handvoll zuckerarmes (!) Obst am Tag.
  • 3 Hauptmahlzeiten und 4 bis 5 Stunden Pause zwischen den Mahlzeiten.
  • Kohlenhydrate reduzieren! Keine Süßigkeiten und möglichst nichts aus hellem Mehl, wenig Weizen. Stattdessen komplexe Kohlenhydrate (Vollkornbrot, -pasta, -reis): Im Vollkorn stecken gesunde Ballaststoffe.
  • Eiweiß richtig dosieren: 1 g Eiweiß pro kg Körpergewicht im Normalgewicht. Beispiel: Eine Frau, 65 Kilo bei 1,70 Meter (Normalgewicht), braucht 65 g Eiweiß pro Tag, am besten verteilt auf 3 Mahlzeiten. Ein Mann, 80 Kilo/1,85 Meter, braucht 80 g Eiweiß.
  • Kalziumaufnahme beachten: 800 bis 1.000 Milligramm pro Tag. Daher maximal 2 bis 3 Portionen Milch oder Milchprodukte täglich. Beispiel für eine Tagesration: zum Frühstück Naturjoghurt mit Himbeeren, mittags Brokkoli mit einem Schnittlauchquark und abends eine Scheibe Vollkornbrot mit Hüttenkäse und Kresse.
  • Oxalsäurereiche Lebensmittel meiden: Rhabarber, Spinat, Mangold, Rote Bete, Sauerampfer, auch Amarant, Kakao, Weizenkleie.
  • Wenig Salz essen: Salz fördert die Kalziumausscheidung!
  • Magnesium und Zitronensäure helfen dem Darm, Oxalat aufzunehmen. Magnesium steckt zum Beispiel in Vollkornprodukten, Erbsen, Linsen und Sonnenblumenkernen, auch in Bohnen oder Kartoffeln - Zitronensäure in Zitrusfrüchten.
  • Ölwechsel in der Küche: mehr hochwertige Pflanzenöle einsetzen, dafür tierische Fette reduzieren (sie enthalten entzündungsfördernde Arachidonsäure).
  • Bis zu 2 Mal pro Woche mageres Fleisch, wenig Wurstwaren, vor allem Schwein meiden wegen der Arachidonsäure.
  • 1 bis 2 Mal pro Woche Fisch - davon mindestens 1 Mal fetten Seefisch wegen der gesunden Omega-3-Fettsäuren.
  • Viel trinken! Mindestens 2,5 bis 3 Liter pro Tag harnneutrale Getränke wie Früchtetees, Nieren- und Blasentees, kalziumarme Mineralwasser, auch verdünnte (Zitrus-)Fruchtsäfte.

Lebensmittel im Überblick

EmpfehlenswertNicht empfehlenswert
Brot und Backwaren, BeilagenIn Maßen: Vollkornbrot/-brötchen, insbesondere aus Hafer, Dinkel, Roggen, Gerste;
Haferflocken,
Müsli ohne Zucker;
Quinoa;
Vollkornnudeln, Vollkornreis, Pellkartoffeln
Weißbrot, Toastbrot, Zwieback, Weizen- und Milchbrötchen, Croissant;
Hartweizennudeln, geschälter Reis, Pommes, Kroketten, Kartoffelbrei, Kartoffelpuffer;
Fertiggerichte, Fast Food
Wegen Oxalsäure:
Amarant, Weizenkleie, Kakao
Snacks und KnabberkramSüßigkeiten, süße Backwaren, süße Milchprodukte (s. u.), Eiscreme; Chips, Salzgebäck
Obst
(2 Portionen/Tag)
Apfel, Aprikosen, Avocado, Clementinen, Erdbeeren, Grapefruit, Heidelbeeren, Marillen, Nektarine, Papaya, Pflaumen, Pfirsiche, Sauerkirschen, Stachelbeeren, Wassermelone, Zwetschgen;
kalziumreich:
Brombeeren, Himbeeren, Johannisbeeren, Kiwi, Orangen
gezuckerte Obstkonserven, Trockenobst und Obstmus
wegen Zuckergehalt auch:
Ananas, Banane, Birne, Honigmelone, Kaki (Sharon), Kirschen, Mango, Weintrauben
Gemüse
(3 Portionen/Tag)
Alle Salatsorten, Artischocken, Aubergine, Bohnen, Linsen, Erbsen, Fenchel, Paprika, Gurke, Kürbis, Tomate, alle Kohlarten, Radieschen, Spargel, Zucchini, Sauerkraut und Pilze;
kalziumreich: Brokkoli, Fenchel, Grünkohl, Rucola, weiße Bohnen
wegen Zuckergehalt
einschränken: Mais
wegen Oxalsäure:
Mangold, Rhabarber, Rote Bete, Sauerampfer, Spinat, Süßkartoffeln, Yamswurzel, Sojabohnen
Nüsse und Samen
(3 x/Woche ca. 20 g)
generell wenig, da viele Mineralstoffe, darunter Kalzium - am ehesten:
Chia-, Lein- und Flohsamen; Sonnenblumenkerne
generell gesalzene Nüsse;
wegen Oxalsäure:
Mandeln, Cashews, Erdnüsse, Haselnüsse, Macadamia, Pekannüsse, Walnüsse
Fette und Öle
(2–3 EL/Tag)
Olivenöl, Rapsöl, Walnussöl, Leinöl, Weizenkeimöl und ButterSchweine- und Gänseschmalz, Butterschmalz, Palmfett, Mayonnaise, Sonnenblumenöl, Distelöl
Getränke
(ca. 2,5–3 Liter/Tag)
Leitungswasser, Nieren- und Blasentees, Kräuter- oder Früchtetees, mineralstoffarme Mineralwasser, stark verdünnter Orangensaft;
max. 1–2 Tassen:
frischer Filterkaffee (besser entkoffeiniert), schwarzer Tee
Fruchtsaft pur, Softdrinks, Kakao, Alkohol
Fisch und Meeresfrüchte
(1-2 x pro Woche,
je ca. 150-200 g)
Aal, Forelle, Heilbutt, Hering, Kabeljau, Karpfen, Lachs, Makrele, Sardinen, Sardellen, Scholle, Seezunge, Steinbutt, Thunfisch;
Flusskrebs, Garnelen, Hummer, Krabben, Shrimps
Fisch in Mayonnaise oder Sahne eingelegt;
panierter Fisch
Wurstwaren und Fleisch 
(max. 2 x pro Woche,
je ca. 120-150 g)
Magere Varianten wie Corned Beef, Putenbrustaufschnitt, Aspik;
Geflügelfleisch, Rinderfilet
Generell paniertes Fleisch sowie Fleisch und Wurst vom Schwein;
Leberwurst, Weißwurst, Salami, Mortadella, Fleischwurst, Wienerle, Bratwurst, Blutwurst,  Fleischkäse/Leberkäse
Eier (max. 3-5 pro Woche),
Milch und Milchprodukte, Käse
Eier (Eigelb ist kalziumreich);
besonders kalziumreich:
fettarme Milch 1,5 % Fett, Buttermilch, Speisequark bis 20 % Fett, Naturjoghurt 1,5 % Fett;
Käse bis 45 % Fett i. Tr.: Schnittkäse, Weichkäse, Fetakäse, Mozzarella -
besonders mager: Harzer Käse, körniger Frischkäse
Sahne, Schmand und Creme fraiche;
Pudding, Milchreis, Fruchtjoghurt, Fruchtquark, Kakaozubereitungen, Fruchtbuttermilch

 

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Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 04.02.2019 | 21:00 Uhr

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