Stand: 21.04.2020 14:28 Uhr  | Archiv

Coronavirus: Was müssen Allergiker beachten?

Ein Arzt horcht eine hustende Frau ab © fotolia.com Foto: Jean Paul CHASSENET
Medikamente wie Cortison-Spray helfen der Bronchialschleimhaut, sich zu erholen.

Nicht ausreichend behandelte oder medikamentös schlecht eingestellte Heuschnupfen- oder Asthma-Patienten haben ein erhöhtes Risiko für eine Covid-19-Infektion. Der Grund: Ihre Schleimhäute im oberen Atemwegssystem schwellen an und werden durchlässiger für Viren und Co.

Asthma, Allergien und Bronchitis schädigen Schleimhaut

Die Bronchialschleimhaut besteht aus drei Schichten: der Basal-Membran, den Epithelzellen und darüber den Flimmerhärchen mit dem Biofilm. Die oberste Schicht ist eine Schutzbarriere. Sie wehrt Krankheitserreger, Schmutz und Staub ab. Die Flimmerhärchen befördern Eindringlinge aus der Lunge heraus. Bei Entzündungen wie Asthma, Allergien oder auch Bronchitis schwillt die Schleimhaut an. Die Flimmerhärchen erstarren und einzelne Epithelzellen sterben ab. Dadurch entstehen Löcher in der Bronchialschleimhaut. In diese Lücken können Krankheitserreger leichter eindringen - so auch das Coronavirus.

Cortison in der Coronavirus-Pandemie nicht absetzen

Falschmeldungen, dass Asthmatiker ihr Cortison absetzen sollen, weil es angeblich das Immunsystem schwäche, haben für große Verunsicherung gesorgt. Dabei hat das inhalierbare Cortison, das Asthma-Patienten bekommen, keinen schwächenden Einfluss - ganz im Gegenteil: Medikamente wie Cortison-Spray helfen der Bronchialschleimhaut, sich zu erholen, neue Epithelzellen zu bilden und die Lücken zu schließen. Die Symptome verbessern sich und Krankheitserreger wie das Coronavirus können weniger leicht eindringen.

Gut eingestellte Asthmatiker mit wenig oder gar keinen Beschwerden sollten an ihrer Asthma-Medikation gerade jetzt nichts ändern: Sie haben, im Vergleich zu Nicht-Asthmatikern, kein wesentlich erhöhtes Risiko, sich zu infizieren. Andererseits darf jetzt kein Asthmatiker durch das Absetzen oder Verändern der Medikamente instabil und damit besonders anfällig für die Coronaviren werden, mahnen Experten.

Allergiker wie Heuschnupfen-Patienten können die Gefährdung, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, anhand der Beschwerden gut selbst einschätzen: Wer in der Allergiezeit wenig, gut behandelbare oder gar keine Beschwerden hat, dessen Infektionsrisiko ist gering.

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Experten zum Thema

Dr. Martin Ehlers
Lungenfacharzt, Pulmologe, Allergologe
Dorotheenstr. 174
22299 Hamburg
www.schmoller-ehlers.de

Dr. Matthias Müller
Lungenfacharzt, Pulmologe
Neuer Pferdemarkt 12
20359 Hamburg
www.lungenpraxis-hamburg.de

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